Recyceln ist nicht genug

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Bereits zum 9. Mal fand Anfang März die Berliner Recycling- und Rohstoffkonferenz statt. Die Vertreter dieser hochkarätig besetzten Fachtagung waren sich darin einig, dass primäre Rohstoffe begrenzt und andere Wege der Ressourcenbeschaffung gefragt sind. Brigitte und Felix Kranner, GF von Altmetalle Kranner, die an der Konferenz teilnahmen, hinterfragen einmal mehr, ob der eingeschlagene Weg des umfassenden Recycelns eine alleinige Antwort auf die Ressourcensicherheit darstellt.

Reinhard Bütikofer, grüner EU-Parlamentarier

Reinhard Bütikofer, grüner EU-Parlamentarier

Rohstoffsicherheit – kein Thema mehr

Wir haben unseren Ohren nicht getraut, als der grüne EU-Parlamentarier Reinhard Bütikofer in seiner Keynote erklärt, dass das Thema Rohstoffe oder Ressourcensicherheit im EU-Parlament fast von der Agenda verschwunden ist. Wie kurzsichtig kann Politik sein?

An den strukturellen Rahmenbedingungen zur Rohstoffstoffversorgung Europas hat sich nichts geändert. Die Abhängigkeit von Importen ist die gleiche wie noch vor drei oder vier Jahren, nur die Preise sind stark gefallen. Die Rohstoffe kommen weiterhin häufig aus politisch instabilen Ländern oder aus solchen mit einer Monopolstellung wie zum Beispiel China.

Eine Legislaturperiode reicht nicht

Die Teilnehmer und Vortragenden der 9. Berliner Recycling und Rohstoffkonferenz haben einen viel weiter in die Zukunft gerichteten Blick. Hier die wesentlichen Aussagen und Erkenntnisse dieser hochkarätig besetzten Konferenz:

  • Die Preise für Rohstoffe unterliegen oft großen Schwankungen, das ist ein Faktum. Auch in einer Periode niedriger Preise muss weiter geforscht werden: nach neuen Vorkommen, nach einem effizienterem Einsatz und nach Alternativen.
  • Die Versorgung, der Abbau und der Handel mit Rohstoffen haben schon längst die nationalen Ebenen verlassen und sind „global“ geworden. Und gerade deswegen sind sie auch so schwer steuerbar.
  • Die Versorgung mit Rohstoffen ist kein Projekt für nur eine Legislaturperiode. Von dem Zeitpunkt an, zu dem eine Rohstoffmine – sei es im klassischen Sinn eine mineralische für die Primärproduktion oder eine urbane für Gewinnung von Sekundärrohstoffen – identifiziert wurde, dauert es immer noch zwischen 10 und 20 Jahre bis der Abbau beginnen kann.
  • Rohstoffeffizienz sollte beim Produktdesign ansetzen. Bei der Entwicklung eines Produktes sollte auch schon „das Leben nach dem Tod“ mitberücksichtigt werden. Das wird ohne politische Lenkungsmaßnahmen nicht umsetzbar sein.
  • Primäre Rohstoffe sind begrenzt und der Verbrauch wird steigen. Wir müssen die im anthropogenen Lager vorhandenen Rohstoffe zurückgewinnen und wir müssen Substitute finden.

Recylingkon.kleine2016_411Der erste Tag war dem big picture der Rohstoffpolitik gewidmet und bestand aus einer Plenarveranstaltung. Am zweiten Tag gab es vier parallel stattfindende Blöcke zu den Themen: Recycling von Metallen, Recycling von Kunststoff und Papier, Recycling von Elektronik und Fahrzeugen und die Ergebnisse zum deutschen Ressourcen-Forschungsprogramm r3. In diesen Blöcken ging es um gegenwärtige Forschungsprojekte. Es ist eine schier endlose Zahl unterschiedlichster Projekte, bei denen es praktisch ausnahmslos um das Recyceln von Abfällen geht.

Am Ende des zweiten Tages stellte sich uns – nicht zum ersten Mal – die Frage: Kann Recycling allein die einzige Antwort auf die wirklich große Frage der Ressourcensicherheit in Europa sein? Natürlich nicht. Dazu braucht es viel mehr, ein ganzes Bündel an Maßnahmen – das ist das, was wir unter urban mining verstehen.

Es war eine anspruchsvolle, spannende Konferenz mit sehr guten Themen und Vorträgen, eine echte Expertenrunde, nichts für Einsteiger.

Review of the Resource and Recycling Conference in Berlin

An exciting expert conference on the newest political and research developements on raw materials in German speaking Europe. Conference language was German.

Hier geht es weiter zum Tagungsband.

Fotos: © TK Verlag Karl Thomé-Kozmiensky/Fotografin: Sera-Zöhre Kurc

v.li.n.re.: Brigitte Kranner (Altmetalle Kranner), Roland Pomberger (Montanuniversität Leoben), Wilhelm Himmel (Nachhaltigkeitskoordinator des Landes Steiermark) und Felix Kranner (Altmetalle Kranner)

v.li.n.re.: Brigitte Kranner (Altmetalle Kranner), Roland Pomberger (Montanuniversität Leoben), Wilhelm Himmel (Nachhaltigkeitskoordinator des Landes Steiermark) und Felix Kranner (Altmetalle Kranner)

 

 

 

 

 

 

 

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