Die Metamorphose des Abfalls

Eritrea Asmara Recyclinghof / Bildquelle: urbanmining.at

Alles was Abfall ist wurde ja einmal vereinfacht ausgedrückt verwendet oder verbaut. Für die Erzeugung eines Produkts und für die Errichtung von Bauten benötigt man unter anderem Rohstoffe.

Irgendwann werden sowohl das Produkt als auch das Gebäude nicht mehr gebraucht respektive verwendet, haben ihr „end of life“ erreicht und werden zu Abfall. Deponien können in diesem Zusammenhang als Zwischenlager von Abfall gesehen werden. Produkte, Gebäude und Deponien sind unsere modernen, vom Menschen angelegten Rohstofflager, die sogenannten anthropogenen Lager.

In dem Moment wo ein Produkt oder ein Gebäude nicht mehr Verwendung findet, wird es zum Abfall. Und dieser Abfall erlebt gerade einen Paradigmenwechsel.

Ökologie-Ökonomie

Besonders in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, einer Periode des ungebremsten Wirtschaftswachstums, wurde kein Gedanke an die Endlichkeit von Rohstoffen verschwendet. Produziert wurde auf Teufel-komm-raus. Was nicht mehr benötigt wurde, dessen entledigte man sich durch Deponierung, irgendwo vor den Toren der Siedlung. Gefährdung für den Menschen, Verseuchung und Zerstörung der Umwelt waren kein Thema.

Bereits in den Siebziger Jahren traten die ersten Mahner auf den Plan, dass es so nicht weitergehen könne. Die Folge war das erste Abfallwirtschaftsgesetz, das in Österreich mit 1.7.1990 in Kraft getreten ist. Der Fokus lag auf der Vermeidung und der ordnungsgemäßen Beseitigung der Abfälle – bis zum heutigen Tag.

Seit 2004 sind die Rohstoffpreise massiv gestiegen. Und damit hat einen Umdenkprozess eingesetzt. Rohstoffe sind nicht mehr unbegrenzt verfügbar. Sie müssen darüber hinaus sehr teuer eingekauft werden. Man hat daher begonnen sich nach anderen Quellen oder Minen umzusehen.

Und so erkannte man, dass man Vorhandenes aus einer anderen Perspektive betrachten kann und muss: die Kunststofftragtasche wurde schon einmal als Rohöl aus großer Tiefe gefördert, der Stahlträger als Eisenerz mühsam aus dem Stollen geholt, der Beton in der Kiesgrube abgebaut. Warum also nicht Vorhandenes wieder einsetzen? Freilich wird das Recyceln schon seit Jahrzehnten betrieben, aber immer im Sinne der „Abfallvermeidung“. Nun aber steht die Gewinnung von Sekundärrohstoffen im Mittelpunkt.

Was jetzt geschieht ist eine Neubewertung des Abfallbegriffs. Nun aber spricht man nicht mehr vom negativ konnotierten Mist , sondern von wertvollen Rohstoffen. Aus dem ökologischen Begriff des Recyclings wird ein neuer Wirtschaftszweig: die Kreislaufwirtschaft. Plötzlich kämpfen wir nicht mit grundwassergefährdenden Deponien sondern sitzen auf anthropogenen – vom Menschen geschaffenen – Lagerstätten. Die ganze Abfallbegriffswelt wird auf den Kopf gestellt, ökologische Maßnahmen mutieren zu handfesten ökonomischen Interessen.

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