Mit Upcycling zu mehr Selbstbestimmung

Wenn am 27. November im Kolping Haus Mistelbach (Niederösterreich) der Adventmarkt stattfindet, werden ganz besondere Arbeiten vor den Vorhang geholt. Die vorwiegend recycelten und upgecycelten Objekte wurden von Menschen mit geistiger Behinderung gemacht. Diese Arbeit ist aber weit mehr als eine „sinnvolle Beschäftigung“ – sie trägt wesentlich zur Selbstbestimmung bei.

Schon seit 1999 finden Menschen mit einem besonderen Betreuungsbedürfnis in dem von Kolping geführten Wohnhaus und der Werkstätte ein neues Zuhause und eine Möglichkeit, ihr Leben nach eigenen Wünschen zu gestalten. In der Werkstätte sind zur Zeit insgesamt 90 Menschen beschäftigt, einige von ihnen wohnen im angrenzenden Wohnhaus, einige leben bei ihren Familien und besuchen tagsüber die Werkstätte. Kreative Produkte herstellen, Auftragsarbeiten, Gartenarbeiten und hauswirtschaftliche Tätigkeiten bilden die Schwerpunkte des täglichen Miteinanders.

Höhepunkt des Jahres: der Adventmarkt

Einen Höhepunkt des Jahres bildet der Adventmarkt, der in diesem Jahr am 27. November stattfindet. Viele der Arbeiten werden schon Anfang des Jahres begonnen, damit sie rechtzeitig zum Markt fertig sind.

Upcycling und Recycling sind in allen Gruppen der Aktivwerkstätte des Kolping Hauses ein zentrales Thema. Nicht etwa, weil es gerade im Trend liegt, sondern weil es darum geht, sinnvoll mit Ressourcen umzugehen. Die willkommenen Sachspenden aus der Bevölkerung bilden den wertvollen Rohstoff, aus denen neue Objekte gestaltet werden: „Anfangs beraten wir, was wir daraus machen können“ erzählt eine der Betreuerinnen. Wenn die Idee steht, geht es an die Ausführung.

Herr Fellinger und sein Vorhang aus gebrauchten Kaffeekapseln.

Herr Fellinger und sein Vorhang aus gebrauchten Kaffeekapseln.

Upcycling und Recycling

Herr Fellinger beispielsweise ist bekannt für seine Vorhänge. Sie werden aus gebrauchten Kaffeekapseln gefertigt und sind bei jedem Adventmarkt der absolute Renner. Wie ein kunstvoller Paillettenvorhang schmiegt sich das Objekt an die Wand. Herr Fellinger hat viele Monate daran gearbeitet, bis es fertig war. Nicht ohne Stolz präsentiert er uns sein Werk.

Oder Frau Kraus, die mit viel Kreativität an die Sachen herangeht, fertigt aus Stoffresten Teppiche. Sie hat schon so viel Zeit heuer damit verbracht, dass sie im Moment keine Lust hat, an den Teppichen weiterzuarbeiten. Das stellt kein Problem dar, also widmet sie sich mit viel Leidenschaft anderen Werkstücken: Weihnachtsschmuck z. B. aus einfachen Materialien oder aus alten Gebetsbüchern entstehen Engerl. Beim Kerzen-Recycling wurde eine ausgeklügelte Methode entwickelt: Alte Tetra-Packungen dienen als Hülle und geben den Kerzen die neue Form.

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Neben den Arbeiten für den Markt erhält das Haus immer wieder direkte Aufträge: Der Weltladen hat Taschen aus Kaffeesackerl bestellt oder eine ortsansässige Bank beauftragte Kolping mit der Gestaltung und Ausführung der Weihnachtskarten. Meistens beginnen diese Direktbeauftragungen erst mit der 2. Jahreshälfte, eben mit Ausrichtung auf Weihnachten „Von Jänner bis Juli könnten wir schon noch einige Aufträge mehr vertragen“, beschreibt die Leiterin des Aktivwerkstätte, Sylvia Heinz, die Auslastung.

Sport, tanzen, Kranner fahren

Zu arbeiten bedeutet den KlientInnen des Kolping Hauses sehr viel. Zweimal in der Woche konnten bis zu 8 KlientInnen bei Altmetalle Kranner in Stetten (NÖ) arbeiten. Sie bekamen einen Werkvertrag und erledigten einfache Sortierarbeiten, die sie mit größter Sorgfalt ausführten. Doch die Schrottpreise sanken und die Firma Kranner muss derzeit keine Fremdleistung zukaufen. Geblieben ist allerdings der enge Kontakt zwischen Altmetalle Kranner und Kolping Mistelbach. Und noch heute zählen zu den Hobbies von Herrn Ankowitsch „Sport, tanzen, Kranner fahren“.

Die Arbeit ist eine wesentliche Aufgabe im täglichen Ablauf der KlientInnen. In der eigenen Holzwerkstatt werden aus Holzresten, Palettenholz oder Grünschnitt neue Objekte gemacht. In einem anderen Werkraum alte Computer in ihre Einzelteile zerlegt. Um die richtige Entsorgung des Abfalls kümmert sich ein eigener Müllbeauftragter. Für ihre Arbeit erhalten alle KlientInnen 13 mal im Jahr einen Anerkennungsbeitrag.

Frau Kraus ist bekannt für ihre Teppiche aus alten Stoffresten. Daneben macht sie bedruckte Sackerl oder Weihnachtsschmuck.

Frau Kraus ist bekannt für ihre Teppiche aus alten Stoffresten. Daneben macht sie bedruckte Sackerl oder Weihnachtsschmuck.

Um den eingeschlagenen Recycling und Upcycling-Weg fortsetzen zu können, sind Sachspenden ganzjährig erwünscht. „Wir freuen uns besonders über Kerzenreste, Vorhänge, schöne Stoffe oder Wolle“. Diese Sachspenden können ganz einfach tagsüber im Kolping Haus abgegeben werden. Es ist aber auch möglich, sie an einem der drei Kranner-Betriebe in Wien und Niederösterreich zu hinterlegen (die genauen Adressen finden Sie am Ende dieses Beitrags).

Wichtige Rohstoffe, die dafür dienen, dass auch im nächsten Jahr wieder ein schöner Adventmarkt stattfinden kann. Und die vor allem dafür stehen, dass die mit Freude ausgeführte Beschäftigung einen wichtigen Teil von Selbstbestimmung und Eigenständigkeit bildet.

P1010632Der Weihnachtsbazar findet heuer am 27. November 2015 von 14 bis 19 Uhr im Kolping Haus Mistelbach statt.

Adressen zur Sachspenden-Abgabe:

Kolping Wohnhaus und Werkstätte, Pater-Helde-Str. 21, 2130 Mistelbach

Altmetalle Kranner, Dresdner Straße 26a, 1200 Wien

Altmetalle Kranner; Siebenhirtenstraße 12, 1230 Wien

Altmetalle Kranner, Gewerbegebiet 3, 2100 Stetten bei Korneuburg

Kolping Christmas market at Mistelbach

As every year, the Kolping Christmas market at Mistelbach – a town approximately 40 km north of Vienna – will take place on the last Friday in November. Kolping is an NPO, providing day care as well as a permanent home to mentally challenged persons.

And as every year, this years merchandise will include many upcycling and reuse products, made by the inhabitants of Kolping, using things other people would throw away.

The market will be open Pater-Helde-Street 21, 2130 Mistelbach

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