Der 48er Tandler von Wien

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Am 20. August feiert der 48er Tandler in Wien sein einjähriges Bestehen. Dieser Altwarenmarkt verfolgt mit seiner ausgewählten Warenauswahl und –präsentation ein eigenes Konzept, das Re-use attraktiv macht.

„I denk’ wos haun die Leit ois weg – dabei is oft no goa ka Dreck“ so der Refrain des für den Tandler eigens komponierten Songs. Fünf Mitarbeiter der MA 48 schlossen sich zusammen und gründeten die 48er-Tandler-Band. Prominente Unterstützung erhielten sie dabei von Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Sport. Dass im Video weitere Mitarbeiter der MA 48 mitwirken, lässt sich unter dem Begriff „optimale Ressourcennutzung“ zusammenfassen.

Ressourcennutzung oder Nicht-mehr-Gebrauchtes-neu-nutzen – diesen Funktionen hat sich der Tandler verschrieben. Zwar gab es in Wien schon seit einigen Jahren einen großen Basar, der von der MA 48 betrieben wird (Anmerkung: Zu den zentralen Aufgaben der Magistratsabteilung 48 zählen die Abfallwirtschaft und Straßenreinigung). Dieser Basar ist eine riesige Lagerhalle im 22. Bezirk, darin gab es zahlreiche Kisten zum Durchstöbern. „Er sprach damit den klassischen Flohmarktgeher an“, erzählt Ulrike Volk, Leitung Öffentlichkeitsarbeit der MA 48. „Mit dem neuen Tandler an einem zentralen Standort wollten wir eine andere Zielgruppe erreichen. Leute, die mit Second Hand bis dato noch nicht so viel am Hut hatten“. Der 48er Basar dient nun als Verkaufsstelle für große Altwaren wie Möbel, Sanitärwaren und Luster, im 48er Tandler hingegen sind die kleineren Secondhandwaren untergebracht.
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Einzelstücke mit Geschichte

So finden sich im Tandler nur ausgesuchte Objekte – Dinge, die viel zu schön sind, um weggeworfen zu werden. Außerdem sind die einzelnen Objekte in einem funktionsfähigen Zustand und werden zu günstigen Preisen angeboten. Die Elektrogeräte – überprüft auf ihre Tauglichkeit – verfügen über eine 1-Jahres-Gewährleistung. Die Fahrräder warten aufgepumpt in einwandfreiem Zustand auf neue Besitzer. Liebhaber des Vinyls kommen bei dem großen Angebot an Schallplatten auf ihre Rechnung. Oder die alten Nähmaschinen mit Platte machen jenen Freude, die auf der Suche nach dem besonderen Beistelltisch sind.

Ulrike Volk, Leitung Öffentlichkeitsarbeit MA 48

Ulrike Volk, Leitung Öffentlichkeitsarbeit MA 48

Der Mehrwert dieser angebotenen Objekte liegt darin, dass es sich dabei um Einzelstücke mit Geschichte handelt. „Angesprochen werden somit auch Leute, die nicht 08/15-Waren einkaufen wollen, sondern etwas ganz Besonderes“, so Volk. Darüberhinaus ist die Klientel so unterschiedlich wie sie nicht unterschiedlicher sein könnte. „Das Konzept soviel Leute wie möglich anzusprechen, ist voll aufgegangen“, meint Volk.

Hat die Wienerin oder der Wiener schon ein Bewusstsein für Re-use entwickelt? Da gibt es zwei Strömungen, weiß Volk: „Bei der einen Gruppe ist es sehr cool, Dinge upzucyceln oder zu re-usen, sie wollen es, weil es anders aussieht; bei der anderen ist es der günstige Preis, der entscheidet“.

Urbane Kreislaufwirtschaft

Re-use und Müllvermeidung werden zu immer wichtigeren Themen. „Dafür kooperieren wir mit Reparaturbetrieben, organisieren das Mistfest, gehen in die Schulen, um Bildungsarbeit zu leisten und beteiligen uns an wissenschaftlichen Arbeiten.“ Die Zukunft sieht Volk darin, noch mehr Wertstoffe als jetzt aus den anfallenden Müllmengen herauszufiltern.

Der MA 48er Tandler macht diese Idee sehr schön sichtbar. Das, was manche nicht mehr benötigen, kann vielen Menschen noch Freude machen. Mehr noch: Es kann ihnen notwendige Ressourcen zur Verfügung stellen. So unterstützt der Tandler karitative Einrichtungen wie beispielsweise die Gruft (ein Caritas-Betreuungszentrum für Obdachlose) mit warmer Kleidung und das Integrationshaus (Kompetenzzentrum für Aufnahme und Integration von Asylsuchenden, Flüchtlingen und Migranten) mit Fahrrädern oder Spielzeug. Und die Einnahmen aus dem Verkauf der Tandler-Waren kommen dem Wiener Tierschutz zugute. Auch so kann eine urbane Kreislaufwirtschaft funktionieren.
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Tipp:

Wenn Sie in Wien wohnen, dann können Sie Ihre Waren für den Tandler einfach am Mistplatz in den Containern mit der Aufschrift 48er-Tandler-Box einstellen.

Fancy secondhand-shop

A year ago the department of wastedisposal (in short MA 48) of the city of Vienna opened a fancy secondhand-shop. Small items, cleaned and repaired are for sale: vinyl-records, bicycles, antique sewing-machines, lamps, books etc.

All kinds of custumers drop in: some looking for a bargain and very many looking for something special off mainstream.

Part of the money earned is donated to welfare.

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Comments via Urban Mining
  • Arnold Holik

    Alles Gute an den MA48-Tandler :-)

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