Forschungsprojekt: NEW-MINE

NEW MINE

Unter gegenwärtigen Rahmenbedingungen ist Landfill Mining nicht wirtschaftlich. Genau hier setzt das europäische Folgeprojekt NEW-MINE an. 15 Doktoranden forschen gemeinsam mit Partnern an jenen Prozessen, die dem Deponierückbau vor- und nachgeschaltet sind. Die Montanuniversität Leoben leitet dabei das Arbeitspaket zur Exploration und Aufbereitung deponierter Abfälle. Ein Gastbeitrag von Daniel Höllen.

Der geordnete Rückbau von Deponien zum Zwecke der Rohstoffgewinnung (“Landfill Mining”) stellt seit mehr als fünf Jahren einen Forschungsschwerpunkt der Montanuniversität Leoben dar. Von 2013 bis 2015 wurde im Rahmen des nationalen Forschungsprojekts LAMIS (Landfill Mining Österreich – Pilotregion Steiermark) das Rohstoffpotential österreichischer Deponien erhoben (Wolfsberger, et al., 2015). Dabei wurde aufbauend auf bestehenden Explorations- und Aufbereitungsverfahren ein Kostenmodell entwickelt, das zeigt, dass Landfill Mining gegenwärtig im Regelfall unter den heutigen Rahmenbedingungen nicht wirtschaftlich ist (Wolfsberger, et al., 2016).

Das europäische Folgeprojekt NEW-MINE (EU Training Network for Resource Recovery through Enhanced Landfill Mining) setzt genau hier an. 15 Doktoranden (“Early State Researcher”, ESR) forschen bei zehn geförderten Partnern (KU Leuven, RWTH Aachen, Universität Gent, Montanuniversität Leoben, Universität Padua, ETH Zürich, Universität Linköbing, KTH Stockholm, Renewi Belgien, Italicementi HeidelbergCement) gemeinsam mit 17 assoziierten Partnern (darunter die FCC Environment) an den dem eigentlichen Deponierückbau vor- und nachgeschalteten Prozessen der Exploration bzw. Aufbereitung und stofflichen sowie energetischen Verwertung.
Die Montanuniversität Leoben leitet dabei das Arbeitspaket (AP) 1 zur Exploration und Aufbereitung deponierter Abfälle, in dem vier Doktoranden bei vier Partnern (ESR 1: Universität Gent, ESR 2: RWTH Aachen, ESR 3: Montanuniversität Leoben, ESR 4: Renewi Belgien) beteiligt sind. In diesem Arbeitspaket werden anhand zweier Fallstudien zum Deponierückbau (Halbenrain, Österreich (Abbildung 1); Mont-Saint-Guibert, Belgien) neue Verfahren entwickelt.

Im Bereich der Exploration sollen mittels Inversion magnetischer und elektromagnetischer Daten zuverlässige Informationen über Qualität, Quantität und Bonität deponierter Abfälle gewonnen werden, was eine gezielte Auswahl einer für Landfill Mining geeigneten Deponie ermöglicht (Bobe, et al., 2018). Im Bereich der mechanischen Aufbereitung wird eine Verfahrenskombination aus ballistischer Separation (García Lopez, et al., 2018), sensorgestützter Sortierung (Küppers, et al., 2018) und nass- und trockenmechanischer Feinkornaufbereitung (Hernández Parrodi, et al., 2018) untersucht.

NEW MINE

Versuchsstand für sensorgestützte Erkennung und Sortierung am Lehrstuhl AVAW der MUL (links); Schematische Darstellung des Funktionsprinzips und Sensoranordnung des Sortierers (rechts) (Küppers & Möllnitz, Versuchsstand für sensorgestützte Sortierung und Erkennung, 2018)

Der sensorgestützten Sortierung (Abbildung 2) kommt im Bereich des Landfill Minings eine besondere Bedeutung zu, da sie die Rückgewinnung von Metallfraktionen mittels elektromagnetischer Induktion ebenso ermöglicht wie die Ausschleusung von PVC aus der 2D-Fraktion des ballistischen Separators im Hinblick auf eine Verwertung als Ersatzbrennstoff.

Das Projekt NEW-MINE umfasst zudem die energetische Verwertung der erzeugten heizwertreichen Fraktionen (AP 2), die stoffliche Verwertung der Rückstände der entsprechenden thermischen Prozesse (AP 3), die ökologisch-ökonomische Gesamtbewertung des Prozesses (AP 4), eine strukturierte Doktorandenausbildung (AP 5), die Veröffentlichung und Verwertung der Ergebnisse (AP 6) sowie das Projektmanagement (AP 7), wobei die Montanuniversität Leoben mit ihrer abfallmineralogischen Expertise in AP 3 zu einer optimierten Erzeugung von Glaskeramiken aus Rückständen der Plasmavergasung beiträgt (Rabelo Monich, et al., im Druck).
The project NEW-MINE has received funding from the European Union’s EU Framework Programme for Research and Innovation Horizon 2020 under Grant Agreement No 721185

NEW MINEDer Autor:
Ass.Prof. Dipl.-Min. Dr.rer.nat. Daniel Höllen
Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft Montanuniversität Leoben

Daniel Höllen is professor at the Montan Universität at Leoben in Austria. As guest author he introduces his lastest research project to us: landfill mining. PhD-students from all over Europe work together to find economical worthwile solutions to recover resources from disposal areas. For more information go to: www.new-mine.eu

Foto (ganz oben): Probenannahmestelle, Deponie Halbenrain (Küppers, et al., 2017)

TAGS
, , , ,

X zurück
Comments via Urban Mining

Agbogbloshie 2.0

Phönix aus der Asche: Agbogbloshie 2.0

Agbogbloshi heißt jener Teil der ghanaischen Hauptstadt Accra, in dem eine der größten Elektro-Müllhalden der Welt liegt. Zigtausende Tonnen illegaler Elektroschrott ...

> more

Regenwassertonne Picture of August

Picture of the month: August

Umfunktionierter Plastikbehälter in eine Regentonne (Burgenland)/Bildquelle: Brigitte Kranner Wie alte Dinge aus Plastik wieder zu verwenden sind, zeigt unser August-Pict...

> more

No Man’s Land

Bild gewordene Poesie

Lässig liegt der Schimpanse auf der Trage im verwaisten Operationssaal. Durch Löcher im Plafond dringt Wasser. Mäßig neugierig blickt ein Löwe durch ein offenes Fenst...

> more

Urban Miner

Urban Miners: Luise + Christoph

Seit zwei Jahren leben Luise Rosemeier und Christoph Buckler nach dem Zero Waste-Konzept. Die beiden Hamburger kaufen nachhaltig ein und Unverpackt-Läden haben dabei eine...

> more