Die Vermessung von Eggenberg

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Urban Mining bedeutet die Stadt als Rohstofflager zu nutzen. Doch wie können die in der Stadt verbauten Ressourcen in ihrem Vorkommen richtig abgeschätzt werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich Wissenschafter Hans Daxbeck, Leiter der Ressourcen Management Agentur (RMA). Anhand eines Forschungsprojektes kommt er im Grazer Stadtgebiet Eggenberg zu beeindruckenden Ergebnissen.

Es klingt ganz einfach: Bereits vorhandenes Datenmaterial zum anthropogenen Lager wird mit den Geodaten der Gemeinden verbunden und heraus kommt eine Rohstoff-Schatzkarte. Man kann sogar damit den aktuellen Sekundärrohstoffwert eines Gebäudes errechnen.
01.SCAN9763_000Nach diesem Muster gelang es Daxbeck und seinem Team, eine 29 Hektar große Fläche in Graz Eggenberg anhand von schriftlichen Dokumenten, Ausführungsplänen und unterschiedlichen

Geoinformationsdaten genau zu analysieren (mit einer Abweichung von nur max. 10 cm) und dreidimensional zu dokumentieren.

Wiederverwertbare Rohstoffe in der Stadt

Unter dem Titel „Das anthropogene Lager in der Steiermark. Entwicklung eines Urban-Mining-Katasters“ konnte das Forschungsprojekt die Rohstoff-Lager identifizieren und visualisieren. Die 300 Häuser in Eggenberg waren dafür ein überschaubarer Rahmen: „Wir sind drei Tage durch Eggenberg gegangen und haben jedes Haus klassifiziert und mit den Daten des Vermessungsamtes abgeglichen, respektive mit unseren Masse-Daten ergänzt“, erzählt Daxbeck. Schließlich wurden in Zusammenarbeit mit dem Grazer Vermessungsamt 80 Layer (für jedes Material ein Layer) übereinander gelegt, um die Ressourcen zu visualisieren.
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Was so einfach klingt, bedarf einer jahrelangen Vorarbeit: „Wir erheben schon seit zehn Jahren Daten zum anthropogenen Lager in Österreich und können daher auf eine Datenfülle zurückgreifen“, erklärt Hans Daxbeck. Das ist deswegen wichtig, weil die Qualität des öffentlich zugänglichen Materials nicht genau genug ist. „Nur bei 50 Prozent der Häuser wurde darin ein Alter angegeben“, so Daxbeck.
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Rohstoffknappheit geht alle was an

Nach der Erfassung der Sekundärrohstoff-Lager wurden die Gebäude im Zuge des Forschungsprojektes in fünf Altersgruppen zusammengefasst. „Man könnte auch einen höheren Detaillierungsgrad mit 10 oder 20 unterschiedlichen Gebäudetypen verwenden“, meint Daxbeck, aber ob eine derartige Detailtiefe für einen Urban Mining Kataster notwendig sein muss, ist noch unklar.
04.SCAN9760_000Die Auswertung der Daten erfolgt durch das Übereinander- legen der Layer der verschiedenen Materialien. Die Stadt Graz erwies sich dabei als interessanter Partner. Daxbeck hofft in Zukunft auf weitere Gemeinden, die dem Thema der Rohstoffknappheit aktiv begegnen. Mit dem Urban Mining Kataster ist es erstmals gelungen, eine detaillierte Übersicht über die Kosten der Entsorgung und den Wert der damit gewonnenen Sekundärrohstoffe zu bekommen.
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Zur Person:

Mag. Hans Daxbeck ist seit 1988 in den Bereichen „Abfallwirtschaft“ und „Regionaler Stoffhaushalt“ tätig. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Projektmanagement und in der Durchführung internationaler Projekte. Neben op-handschuhe-ein/5374″ target=”_blank”>AMOR hat Daxbeck und sein Team u.a. ENBA (Entwicklung einer Strategie zur nachhaltigen Nutzung von Baurestmassen) sowie die KUPFER-Studie (Operationalisierung der Ergebnisse des Cu-Haushalt Österreichs als Beitrag für ein Kupfer Ressourcenmanagement in Österreich) erarbeitet. Ein Blick auf die Site der RMA lohnt sich.

Hans Daxbeck

Hans Daxbeck

Weitere Termine:

Am 15. September findet die Veranstaltung Zukunftsthema „Urban Mining“ in Linz statt, bei der Hans Daxbeck das Projekt vorstellen wird.

Auch beim 6. Urban Mining Kongress von 4. bis 5. Oktober wird Hans Daxbeck seinen Urban Mining-Kataster präsentieren.

Foto (1): Luftbild von Grazer Altstadt, ©Wikipedia/Gerald Senarclens de Grancy

Wouldn’t it be nice to know where, which and how much secondary material is stored in your city and of course how valuable it is? Hans Daxbeck and his team of the Resource Management Agency did exactly this in their latest research work. They focused on a quarter of Graz, called Eggenberg. By combining the data they have collected over the past 20 years with the geoinformation data already stored by the city of Graz they were able to built a 3D-model of a cadastre for secondary resources.

 

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