Altenheim wird trendiges Hotel

Wie aus einem abgewohnten Pflegeheim ein trendiger HotSpot wird, zeigt Magdas Hotel. Das Konzept des Umbaus besteht darin, Vorhandenes wieder zu verwenden und etwas Neues daraus zu gestalten. Aber nicht nur der Upycycling Gedanke macht dieses Wiener Hotel zu etwas Einzigartigem: Flüchtlinge, die jahrelang keinen Zugang zum Arbeitsmarkt hatten, finden hier ihren ersten Job.

Als das Pflegeheim Ende 2013 in einen Neubau übersiedelte, überlegte sich der Trägerverein Caritas, wie das leerstehende Gebäude temporär genutzt werden könnte. Die Idee eines Hotels entstand: Der ausgezeichnete Standort, die Nähe zum Prater und zum Stadtzentrum, die Außenanlagen samt Garten waren prädestiniert für solch ein Vorhaben. Auch die vorgegebene Struktur des Altenheims liess mit nur wenigen Umbaumaßnahmen diese neue Nutzung zu.

 

Das Gebäude selbst war aber in einem schlechten Zustand und das Budget von nur 1,5 Millionen Euro mehr als bescheiden. So haben sich die Architekten vom Büro „Alles wird gut“ ein Konzept überlegt, das Vorhandene großteils wieder zu verwenden. Kaum etwas sollte weggeworfen, sondern einer neuen Nutzung zugeführt werden. Alte Möbel wurden zerlegt und neue daraus gemacht. Im Keller war für die Zeit des Umbaus eine Werkstätte eingerichtet, wo gemeinsam mit Flüchtlingen erneuert und upgecycelt wurde. Zahlreiche Firmen haben sich an der Realisierung des neuen Hotels beteiligt und kostenlos Dienstleistungen und Produkte zur Verfügung gestellt.

Nur mit dem gemeinsamen Anpacken war es möglich, Magdas Hotel am 14. Februar dieses Jahres zu eröffnen. Neben Fachleuten aus Hotellerie, Service, Küche und Sales arbeiten hier vorwiegend Menschen, die bis dato überhaupt keine Arbeitserfahrung haben. „Der Gesetzgeber hat teilweise 10 bis 12 Jahre gebraucht, damit die Leute zum Arbeitsmarkt Zutritt bekommen“, erzählt Hotelleiter Sebastiaan de Vos. Schön ist dabei zu beobachten, „dass diese Leute sehr positiv eingestellt sind. Sie wollen arbeiten und sind froh, dass sie es nun endlich dürfen“. Diese positive Einstellung hat sich auch darin gezeigt, dass beispielsweise Rezeptionisten geholfen haben, Betten hinauf zu tragen; die Leute von der Küche auch die Zimmer zusammen geräumt haben. Endlich einer Arbeit nachgehen zu können, bedeutet für die Menschen weitaus mehr: „Nämlich Zugang zu unserer Gesellschaft zu haben und damit Hoffnung auf Integration“, so de Vos.

 

Die Idee des Social Business geht in Magdas Hotel voll auf. Der hier erzielte Gewinn fließt 1:1 in karitative Projekte. Die Mitarbeiter selbst können solange hier bleiben, wie sie wollen.

Den Ort als wahre Begegnungszone für Hotelgäste, Touristen, Flüchtlinge und Asylanten zu gestalten, ist den Betreibern ein großes Anliegen. So gibt es in den Hotelzimmern – mit Ausnahme im vierten Stock – kein Fernsehgerät, sodass mehr Interaktion zwischen den Menschen möglich wird. Oder mit einem Social Dinner, an dem wahllos Menschen am Tisch nebeneinander gesetzt werden, sollen neue Kontakte und Gespräche entstehen.  

Die nächsten fünf Jahre wird das Gebäude als Hotel genutzt. Auch Gäste können in dieser Zeit das Haus mitgestalten. Studenten der Akademie der bildenden Künste haben dafür ein besonderes „Urban Mining-Projekt“ entwickelt: Im Hotelshop können künftig kleine quadratische Kupferpaneele gekauft und an den Brüstungen der Balkone montiert werden. Nach Ablauf der Projektes kann die Fassade recycelt, verkauft und das Geld wiederum einem sozialen Zweck zugeführt werden.

Old people’s home turned into trendy hotel

 

Magdas Hotel is an apt example of how a run-down old people’s home can be turned into a trendy hot spot. Conversion is about using a legacy structure and turning it into something new. Be that as it may, it is not merely the upcycling concept that makes this Viennese hotel so unique: refugees barred from accessing the labour market for many years get a chance to find their first job here.

When the old people’s home was relocated to a newly erected site at the end of 2013, Caritas, as the home’s operator, asked itself how the vacant building could be put to temporary use. The idea of a hotel was born: the excellent situation, its proximity to the Prater public park and the city centre, the outdoor facilities plus garden were predestined for such a project. Furthermore, only minor reconstruction was needed to put the legacy structure of the old people’s home to new use.

The building itself was in poor condition and a budget of merely EUR 1.5 million was modest, to say the least. Thus the architects of the “Alles wird gut” studio came up with an idea that, for the most part, makes use of already existing structures. Hardly anything was to be thrown away; instead, everything was to be put to new use. Old furniture was taken apart to build new furniture. While conversion was ongoing, a workshop was set up in the cellar as a place to renovate and upcycle together with the refugees. A host of companies participated in the realisation of the new hotel, offering their services and products free of charge.

 

Only the combined effort of the all stakeholders made it possible to open Magdas Hotel on 14 February this year. Apart from the experts from the hotel industry, in service, cooking and sales, most of the people working at the hotel have no previous working experience. “The legislator needed 10 to 12 years in some instances for people to gain access to the labour market”, relates hotel manager Sebastiaan de Vos. It is wonderful to observe “that these people have a very positive attitude. They want to work and are happy to finally be able to”. This positive frame of mind is likewise reflected in the fact that receptionists helped to carry the beds upstairs; the people assigned to the kitchen cleaned up the rooms as well. Finally being able to work means much more for these people: “It means gaining access to our society and thus the prospects of integration”, de Vos says.

The notion of social business comes to full fruition at Magdas Hotel. 100% of the profits made in the hotel go to charity projects. The employees are free to stay as long as they wish.

Making this venue a true place of encounter for hotel guests, tourists, refugees and asylum seekers is one of the operator’s prime concerns. The hotel rooms, for instance, have no TV sets – with the exception of the fourth floor – with a view to fostering interaction between the people. Then there is the social dinner where people are sat next to each other at random in order to facilitate new contacts and conversations. 

The building will serve as a hotel for the next five years. Guests, too, will get to contribute to the design of the building. To this end, students of the Academy of Fine Arts have developed a special “urban mining project”: small square copper panels can be purchased at the hotel shop and mounted on the balustrades of the balconies. Once the project ends, the facade can be recycled, sold and the proceeds can again be used for social development purposes.

 

 

 

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