Aus Müll gebaut

UMAR Urban Mining & Recycling

Kreislaufwirtschaft in der Architektur wird aufgrund von Bevölkerungswachstum und Rohstoffknappheit ein immer wesentlicheres Thema. Wie kann nun der verantwortungsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen aussehen? Ein Projekt auf dem Campus der eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in Dübendorf (Schweiz) zeigt es.

Dort entstand die Experimentiereinheit Urban Mining and Recycling (UMAR) – eine Wohnung, die gänzlich aus wiederverwertbaren Materialien besteht und die den Prozess eines kreislaufgesteuerten Bauens veranschaulicht. Entworfen wurde die Unit von Werner Sobek, Architekt und Lehrbeauftragter der Universität Stuttgart, gemeinsam mit Dirk Hebel und Felix Heisel, vom Fachgebiet für Nachhaltiges Bauen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Autoren des Buches „Building from Waste“.

Abfall ist eine Ressource

Die Hauptprämisse dieses Projekts war, dass alle Materialien zu hundert Prozent wiederverwertbar, wiederverwendbar oder kompostierbar sein sollen. Das Baumaterial wird in diesem zirkulären System nicht verbraucht sondern gebraucht und nach der Nutzung wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt. UMAR ist somit nicht nur eine Wohneinheit, sondern auch ein Materiallager und Materiallabor.

Die Unit wurde komplett im Werk vorfabriziert und wird am 8. Februar 2018 eröffnet. Sie besteht aus rund 26 verschiedenen Materialien, wie zum Beispiel unbehandeltem Holz für das Tragwerk, das entweder kompostiert oder wiederverwendet wird oder Aluminium und Kupfer, die sortenrein eingeschmolzen werden können. Für die Gestaltung des Innenbereichs verwendeten die Planer hier zum Beispiel gewachsene Myzeliumplatten, innovative Recyclingsteine aus mineralischem Bauschutt, gebrauchte Isolationsmaterialien aus gebrauchten Textilfasern und geliehene Bodenbedeckungen.

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Bauen, ohne Müll zu produzieren

Das Re– beziehungsweise Upcycling nach der fünfjährigen Nutzungsdauer wird auf systemischer wie auf molekularer Ebene geschehen. „Wir wollen nicht nur aus Müll bauen, sondern auch bauen, ohne Müll zu produzieren“, sagt Felix Heisel. Mit einem Team aus Architekten, Bau- und Bioingenieuren sucht er nach Materialien, die ermöglichen, anspruchsvolles Design mit wiederverwertbaren Rohstoffen zu verbinden und die sich als Ersatz für teure und nicht recyclebare Baustoffe, wie Stahl und Beton eignen. „Wir wollen zeigen, dass wir nicht unbedingt unser Verständnis von Architektur ändern müssen. Wir bauen einen weißen Raum, wie wir ihn kennen, aber wir konstruieren ihn eben komplett anders, mit neuartigen Materialien und ohne Klebungen oder Silikon.“

UMAR ist als Informations- und Modellprojekt für zirkuläres Bauen konzipiert und das Ziel ist, gemeinsam mit Partnern aus Planung, Verwaltung und Produktion neue Methoden zu entwickeln, die sicherstellen, dass unsere Ressourcen in einem geschlossenen technischen und biologischen Kreislauf bleiben.

Foto: ©Empa/Werner Sobek mit Dirk E. Hebel und Felix Heisel

For an English description of the project go to: The Urban Mining & Recycling Experimantal Unit 

 

Projektteam:

Konzeption, Entwurf und Objektplanung:

Werner Sobek mit Dirk E. Hebel und Felix Heisel, Stuttgart und Karlsruhe, Deutschland (Projektleitung Büro Werner Sobek: Bernd Köhler, Frank Heinlein)

Tragwerksplanung und Generalunternehmer:
kaufmann zimmerei und tischlerei gmbh, Reuthe, Österreich (Matthias Kaufmann)

HLSKE und MSR:
Amstein-Walthert AG, Zürich, Schweiz (Projektleitung: Simon Büttgenbach)
Sprinkler:
NBG Ingenieure AG, Bern, Schweiz (Bernhard Zmoos)
JOMOS Feuerschutz AG, Balsthal, Schweiz (Rudolf Jenni)

Brandschutz:
Balzer Ingenieure AG, Chur, Schweiz (Dumeng Wehrli, Christoph Schärer)

Bauphysik:
Weber Energie und Bauphysik, Schaffhausen, Schweiz (Moritz Eggen)

Bauherr:
Empa Swiss Federal Laboratories for Materials Science and Technology, Dübendorf, Schweiz (Enrico F. Marchesi, Reto Fischer)

UMAR Urban Mining & Recycling

 

 

 

 

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