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Urban Mining

Die Stadt als Mine für Rohstoffe. Das ist Urban Mining. Wenn Rohstoffe immer knapper werden, warum nicht in Elektronikschrott oder abgerissenen Gebäuden danach suchen? Versteckte Quellen als alternative Stellen zur Schürfung. Das Ziel: Ein intelligenter Umgang mit Rohstoffen, der beim Design eines Produkts beginnt und eine effiziente Rohstoffrückgewinnung ermöglicht.

Von der Kreislaufwirtschaft zur Rohstoffindustrie

Urban Mining umfasst die Identifizierung anthropogener Lagerstätten, die Quantifizierung der darin enthaltenen Sekundärrohstoffe, Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen vor dem Hintergrund der zur Verfügung stehenden technischen Rückgewinnungsvarianten und den derzeitigen und prognostizierten Erlösen sowie letztendlich die wirtschaftliche Aufbereitung und Wiedergewinnung der identifizierten Wertstoffe sowie die integrale Bewirtschaftung anthropogener Lagerstätten. Dabei wird der Mensch nicht nur als Verbraucher, sondern auch als Produzent wertvoller Ressourcen betrachtet.

Das relevante Unterscheidungsmerkmal bei der Betrachtung urbaner Minen ist – im Sinne einer Lebenszyklusbetrachtung – der Zeitraum der Freisetzung der Ressourcen. D. h. der Zeitraum wann die, in Konsum- und Produktionsgüter verwendeten Rohstoffe, wieder zur Verfügung stehen. Hierbei lassen sich die verschiedenen Lager, je nach Verwendungszeitraum, in lang- und kurzfristige urbane Minen (Lager) unterscheiden.

Deutliche Unterschiede ergeben sich für die verschiedenen Minen darüber hinaus noch im Grad der Wertstoffdichte, dem erforderlichen Aufwand zur Nutzung der Sekundärrohstoffe (werkstofflich, rohstofflich, energetisch), dem Grad der Einwirkung (Wertminderung) durch die vorangegangene Konsumation sowie die jeweils erzielbaren Erlöse.

Urban Mining kann als Strategie bestehend aus vier Säulen dargestellt werden:

  1. Design for Urban Mining.
    Gestaltung von Verfahren, Produkten und Systemen nach den Gesichtspunkten der langfristigen Mehrfachnutzung: Heutige Güter können oft nur schwer in einzelne Stoffe zerlegt und damit effizient rezykliert werden. Zukünftig sollen die Aspekte eines zweiten und mehrfachen Stofflebens bereits beim Design berücksichtigt und ins Produkt eingebaut werden.
  2. Ressourcenkataster – Bewahrung der stofflichen Information.
    Vor allem bei Gütern mit langer Lebensdauer fehlen am Ende der Lebensdauer Informationen über Art, Menge und Zusammensetzung der Güter. Zukünftig sind die bei der Herstellung bzw. beim Bau vorhandenen Informationen zu konservieren, sodass sie am Ende der Lebensdauer für das Recycling zur Verfügung stehen. Denkbar sind der Produktpass (Gebäudepass) sowie der Ressourcenkataster auf regionaler Ebene: Sie geben darüber Auskunft, wo welche Stoffe in welchen Konzentrationen vorhanden sind, und wann diese ihr Lebensende erreichen werden.
  3. Urbane Prospektion.
    Wie schon der Name sagt, hat Urban Mining etwas mit Mining, dem Bergbau, zu tun. Im Bergbau werden geologische, geophysikalische und geochemische Methoden der Prospektion zur Suche und Erkundung von neuen Lagerstätten angewandt. Auch für Urban Mining benötigt man entsprechende Methoden zum Finden und zur Bewertung von urbanen Lagerstätten. Derzeit steckt die Prospektion von urbanen Ressourcen noch in den Kinderschuhen. Um ein Urban Mining wirtschaftlich konkurrenzfähig zum primären Bergbau zu gestalten, ist es notwendig, entsprechende Methoden zur Prospektion urbaner Rohstoffe zu entwickeln.
  4. High-Technology für Trennung und Rückgewinnung.
    Das Wissen über die Menge, Spezifizierung und Verortung von sekundären Ressourcen ist die eine Vorbedingung für erfolgreiches Urban Mining. Die zweite Vorbedingung ist, dass Technologien verfügbar sind, um aus den vorhandenen Sekundärressourcen die wertvollen Stoffe von den wertlosen und den Schadstoffen auf wirtschaftliche Art und Weise zu trennen. Hier besteht eine große Lücke. In Zukunft werden neue High-Tech-Prozesse zu entwickeln sein, die die komplexen Gemische, die morgen aus den heutigen Stofflagern in die Sekundärstoffwirtschaft eintreten, auftrennen können. Dazu sind physikalische, physikalisch-chemische wie auch chemische Prozesse zu entwickeln, die mit wenig stofflichem und energetischem Aufwand die Gewinnung von wertvollen, sauberen Produkten erlauben. Für die langfristig umweltverträgliche Entsorgung der Rückstände müssen sichere letzte Lagerstätten (beispielsweise Untertagedeponien) zur Verfügung gestellt werden.

Eine auf diesen vier Säulen aufgebaute Bewirtschaftung von Inhaltstoffen des anthropogenen Lagers geht weit über ein bloßes Recycling hinaus und kann mit Fug und Recht mit dem neuen Begriff Urban Mining bezeichnet werden. Wie beim traditionellen Bergbau wird es auch beim neuen Stadtbau eine Weile dauern, bis die neuen Ansätze und Technologien entwickelt und umgesetzt werden. Die Zeit ist reif, die anthropogenen Lager sind voll, jetzt gilt es, die neuen Chancen zu nutzen.

Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme, FH-Münster, URBAN MINING® e.V.

Quellen:
Prof. Dr. Paul H. Brunner, Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft, TU Wien.
IWARU Institut für Wasser-Ressourcen-Umwelt, Fachhochschule Münster.

Altmetalle Kranner

Seit über 70 Jahren beschäftigen wir uns schon mit Metallen aus anthropogenen Lagern. Wir kaufen unter anderem Altmetalle wie sie auf Baustellen vorkommen: ausgediente Heizkörper, Kupferrohre oder Messingarmaturen, aber auch alte Kochtöpfe und Elektrogeräte. Diese führen wir dann als Sekundärrohstoffe wieder der Wirtschaft zu. Klassisches Urban Mining also.

Wir, Altmetalle Kranner, finden diese Entwicklung gut. Deswegen setzen wir uns in diesem Blog mit den ökonomischen und ökologischen Herausforderungen im urbanen Lebensraum auseinander. Und berichten von den neuesten Entwicklungen des Urban Mining.

Wir freuen uns auf Ihre Unterstützung – kontaktieren Sie uns unter contact@urbanmining.at.

www.urbanmining.at ist ein nichtkommerzieller, unabhängiger Blog und dient zum Informations- und Gedankenaustausch der Nutzer.