Blühende Geleise im Keller und im ersten Stock

Die High Line begeistert jeden New York Besucher. Sie ist längst zum Publikumsmagneten geworden und ist Beispiel dafür, was aus einer brachliegenden Hochbahntrasse entstehen kann. Ein Gegenstück dazu wird gerade geplant: Die Lowline. Sie soll ebenfalls eine Brache mit Leben füllen. Aber im Untergrund.

Was für viele im Jahr 2004 unrealisierbar erschien, ist Wirklichkeit geworden. Die High Line, eine früher brachliegende Hochbahntrasse, ist zu einem großzügig angelegten Park für Erholungssuchende geworden. Die alten Geleise erinnern noch an die Zeit, als das Gewerbegebiet des Meatpacking District im Westen von Manhattan mit Güterzügen erschlossen wurde. Der letzte Zug verkehrte im Herbst 1980.

Danach stellte sich die Frage der Nachnutzung. Die Stadtverwaltung war für den Abbruch der High Line, um wertvolle Bauflächen zu gewinnen. Zahlreiche Anrainer jedoch wehrten sich gegen dieses Vorhaben und schlossen sich 1999 zur Initiative Friends of the High Line zusammen mit dem Ziel, die in neun Meter Höhe liegende Trasse zu erhalten. Später reifte die Idee, darauf einen Park zu verwirklichen. Mit der Unterstützung zahlreicher Mitstreiter, darunter auch einige einflussreiche Künstler, stimmte die Stadt New York im Jahr 2004 zu, für 50 Mio USD einen Park zu errichten.

Der Spatenstich für den ersten Bauabschnitt erfolgte 2006. Jetzt ist bereits Bauabschnitt 3 im Gang, vor wenigen Tagen, am 21. September 2014, wurde der erste Teil eröffnet. Die Kosten für die ersten zwei Bauabschnitte belaufen sich auf rund 150 Mio USD.

Die High Line zieht viele Touristen aus aller Welt an und wurde zu einem wesentlichen wirtschaftlichen Motor. So hat die gesamte Umgebung der High Line eine gewaltige Aufwertung erfahren. Alte Wohnhäuser und Fabriken wurden renoviert und mit hippen Stadtwohnungen und Lofts ausgestattet. Neue Häuser entstanden, die mit ihren Vorgärten und Dachterrassen das Image der grünen Stadt New York pflegen. Viele international bekannte Galerien sind in der Nähe angesiedelt; Künstler und Kreativbranche fühlen sich hier sichtlich wohl.

Die Gegend rund um die grüne High Line hat ihren Preis.

Die Lowline: Runter in den Park

Auch die Lower East Side hat in den letzten Jahren einschneidende Veränderungen erfahren. Früher wohnten hier Arbeiter und Einwanderer, heute entstehen immer mehr schicke Lokale, attraktive Büroflächen oder trendige Bars. Nun könnte ein weiteres spannendes Projekt dazukommen: Ein Park unter der Erde. Und dabei wird wieder Altes genutzt: Eine ausrangierte unterirdische Straßenbahnremise.

Die beiden Initiatoren Dan Barasch und James Ramsey planen ihren Park in einer Größe von rund 5000 Quadratmetern, so groß wie ein Fußballfeld. Mit einem eigenen ausgeklügelten Solartechnologie-Konzept würde es möglich sein, den dunklen Ort im Untergrund mit Tageslicht zu erhellen: Stangen mit schlüsselförmigen Kollektoren sollen das Sonnenlicht einfangen und über Glasfaserkabel gelangt es in den Untergrund. Dort wird das Licht an der Decke über Distributoren verteilt und erhellt so die alte Remise. Das Licht sollte auch für die Photosynthese ausreichen, um Pflanzen wachsen zu lassen.

Doch für die Realisierung fehlen bislang noch die finanziellen Mittel. Mit Spendengeldern wurde bis jetzt eine Ausstellung finanziert, die diese völlig neue Idee der Öffentlichkeit vorstellt.

Die Lowline würde der seit über 66 Jahren leer stehenden Station (Anmerkung: der Straßenbahnverkehr wurde 1948 in New York eingestellt) neues Leben einhauchen und eine neue Funktion zuteilen. New York-Touristen könnten dann gleich zwei Parks besuchen: Rauf zur High Line und runter in die Lowline – faszinierende Orte, die man sich als Besucher einfach nicht entgehen lassen darf.

 Fotos (1,2): © Barbara Kanzian; Rendering (3): © Raadstudio

Flowering tracks below ground and above

The High Line exhilarates every visitor to New York. It has long become a major attraction and an example of how a defunct elevated railway can be put to new use. A companion to the High Line is now being contemplated: the Lowline. This project, too, intends to infuse life into urban wasteland. But underground.

What seemed impossible to many in 2004 has become reality. The High Line, which used to be a derelict elevated railway, has become a generously laid-out park facility for people seeking recreation. The old tracks are vestiges of a time when the Meatpacking District on Manhattan’s West Side was accessed by freight trains. The last train ground to a halt in autumn 1980.

Once all operations were halted, the question of what to do with the line arose. The municipal administration wanted to raze the High Line in order to free up valuable building space. However, numerous residents in the area opposed demolition, forming the Friends of the High Line initiative in 1999 with a view to preserving the rail line suspended nine metres above street level. That is when the idea was born to create a park setting. With the backing of many fellow campaigners, including several influential artists, the City of New York voted to build a park for USD 50 million in 2004.

2006 saw the groundbreaking on the first development phase. The third development phase is now underway and the first section was opened to the public just several days ago on 21 September 2014. Costs for the first two construction phases were around USD 150 million.

The High Line attracts droves of tourists from all over the world and has become an important economic driver. As a result, the entire High Line neighbourhood has experienced a tremendous upgrade. Old apartment buildings and factories have been refurbished and converted to trendy condos and lofts. Newly erected buildings feature front yards and rooftop terraces, boosting New York’s image as a green city. Many internationally renowned galleries relocated to the district; artists and the creative industries clearly felt at home here.

The area around the green High Line now has a hefty price-tag.

The Lowline: down into the park

The Lower East Side, too, has changed radically in recent years. The area used to be home to workers and immigrants. Today, the Lower East Side is seeing a surge in trendy eateries, attractive office locations or trendy bars. Another exciting new project may soon be underway: an underground park. And, once again, old structures will be used: a disused underground trolley terminal.

The two initiators, Dan Barasch and James Ramsey, are planning a park the size of a football field, covering around 5,000 square metres. Using an intricate system of solar panels they devised, natural daylight could be brought underground into the dark: posts with key-shaped solar panels would be set up to harvest the sunlight and channel it to below the ground through fibre-optic cables. There, the light would be diffused by distributors embedded in the ceiling and illuminate the old terminal. The light would ensure photosynthesis and allow plants to grow.

The funds to realize the project still need to be raised, however. So far, donations have financed an exhibition to present this brand new idea to the public at large.

The Lowline would breathe new life into this station which has been lying derelict for over 66 years (FYI: trolley traffic in New York was discontinued in 1948) and give it a new purpose. Tourists in New York could visit two parks at one go: ascending to the High Line and descending to the Lowline – fascinating venues that no visitor should miss.

 

 

 

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