ReUse in Kolumbien

Wenn Brigitte Kranner eine Reise tut, dann sieht sie sich gewisse Dinge besonders gut an. Der Umgang mit Ressourcen im Gastgeberland sticht ihr dabei – auch berufsbedingt – sofort ins Auge. Fotos und Notizen von Upcycling- oder Recycling-Motiven entstehen und bald ist ein ReUse-Reisetagebuch gefüllt. Auszüge aus ihrem Kolumbien-Tagebuch.

Kolumbien, Dezember 2015: Eine Hacienda in der endlosen Savanne des Orinoco, vier Autostunden von der nächsten Ortschaft entfernt. Beeindruckend, wie dort autark gelebt wurde und auch noch gelebt wird. Heute nennt man es nachhaltig. Da wird eine Kuhhaut getrocknet, um sie dann zu einem elastischen Lasso zu verarbeiten, damit die Tiere keinen Schaden nehmen. Unter dem Veranda-Dach hängen die Palmblätter zum Trocknen, später werden daraus Besen gefertigt. In der Werkstatt hängt ein Seil, lässig über einem Kuhhorn. Und selbst der Traktorreifen bekommt ein zweites Leben als Blumentopf.

Weiter geht die Reise über Andenpässe. Regengüsse haben die Straßen ausgeschwemmt. Ausgediente Autoreifen dienen als – mehr oder weniger effiziente – Hangbefestigung.

Eine notwendige Tradition des ReUse und Upcyclings wird in den Großstätten als mondäner Trend aufgegriffen. Leere Kunststoffflaschen schmücken als Weihnachtsdekoration den Monserrate, den Hausberg von Bogota. Und wie überall auf der Welt wird aus einem alten Fass ein Griller. In Kolumbien schmecken die Steaks besonders gut, sind die Rinder auf den riesigen Weiden doch sich selbst überlassen und damit gibt’s Biofleisch vom Feinsten.

Und wie überall auf der Welt ist auch in Bogota ein Gebrauchtwarenhandel mit den verschiedensten Behältern. Eigenwillig nur die Lagerung auf dem Dach. Was passiert nur mit diesem fragilen Gebilde, wenn ein Sturm kommt?

Im Speckgürtel von Medellin schätzt man Unikate und Handarbeit. Der Blumentopf aus Kunststoff-Schraubverschlüssen ist dort keine Notwendigkeit, sondern Ausdruck eines Lebensgefühls und einer Haltung.

 

Re-Use in Colombia

When Brigitte Kranner travels, she takes an extra good look at certain things. In the process – not least as a result of her professional background – the host country’s use of resources instantly catches her eye. She takes pictures of upcycling or recycling motifs with which she quickly fills a re-use travel journal. Excerpts from her Colombia travel journal.

Colombia, December 2015: A hacienda in the endless Orinoco savanna, a four-hour drive away from the next town. Impressive how self-sufficient the people who have lived here were and still are today. Nowadays we call that sustainable. A cowhide is left to dry from which to make a pliable lasso, so that the animals will suffer no harm. Palm fronds hang under the veranda roof to dry, to be made into brooms later. A rope hangs casually over a cow horn in the workshop. And even the tractor tyre gets a second lease on life as a flower pot.

The journey continues across the Andean passes. Heavy downpours have washed out the streets. Disused tyres provide slope stabilisation – more or less efficiently.

A necessary tradition of re-use and upcycling is picked up on in the major cities as a fashionable trend. Empty plastic bottles decorate Bogota’s local mountain, Monserrate, for Christmas. And like everywhere else in the world, an old barrel becomes a barbecue. Steaks in Colombia are especially good, because the cattle are left to fend for themselves on the enormous pastures, thus producing the finest organic meat.

And like everywhere else in the world, there is a second-hand trade going on with all sorts of containers in Bogota, too. Only their roof storage may appear odd. What is to become of this fragile structure when a storm hits?

In the affluent suburbs of Medellín, unique items and craftsmanship are appreciated. There, the planter made of plastic screw caps is not a necessity, but the expression of an attitude towards life and a mindset.

 

 

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