Altes Werkzeug sichert Lebensgrundlage

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Der Verein Arbeit und Dritte Welt e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht mehr gebrauchtes Werkzeug zu sammeln. In eigenen Werkstätten werden verrostete Gerätschaften gereinigt und soweit wiederhergestellt, dass sie neue Verwendung finden. Durch die Initiative dieses Vereins haben nicht nur über 1000 Menschen in Deutschland wieder einen Arbeitsplatz erhalten, sondern das Werkzeug kommt jenen in Entwicklungsländern zu Gute, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

Während sich hierzulande altes Werkzeug in Küchenschränken, Kellern und Scheunen zuhauf stapelt und niemand so recht weiß, was damit passieren soll, kann es woanders als existenzsichernde Grundlage dienen. Genau diese Idee verfolgen die Gründer des Vereins Arbeit und Dritte Welt e.V.. Über ein Netz von Unterstützern (Unternehmen, Handwerksbetriebe, Gewerkschaften und Privatpersonen) werden gebrauchte Maschinen und Werkzeuge gesammelt. Diese Sachspenden werden von Langzeitarbeitslosen und Schwerstbehinderten in vereinseigenen Werkstätten aufgearbeitet und in einem weiteren Schritt Selbsthilfegruppen in Entwicklungsländern zur Verfügung gestellt. Der Verein organisiert dabei auch die Transportlogistik.

Wie diese Projekte im konkreten aussehen, wie Spendenaufrufe angenommen werden und auch auf welche Herausforderungen die Verantwortlichen dabei stoßen, hat Vereinsgeschäftsführer Thomas Brien folgend beschrieben.

Unmenge an Rollstühlen

P1040471_2Seit vielen Jahren werden wir vom Deutschen Gewerkschaftsbund-Ortskartell Sehnde unterstützt. Sehnde ist eine Kleinstadt zwischen Hildesheim und Hannover. Diese Gewerkschaftsgliederung führt jährlich drei Spendensammlungen für Werkzeuge, Maschinen und Mobilitätshilfen durch. Oft müssen wir einen LKW anmieten, um die Spendenmengen abtransportieren zu können.
Zum Geburtstag des damaligen Vorsitzenden war aufgerufen worden, Rollstühle auf den Sehnder Marktplatz zu bringen.
Als wir dort eintrafen, trauten wir unseren Augen nicht: Unmengen von gebrauchten Rollstühlen!

Werkhalle aus Abbruchmaterialien

P1060416_2Unsere in Eigenarbeit errichtete Werkhalle haben wir aus gebrauchten Backsteinen errichtet. Im Kern besteht sie aus von uns demontierten und wiedererrichteten Trapezblech-Lagerhallen. Das Baumaterial haben wir auf Deponien und Abbrüchen gesammelt, gesäubert und wiederverwendet. Die Halle ist 45 m lang und 15 m breit. Sie enthält ein Lager, eine Mechaniker-Werkstatt, Schlosserei und eine Tischlerei sowie Büros und Sozialräume. Die Fenster sowie die Gastherme und die Heizkörper stammen ebenfalls aus Abbrüchen. Auch die Kantinen- und ein Teil der Büromöbel sowie Türen und die Toiletteneinrichtung wurden vor dem Schredder bewahrt. Der Bau bietet für 34 Langzeitarbeitslose einen Arbeitsplatz – insgesamt sind dort 55 Menschen beschäftigt.

Alte Fahrräder ermöglichen Mobilität

P1020712_2Seit vielen Jahren unterstützen wir mit der Verschickung gebrauchter Fahrräder und Tretnähmaschinen, Rollstühlen und Gehhilfen die „Eritrean War Disabled and Veterans Association“. Diese Organisation mit Sitz in Asmara, der Hauptstadt Eritreas, unterhält Werkstätten und ist daher in der Lage, auch defekte Fahrräder wieder aufzuarbeiten. Diese werden an Kriegsversehrte und ihre Familien verteilt und ermöglichen somit Mobilität und Teilnahme. Wir sind immer wieder begeistert, wie viele Menschen zu uns kommen, um Fahrräder abzugeben.

Bäckerei für Armenspeisung

P1030384_2Das Verladen eines gebrauchten Backofens für die Errichtung einer Bäckerei in Gambia brachte uns an unsere Grenzen. Der Ofen war 4 Tonnen schwer – mit unserem Stapler hatten wir keine Chance. Wir mieteten ein Fahrzeug – selbst dieser Stapler ächzte. Die Lösung war schließlich, den Ofen anzuheben und den LKW mit dem Container rückwärts heranfahren zu lassen. Die Bäckerei in Gambia ist heute im Betrieb und funktioniert sehr gut – unter anderem werden dort Brote für die Armenspeisung gebacken.

Möbel für Schüler in Gambia

DSCI0009_2Wir holten 209 Schulstühle und Tische ab, die ansonsten auf der Deponie gelandet wären. Sie ermöglichen gute Bedingungen für den Grundschulunterricht für 3 Schulklassen in Gambia.

Tischler-Arbeitsplätze ermöglicht

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Der Eritreische Gewerkschaftsdachverband NCEW hat uns gebeten, die Ausstattung von Werkstätten im Neubau eines Fortbildungszentrums in Massawa zu unterstützen.
Aus verschiedenen Spendensammlungen konnten wir aufgearbeitete Tischlereimaschinen sowie Werkzeug und Hobelbänke für eine komplette Ausbildungswerkstatt für Tischler zusammenstellen und versenden. Der Transport wurde durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit unterstützt.

Von Dresden nach Banjul

P1000606aAus einer aufgegebenen Tischlerei in Radebeuel bei Dresden demontierten wir sämtliche Maschinen, brachten sie nach Hildesheim und arbeiteten sie wieder auf. Anschließend verschickten wir die komplette, funktionsfähige Werkstatteinrichtung zusammen mit gebrauchtem Werkzeugzubehör und Werkbänken für 10 Arbeitsplätze nach Gambia.
Dort hatte die „Dresden-Banjul-Organisation“ in Sukuta, einem Vorort der Hauptstadt Banjul, hierfür einen Werkstattneubau errichtet.
Mittlerweile werden dort 3 Lehrlinge ausgebildet, die Werkstatt ist mit Aufträgen auf Monate ausgelastet.

Alle Fotos: @ Arbeit und Dritte Welt e.V./Thomas Brien

The NPO „Arbeit und 3. Welt“ (freely translated as Work and 3rd World), situated close to Hannover, Germany collects old tools, repairs them and sends them to countries in the 3rd world.

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Comments via Urban Mining
  • Anita Donau

    Wo kann man in Tirol/Innsbruck Werkzeug abgeben?

      • urbanmining.at

        Eine vergleichbare Initiative ist uns in Tirol nicht bekannt. Der Verein Arbeit und Dritte Welt e.V. in Hildesheim (Deutschland) lebt von einer kleinen Gruppe engagierter Leute, die lokal tätig sind. Es gibt das Bestreben die Idee auf den Rest Deutschlands und auch nach Österreich zu transportieren, aber eine Umsetzung ist noch nicht erfolgt.
        Unser Tipp: Es gibt in Tirol ein dichtes Reparatur-Netzwerk, vielleicht haben die eine Idee: https://www.reparaturnetzwerk.at/

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