Nachhaltig bis in den Tod

Das Thema Nachhaltigkeit begleitet uns bis in den Tod. Von Biosärgen, die zu 100 Prozent abbaubar sind, bis hin zum Recyceln von Metallen führt die Bestattungswirtschaft den Trend Umweltbewusstsein fort und setzt damit auch ein Zeichen zur Enttabuisierung des Todes.

Wer hätte sich jemals gedacht, zwischen Biosarg und konventionellem zu wählen? Zwischen vollständig abbaubaren und nicht abbaubaren Särgen? Zwischen Särgen, deren Materialen aus der unmittelbaren Region stammen oder aus Materialien, die importiert werden müssen?

Das immer größer werdende Umweltbewusstsein der Menschen löste bei Sargbauern einen Innovationsschub aus. Statt eines traditionellen Eichensargs kommen nun unlackierte Holzsärge ohne Metallgriffe und Plastikinnenleben vermehrt zum Einsatz.

Natürliche Leinöle, Holzdübel sowie reine Baumwolle und Stroh für das Innenfutter machen einen Biosarg zu 100 Prozent abbaubar. Das steirische Unternehmen plantoBio – eco bio systems fertigt beispielsweise Särge aus Lignin, einem Nebenprodukt der Papierindustrie, und Zellulose. Diese Leichtgewichte mit nur 12 Kilogramm (im Vergleich dazu: Ein Eichensarg wiegt rund 60 Kilogramm) bestechen darüber hinaus mit außergewöhnlichen Formen und Motiven, die einen weiteren Trend der Bestattungswirtschaft darstellen.

Recyceln von Metallen

Neben diesen innovativen, nachhaltigen Produkten werden auch Särge aus Metall eingesetzt, darunter u. a. Zinksärge. Diese werden vor allem zur Leichenbeförderung zwischen den Staaten genutzt. Denn internationale Abkommen schreiben eine Überführung im fest verlöteten Zinkeinsatz oder in der Form der Einbalsamierung vor. Damit sollen Geruchsbelästigung und Flüssigkeitsaustritt verhindert werden. Bestattungsexperte Markus Ploner weist auf der Online-Plattform Aspetos darauf hin, dass die Friedhofsordnung darüber entscheidet, ob der Verstorbene mit Zinkeinsatz bestattet wird. Er selbst habe noch nie eine Beisetzung mit diesem Einsatz erlebt. „In der Regel wird der verstorbene Mensch wieder ausgelötet und in den Sarg zurückgelegt.“ Er wohnte aber schon Exhumierungen bei, wo eine Beisetzung mit dem Zinkeinsatz stattgefunden hat.

Zinksärge sind recycelfähig und landen auch beim Altmetallhändler. Brigitte Kranner von Altmetalle Kranner hat gerade einige bekommen, aber das passiere sehr selten: „Alle paar Jahre gibt es eine Ausschreibung eines Friedhofbetreibers“. Sie kommen gereinigt an und werden „wie jedes andere Altmetall wieder eingeschmolzen“, erklärt die Expertin.

Das Recyceln von Metallen geht noch einen Schritt weiter: Die niederländische Firma Verberne sammelt und sortiert all jene Teile, die nach einer Einäscherung übrig bleiben und verkauft sie im Auftrag des Krematoriums. Von künstlichen Kniegelenken aus Titan über Hüftpfannen aus Kobalt-Chrom bis hin zu Sargnägeln aus Eisen.

Selbstverständlich werden die Reste nur sortiert, wenn die Angehörigen zustimmen. Der Ertrag aus dem wiederverwerteten Material kommt einem wohltätigen Zweck zugute. Warum das Unternehmen diese recht morbid anmutende Geschäftsidee verfolgt, liegt darin, dass sie das Tabuthema Sterben aus dem gesellschaftlichen Abseits rücken möchte. Und das Letzte, das vom Menschen übrig bleibt, soll nicht auf dem Gelände des Krematoriums verscharrt, sondern wiederverwertet werden.

Auch das ist urban mining.

 

Sustainable until death

Sustainability is a topic that accompanies us unto death. From producing organic coffins made of 100% biodegradable material to recycling metals, the funeral industry advocates the trend towards environmental awareness, championing a removal of the stigma from death.

Who would have thought that one day we would be choosing between an organic and a conventional coffin? Between completely biodegradable and non-biodegradable coffins? Between coffins built of locally sourced materials and coffins whose materials need to be imported from abroad?

The ever growing environmental awareness among people triggered a host of innovations amongst the coffin makers. Instead of traditional oak caskets, unpainted coffins without metal handles and plastic interior are increasingly being used.

Natural lineseed oil, wood dowels and pure cotton and straw as interior lining make an organic coffin 100% biodegradable. The Styrian company plantoBio – eco bio systems, for instance, manufactures coffins made of lignin, a by-product in the paper industry, and pulp. These light-weight coffins, which only weigh 12 kilos (compare: an oak casket weighs some 60 kilos), also stand out on account of their remarkable shapes and motifs, which represent another trend in the funeral industry.

Recycling metals

Alongside these innovative, sustainable products, coffins made of metal are used as well, including zinc coffins. These are used primarily for transporting bodies from one country to another. International agreements stipulate that bodies must be transported in zinc-lined boxes or embalmed before transport. The purpose is to prevent unpleasant odour nuisance and leakage of fluids. On the Aspestos platform , funeral expert Markus Ploner explains that the Cemetery Code determines whether a deceased person can be buried with the zinc lining or not. He himself has never experienced a burial with this kind of lining. “Usually, the deceased person is removed from the zinc-lined box and placed in a coffin.” But he has witnessed exhumations followed by a burial in a zinc-lined box.

Zinc coffins can be recycled and end up at the scrap metal dealer’s. Brigitte Kranner from Altmetalle Kranner just recently received a number of zinc coffins but this happens very rarely: “Once every few years, a cemetery operator asks for bids”. The zinc coffins are clean when they arrive and are then “melted down like any other scrap metal”, explains the expert.

Metal recycling goes a step further: the Dutch company Verberne collects and sorts out all parts left over after incineration and sells them on behalf of the crematorium. From artificial knee joints made of titanium all the way to hip joints made of cobalt-chromium and iron coffin nails.

Naturally, the scrap is only sorted out if the family consents to this. Any proceeds from the recycled material go to charity. The reason that drove this seemingly morbid business idea is that the company wanted to see the taboo subject of death brought back into people’s lives. And it did not want to see the final remains of people buried on the premises of the crematorium but recycled.

That, too, is urban mining.

 

 

 

 

 

 

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