Diplomarbeit: Neuer Urban Mining Index

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Zwei Studenten der Johannes Kepler Universität in Linz erarbeiten im Rahmen ihrer Diplomarbeit einen Urban Mining Index (UMI). Dieser soll erstmals eine Antwort darauf liefern, welche Rohstoffe in Europa als kritisch zu bewerten sind und ab welchem Zeitpunkt die Investition in Sekundärrohstoffe vorteilhafter ist.

Je niedriger die Preise für primäre Rohstoffe sind, desto uninterressanter ist Urban Mining – zumindest rein ökonomisch gesehen. Mittels eines Urban Mining-Index könnte eine kritische Grenze ermittelt werden – mit dieser Idee trat Brigitte Kranner, Geschäftsführerin von Altmetalle Kranner, an Prof. Heinz Karl Prammer, Institutsvorstand für betriebliche und regionale Umweltwirtschaft (Johannes Kepler Universität in Linz), heran. Sie stieß damit auf Interesse. Der Professor fragte zwei seiner Studenten, ob sie sich das Thema als Diplomarbeit vorstellen könnten. Martin Fischer und Manuel Seyrl stimmten zu, obwohl: „wir hatten vorher von Urban Mining noch nicht viel gehört“. Überrascht davon, welch eine Menge über das Thema im Netz schon zu finden ist, begannen sie mit ihrer intensiven Recherche.

Urban Mining als neues Vokabular

Einer ihrer ersten Wege führte die beiden nach Wien zu Brigitte Kranner, die sich seit Jahren schon intensiv mit Urban Mining beschäftigt. Nach weiteren folgenden Gesprächen und intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema war für Fischer und Seyrl die Ausrichtung klar: Ein neuer Index sollte entstehen, der sich nicht nur an der Preisbildung der Sekundärrohstoffbörse orientiert.

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Nach Begriffsdefinition und geschichtlicher Entwicklung von Urban Mining widmen sich die beiden einer Selektionsmethodik, um jene Rohstoffe auswählen zu können, die als Basis für den Index herangezogen werden. Dabei wird nach folgenden Kriterien untersucht: (1) Verfügbarkeit der Rohstoffe in technologischer, politischer und energetischer Hinsicht; (2) Verfügbarkeit aufgrund wirtschaftlicher und logistischer Kriterien; (3) Substituierbarkeit und (4) ökologische und soziale Aspekte.

Anschließend werden die für den Index ausgewählten Rohstoffe einer genauen Analyse unterzogen. Dabei stehen Vorkommen, Geschichte, vorhandene Reserven und Anwendungsbereiche im Fokus, um damit die monetäre Entwicklung an den Märkten besser beurteilen und verstehen zu können. Um die wahren Kosten für den Abbau darzustellen, werden neben Kriterien wie Ökonomie, erstmals auch Ökologie und soziale Verhältnisse miteinbezogen.

Auf Basis der gesammelten Daten werden Indizes für einzelne Rohstoffgruppen erstellt. Darauf aufbauend soll ein Gesamtindex die Kostenentwicklung der kritischen Rohstoffe für Europa prognostizieren.

Mit diesen neuen Kenntnissen soll auch geklärt werden, ab welchem Zeitpunkt die Investition in Sekundärrohstoffe vorteilhaft ist. Außerdem bekommen damit produzierende Unternehmen ein Werkzeug in die Hand, um im Vorfeld die Verfügbarkeit der Rohstoffe für ihre Technologien sicherzustellen: gleichgültig ob aus primärer oder sekundärer Quelle.

Die Autoren

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Martin Fischer

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Manuel Seyrl

Martin Fischer und Manuel Seyrl studieren Wirtschaftswissenschaften mit der Spezialisierung auf Umwelt an der Johannes Kepler Universität in Linz. Das machen die beiden neben ihrem Hauptjob: Fischer führt hauptberuflich eine Trafik und bewirtschaftet als Selbstversorger Grund und Boden. Seyrl ist Außendienstmitarbeiter bei einer Firma für Messgeräte. Die fertige Arbeit von Fischer und Seyrl wird nach Fertigstellung selbstverständlich auf Urban Mining zum Download bereitgestellt.

 

Thesis Paper: New Urban Mining Index

Two students of Johannes Kepler University in Linz are currently working on the development of an Urban Mining Index (UMI) as part of their thesis paper. This index proposes to provide a first answer to the question which raw materials should be considered critical in Europe and at what point investments in secondary raw materials are more beneficial.

The lower the prices for primary raw materials, the less interest there is in urban mining – at least from a purely economic standpoint. An urban mining index could permit establishment of a critical threshold – Brigitte Kranner, CEO of Altmetalle Kranner, approached Prof. Heinz Karl Prammer, Head of the Institute of Operational and Regional Environmental Management (Johannes Kepler University in Linz) with this idea. It was met with interest. The professor asked two of his students whether they could imagine working on this topic for their thesis. Martin Fischer and Manuel Seyrl agreed, even though “we hadn’t heard much about urban mining before”. Surprised by the amount of information already available about this topic online, they took up their intensive research.

Urban Mining as a new vocabulary

One of their first forays led the two of them to Vienna where they visited Brigitte Kranner who has been involved with urban mining for many years. After further subsequent discussions and deep study of the topic, Fischer and Seyrl were clear about the direction their work would take: A new index was to be established that was not orientated purely towards secondary commodity exchange pricing.

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After defining the term and exploring the historic development of urban mining, the two will focus on a selection methodology with which to select the raw materials that will form the index base. It will investigate the following criteria: (1) availability of raw materials in terms of technology, politics and energy; (2) availability according to economic and logistic criteria; (3) substitutability and (4) ecological and social aspects.

The raw materials selected for the index will then be the subject of detailed analysis. The focus thereof will be on occurrence, history, existing reserves and application areas, in order to better evaluate and understand monetary developments in the markets. As a first, in addition to criteria such as economy, ecology and social relations will be taken into account as well in order to represent the true cost of mining.

Indexes for individual raw materials groups will be established on the basis of the data collected. With this as a basis, an overall index is to provide cost development forecasts for raw materials in Europe.

Apart therefrom, this new knowledge will be used to determine at what point investment in secondary raw materials is advantageous. Additionally, manufacturing companies are provided a tool in this way to secure availability of raw materials for their technologies in advance, whether from primary or secondary sources.

Martin Fischer and Manuel Seyrl study economics with an environmental focus at Johannes Kepler University in Linz. They do this next to their full-time jobs: Fischer runs a tobacco shop and grows his own food by farming his own land. Seyrl is a sales agent for a measuring equipment company.

Of course the thesis authored by Fischer and Seyrl will made available for download on Urban Mining after completion.

 

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