Tokio, Delhi, Addis Abeba: Patchwork für Megacities

Abfallmanagement – bis 2050 wird es 33 Megacitys geben. Einen Masterplan zur Gestaltung einer effektiven Abfallwirtschaft gibt es allerdings nicht.

Vier Symbole geben den Wochenrhythmus im Tokioer Stadtteil Setegayaku vor: montags ein orangefarbener Kreis, mittwochs ein grüner Stern und an den Samstagen sind alternierend ein blaues Dreieck und ein grellgelbes Flaschensymbol im Müllabfuhrkalender eingezeichnet. Heute ist Mittwoch, also packt der Engländer Jon Allan, der neben seinem IT-Beruf auch einen Blog über sein Leben in Asien schreibt, Glasflaschen, Aludosen, Papier und Pappe zusammen und marschiert zum Aufzug. „Das Leben im Apartmentblock in Seoul war einfacher“, brummelt er vor sich hin, während er wiederholt auf den Fahrstuhlknopf drückt. „Wir konnten die Abfälle jederzeit in den Keller bringen und dort in die verschiedenen Sammelbehälter werfen.

Bis 2015 wird es 33 Megacitys geben

Hier in Tokio legen wir einen Materialvorrat an und tragen ihn an verschiedenen Tagen in der Woche runter auf die Straße.“ Der Abfuhrkalender hält die über 30 Millionen Bewohner der Metropolregion Tokio ziemlich auf Trab. Doch immerhin: Andere Megacitys haben noch nicht einmal einen Abfallabfuhrkalender, geschweige denn einen funktionierenden Abfallwirtschaftsplan. Das städtische Phänomen dieses Jahrhunderts ist die Megacity, eine Stadt mit einer Einwohnerdichte von 10 Millionen Menschen. „2007 lebten 3,2 Milliarden Menschen in Städten – das ist mehr als die Weltbevölkerung von 1967“, weiß Antonis Mavropoulos vom General Secretariat der International Solid Waste Association (ISWA). Der Trend ist weiter steigend. Bis 2050 werden zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben, sagte der Grieche beim ISWA-Kongress Mitte November in Hamburg voraus. Habitat, das Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen, prognostiziert, dass es im Jahr 2050 33 Megacitys geben wird. 27 davon liegen in Entwicklungsländern.

Täglich kommt eine Stadt hinzu

Jeden Tag kommen in Städten wie Delhi, Karachi, Tokio oder Sao Paulo 280.000 neue Bewohner hinzu. „Das ist jedes Mal eine komplette Stadt“, so Mavropoulos. Die Verdichtung der Menschheit in den Städten vollzieht sich mit einer Geschwindigkeit, die die Strategiefähigkeit und Planungen der Städteplaner vor immense Probleme und auf eine harte Probe stellt. Bangkok beispielsweise hat sich von 67 Quadratkilometern im Jahr 1967 auf 426 Quadratkilometer in den Neunzigerjahren ausgedehnt. Zwar sind diese Städte allesamt Wirtschaftsmotoren, doch sie schlucken auch jede Menge Ressourcen. Das Bundesministerium für Forschung und Lehre (BMBF) hat berechnet, dass Städte zwar nur zwei Prozent der Erdoberfläche ausmachen, aber für drei Viertel des Energieverbrauchs und 85 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Zudem generieren sie „riesige Mengen an Abfall und Abwasser“, wie es in der Publikation „The Urban Transition: Research for the Sustainable Development of the Megacitys of Tomorrow“ heißt. Die Bevölkerungswachstumsrate und das steigende Bruttoinlandsprodukt wirken sich aber nicht nur auf die absolute Abfallmenge aus, sondern auch auf die Zusammensetzung. Die erwartete Zunahme der organischen Abfälle in den Megastädten um 44 Prozent bis 2025 sei ein Thema von globalem Interesse, betont ISWA-Mitglied Mavropoulos. In diesem Zeitraum werde allein in Asien die Menge an Lebensmittelabfällen von 278 Millionen auf 416 Millionen Tonnen jährlich anwachsen. „Wenn dort die gegenwärtigen Abfallwirtschaftstrends beibehalten werden, wird der deponierte Lebensmittelabfall die Methanemissionen von derzeit 34 Millionen auf 48 Millionen Tonnen erhöhen.“

Komplizierte Planung

Untersuchungen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba bestätigen diese Entwicklung. Die von IGNIS (Income Generation and Climate Protection through the Sustainable Valorization of Municipal Solid Wastes in Emerging Megacitys) gesammelten Daten zeigen, dass die organischen Abfälle rund die Hälfte der Siedlungsabfälle ausmachen – gleich, ob in einkommensschwachen Haushalten, in Haushalten mit mittlerem oder mit gehobenem Einkommen. Derzeit produzieren die 3,5 Millionen Städter rund 240.000 Tonnen Abfälle. Bei der Bevölkerungszunahme von jährlich 4 Prozent wird Addis Abeba in 25 Jahren den Status einer Megacity haben. „Schätzungen zufolge werden dann 700.000 Tonnen Müll pro Jahr anfallen“, erklärt Nicolas Escalante vom Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart. Neben dem Wissen um Abfallaufkommen und -zusammensetzung müssen die Planungsstrategen künftiger Megacitys vor allem das räumliche Wachstum genau beobachten, um effektive Abfallwirtschaftspläne aufstellen zu können. Die Ausdehnung einer Megacity vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern ist nie exakt vorhersagbar.

“Die Ausdehnung einer Megacity ist nie exakt vorhersehbar”

„Durch das unglaublich rasante Wachstum steht die Stadt vor einem Berg von Problemen“, stellt Mavropoulos fest. Denn 70 Prozent der Stadtentwicklung liefen außerhalb jeglicher Planungen und Steuerungen seitens der Stadt ab. Um eine mögliche Ausdehnung einer Stadt und ihrer Vorstädte in etwa bestimmen zu können, helfen allein Modelle zur Ausbreitung von Epidemien oder Diffusionsmodelle. Was die Planung noch komplizierter macht, ist die Symbiose zweier Extreme auf engstem Raum. Auf der einen Seite gibt es reiche Wohnviertel mit einer guten Infrastruktur, auf der anderen Seite schließen in Städten wie Mexico-Stadt oder Delhi ohne Übergang arme Viertel und Slums an.

„Es ist kein stadtübergreifendes, einheitliches System möglich“, erklärt der ISWA-Experte. Wie auch, wenn doch bereits eine Abfallsammlung mit Müllfahrzeugen aufgrund der unterschiedlichen Straßensysteme von vornherein zum Scheitern verurteilt ist? Ein großes Müllauto, das bequem durch die ausgebauten Straßen der besseren Stadtviertel kreuzen kann, kann sich keinen Weg durch die verwinkelten Gässchen und Pfade eines Slums bahnen. „In etlichen Megacitys sind die Repräsentanten nicht in der Lage, eine räumliche Planung, eine funktionierende Bauaufsicht oder die Bereitstellung von Dienstleistungen wie Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Energieversorgung oder ein Abfallwirtschaftssystem bereitzustellen“, kritisiert Mavropoulos. Stadtplanung und öffentliche Infrastruktur reagieren hier mehr auf bereits vollendete Tatsachen, als dass sie die Entwicklung in durchdachte Bahnen lenken.

Modellrechnungen helfen nicht

Planer von Abfallwirtschaftssystemen können eigentlich aus einem reichhaltigen Fundus von Modellrechnungen schöpfen, die als Entscheidungshilfe dienen sollen. „Die meisten sind aber nur für wissenschaftliche Arbeiten gedacht“, gibt Ova Candra Dewi zu bedenken. Es wimmele in ihnen nur so von Variablen und mathematischen Modellen, erläutert die Gastwissenschaftlerin am Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Nur wenige Berechnungsmodelle würden beispielsweise den demografischen Faktor miteinbeziehen. Zudem seien die sogenannten Decision-Support-Modelle (DSM), die in westlichen Ländern entwickelt wurden, ungeeignet für Entwicklungsländer. Denn sie basierten auf der systematischen Ordnung in den entwickelten Staaten. Mittlerweile gibt es daneben aber auch DSM aus der südostasiatischen Region, vor allem aus Indien und Thailand, die auf den dortigen Gegebenheiten beruhten, berichtet die indonesische Wissenschaftlerin. Allerdings würde ein einziges Berechnungsmodell in einem komplexen Stadtkörper wie der Megacity nicht helfen. So wenig wie ein einziger Masterplan, der in der Regel zu statisch für eine sich dynamisch entwickelnde Stadt ist.

Dezentrale Lösung

Herkömmliche Abfallwirtschaftssysteme aus westlichen Ländern, so die Erkenntnis, können nicht eins zu eins auf Megacitys in Entwicklungsländern übertragen werden, denn sie importieren Lösungen für Probleme, die zentralisiert, bürokratisch und auf andere sozioökonomische Gegebenheiten zugeschnitten sind. „Das Gebot der Stunde in den Megacitys sind dezentralisierte Lösungen“, rät Mavropoulos daher. Das Patchwork aus verschiedenen Bevölkerungsschichten und aus Stadtvierteln erfordere einen Abfallwirtschaftsplan, der ein „Mega-Patchwork“ für ein komplexes Stadtsystem ist. Jeder Plan kann durch das stetige Wachstum auch immer nur ein vorläufiger sein und muss sich stets an die neuen Rahmenbedingungen anpassen. Immerhin, eine Konstante gibt es augenscheinlich: Abfallexperten weltweit sind sich einig, dass in alle Planungen der sogenannte informelle Sektor miteinbezogen werden sollte. „Viele dieser Städte haben einen aktiven informellen Sektor mit einem Recycling-, Wiederverwendungs- und Reparatursystem, welcher der Stadt zu einer Recyclingrate verhilft, die einen Vergleich mit Städten im Westen nicht zu scheuen braucht“, betont Anna Tibaijuka, Geschäftsführerin des UN-Programms UN-Habitat, in ihrem Vorwort zum neuen globalen Report „Solid Waste Managemet in the World‘s Citys“. In dem knapp 300 Seiten umfassenden Report haben UN-Habitat-Mitarbeiter die Abfallsituation in zwanzig Städten auf allen sechs Kontinenten untersucht – von der Kleinstadt bis hin zur Megacity.

Beachtliche Recyclingquote

Dabei habe sich herausgestellt, dass der informelle Sektor den Städten zwischen 15 und 20 Prozent ihrer Budgets einspare, indem durch das – wenn oft auch wenig effiziente – Recyceln oder Wiederverwenden von Materialien die Abfallmenge reduziert werde, die die Stadt ansonsten sammeln und selbst entsorgen müsste. „Die Einbeziehung der Informellen in das offizielle Siedlungsabfallmanagement beweist, welch aufsehenerregende Resultate erzielt werden können“, schildert die aus Tansania stammende Afrikanerin, die an der schwedischen Universität für Agrarwissenschaften in Uppsala studiert hat. In Lateinamerika und in Asien sind rund 2 Prozent der Bevölkerung von Megastädten in Aktivitäten rund um den Abfall eingebunden. Im 17,7 Millionen Einwohner zählenden indischen Wirtschafts- und Handelszentrum Delhi sind mindestens 170.000 sogenannte „waste pickers“ unterwegs. Laut UN-Habitat-Report werden dadurch von den jährlich über 2,5 Millionen Tonnen Müll 27 Prozent einem Recycling respektive einer Wiederverwendung zugeführt. Insgesamt kommt die Stadt auf eine Verwertungsquote von 33 Prozent. Zum Vergleich: Rotterdam kommt auf eine stoffliche Recyclingquote von 30 Prozent – die restlichen 70 Prozent landen in der thermischen Verwertung.

Informelle gewinnen an Anerkennung

Die informellen Müllsammler verkaufen die Materialien an kleine Schrott- und Altwarenhändler, die an der „Grenze zwischen offiziellem und inoffiziellem Recycling“ tätig sind, wie es in der UN-Studie heißt. Teilweise werde das Recyclingmaterial an die Industrie verkauft und einiges davon sogar exportiert. Der Beitrag des informellen Sektors zum Siedlungsabfallmanagement und zur Wertstoffrückgewinnung ist von den Behörden in Delhi erkannt und bereits in verschiedenen Dokumenten, darunter der „National Action Plan on Climate Change“ aus dem Jahr 2008 auch offiziell anerkannt worden. Verschiedene Organisationen wie die Chintan Environmental Research and Action Group sind Fürsprecher für die Rechte der Informellen und organisierten die Aktivitäten dieser „informellen professionellen Abfallsammler“.

“Der informelle Sektor als Hauptverbündeter”

„Der informelle Sektor sollte zum Hauptverbündeten bei der Etablierung einer Abfallwirtschaft werden“, empfiehlt UN-Habitat-Geschäftsführerin Tibaijuka. Müllberge sind aber nicht nur ein Problem für Großstädte in Entwicklungs- und Schwellenländer. Auch in industrialisierten Staaten schlagen sich Großstädte mit dem Thema Abfall herum. Der „New York Observer“ berichtet mit schöner Regelmäßigkeit über New Yorks „gigantisches Müllproblem“. Die mit über acht Millionen Einwohnern größte Stadt der USA produziert jeden Tag über 36.000 Tonnen Müll. Das New Yorker Department of Sanitation (DSNY) verarbeitet davon circa 13.000 Tonnen täglich, den Rest teilen sich private Entsorgungsunternehmen.

“Müllexporte aus New York”

Laut des Jahresabschlussberichts des für den Siedlungsabfall verantwortlichen Bureau of Waste Disposal wurden im vergangenen Jahr über 3,3 Millionen Tonnen Müll aus New York exportiert – das sind knapp 11.000 Tonnen Haushalts- und haushaltsähnliche Gewerbeabfälle täglich. Insgesamt muss das Department of Sanitation den Überblick über 27 Abfallverträge mit acht verschiedenen Lieferanten behalten. Die kostspieligen Transporte der New Yorker Abfälle zu weit entfernten Deponien seien neben der Inflation der Grund für die gestiegenen städtischen Ausgaben für die Abfallentsorgung, kritisierte der „New York Observer“ vor gar nicht allzu langer Zeit. 2000 kostete die Sammlung und Entsorgung der Abfälle bereits 658 Millionen US-Dollar. Acht Jahre später betrug die Jahresabrechnung schon über 1,25 Milliarden US-Dollar.

Sich selbst versorgende Stadt

Aber die Metropole ist nicht untätig. Im Januar 2009 hat DSNY mit Sims Municipal Recycling of New York einen Vertrag mit einer Laufzeit von 23 Jahren abgeschlossen. Vertragsgegenstand sind unter anderem die „sofortige Bearbeitung“ von Metall-, Glas- und Plastikmaterialien sowie ferner die Verwertung von 150.000 Tonnen gemischten Papiers. Im Süden Brooklyns soll dazu eine Anlage gebaut werden, die 2012 den Betrieb aufnehmen soll. Um eine nachhaltige Zukunft der Weltstadt an der Ostküste der USA ist auch das gemeinnützige Designkollektiv „Terreform ONE + Terrefuge“ bemüht. In dem visionärem Forschungsprojekt „New York City Resource & Mobility“ entwirft die interdisziplinäre Forschungsgruppe ein Modell einer sich selbst versorgenden Stadt der Zukunft. In das Masterplan-Konzept werden unter anderem die Energie-, Wasser- und die Abfallwirtschaft miteinbezogen. Neben der Nutzung von Wind- und Sonnenenergie steht vor allem die Wiederverwertung von Abfallstoffen im Wohnungsbau im Vordergrund. Darüber hinaus sollen Abfallstoffe von Mülldeponien wieder aufbereitet werden, um aus ihnen mit Hilfe von automatisierten 3D-Druckrobotern sieben neue Inseln von der Größe Manhattans zu konstruieren, schildert die Forschungsgruppe ihre zukünftigen Pläne.

Pneumatische Abfallentsorgung

Bevor diese Zukunftsmusik Realität und New York zu einem Vorbild in Sachen nachhaltiges Abfallmanagement für andere Städte vergleichbarer Größe werden kann, wird es noch einige Zeit dauern. Ein New Yorker Abfallsammelmodell könnte aber durchaus schon jetzt in anderen Megastädten Schule machen. Seit 1975 wird auf Roosevelt Island ein pneumatisches Abfallsystem betrieben. Wie bei der Röhrenpost wird der Müll aus 16 Wolkenkratzern mit fast 50 Kilometern pro Stunde durch ein Röhrensystem gesaugt, das die schwedische Firma Envac installiert hat.

Das Ziel des Abfalls aus den circa 3.000 Haushalten ist die zentrale Sammelstelle im Norden der schmalen Insel im East River. Hier wird durch Zentrifugalkräfte der Müll getrennt, zusammengepresst, in Container geladen und schließlich per Lastkraftwagen von der Insel transportiert.

“Grüne Stadt mit zukunftsfähiger Recyclingwirtschaft”

Eine ähnliche Müllsammlung via Röhrenpipeline ist auch Teil eines Pilotprojekts in Japans Hauptstadt Tokio. Im Hafenviertel wird thermisch verwertbarer Müll von Haushalten und Büros durch Transportröhren zur Müllverbrennungsanlage geleitet. Dieses Projekt ist Teil des sogenannten „Super Eco-town“-Projekts, das die Stadtregierung 2006 ins Leben gerufen hat, um Tokio in eine „grüne Stadt“ mit einer „zukunftsfähigen Recyclinggesellschaft“ zu verwandeln, wie die Stadtoberen vor vier Jahren formuliert haben. Eins der damals gesetzten Ziele, nämlich die Menge an deponiertem Abfall bis 2010 um 35 Prozent auf 1,6 Millionen Jahrestonnen zu reduzieren, werde die größte Stadt der Welt pünktlich erreichen, wie Jonathan Chun Han Tsoi vom Japan East Asia Network of Exchange for Students and Youths Programme erläutert.

Finanzielle Unterstützung

In dem „Super Eco-town“ Programm sind die Zuständigkeiten klar definiert. Die 23 Stadtbezirke, die die Kernstadt Tokio ausmachen, sind für die Entsorgung und Behandlung der auf ihrem Gebiet anfallenden Siedlungsabfälle verantwortlich. Die Stadtverwaltung, das Tokyo Metropolitan Government (TMG) spielt dabei die Rolle des Koordinators und behält quasi die Zügel in der Hand. Das TMG bietet den einzelnen Bezirken die notwendige technische und finanzielle Unterstützung bei der Behandlung und Entsorgung der Haushaltsabfälle. Darüber hinaus trifft die Verwaltung auch die erforderlichen Maßnahmen für eine angemessene Behandlung der Abfälle aus der Industrie.

Platzprobleme für neue Anlagen

TMG gibt nicht nur Hilfestellung in technischen und finanziellen Fragen. Da die Stadt eigene Grundstücke innerhalb des Stadtgebietes besitzt, gibt es genügend Platz für die Errichtung von Abfallbehandlungsanlagen. Durch das oft unkontrollierte Wachstum der Städte, sehen sich die Repräsentanten anderer Megastädte sonst oft mit einem Platzproblem konfrontiert. „Den geeigneten Raum für Recycling- und Verbrennungsanlagen, für Müllsammelstellen oder auch Deponieraum zu finden, ist sehr schwierig“, erklärt ISWA-Experte Mavropoulos.

“Gefragt sind individuelle Lösungen”

In Tokio haben die Planer hingegen ausreichend Platz für 21 Verbrennungs- und diverse Recyclinganlagen gefunden. Der Pfad, den Tokio eingeschlagen hat, muss aber nicht zwangsläufig für andere Megastädte ebenfalls der richtige sein. „Eine der Schlüsselbotschaften unseres Reports ist, dass jede Stadt einen einzigartigen Weg einschlagen muss.

Die beste Lösung an einem Ort ist nicht auch am besten geeignet für einen anderen Standort“, fasst UN-Habitat-Geschäftsführerin Anna Tibaijuka zusammen. Die Agglomeration von Millionen von Menschen verursacht nicht nur Müll. Die Ballung von Menschen und urbaner Industrie sowie die Komplexität der Infrastruktur bieten zudem eine größere Chance für eine beschleunigte Verbreitung von Innovationen. Nicht umsonst gelten Städte seit jeher als innovative Zentren.

Quelle: Recycling Magazin 23/2010 (www.recyclingmagazin.de)
Bildquelle: Shutterstock

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