Reparieren statt konsumieren


Im Wiener R.U.S.Z. wird fast jedem Gerät neues Leben eingehaucht. Und das von ehemaligen Langzeitarbeitslosen, die hier als Mechatroniker wieder in den Berufsalltag eingegliedert werden.

Es gibt fast nichts, das nicht repariert werden kann. Neben Haushaltsgeräten (Waschmaschinen, Kühlschränke, Herde etc.) und Geräten der Unterhaltungselektronik gibt es sogar eine eigene Abteilung für Nostalgiegeräte, wo noch Röhrenradio mit magischem Auge oder Plattenspieler für Shellacks wieder in Betrieb gebracht werden.

In einem riesigen Ersatzteillager werden die rund 25.000 Ersatzteile gesammelt. Diese Teile sind ebenso wertvoll wie die Geräte selbst: Denn fehlt ein kleines Teil, so kann das Gerät nicht repariert werden und endet im Müll. Oft fertigen die Techniker auch Ersatzteile selbst an und können so „hoffnungslose Fälle“ wieder in Betrieb setzen. Doch trotz hohem Know-how und Erfahrung können die Techniker des R.U.S.Z. (Reparatur- und Service-Zentrum) nicht jedes Gerät reparieren.

Viele Geräte werden heute als Wergwerfware produziert. „Sie erleiden einen Totalschaden, wenn man sie öffnet“, erzählt R.U.S.Z.-Geschäftsführer Sepp Eisenriegler, „oder sie sind in ihrem Inneren so angelegt, dass Reparaturen besonders schwierig und nur mit teuren Ersatzteilen möglich sind“. Diese Geräte sind zwar von ihrem Anschaffungspreis her billiger als Qualitätsprodukte, aber ihre Lebensdauer ist deutlich kürzer. Und wenn diese Billiggeräte nach kurzer Zeit schadhaft werden, können die Reparaturkosten fast die Hälfte vom Verkaufswert eines neuen Gerätes ausmachen. Kein Wunder also, dass sich viele Kunden statt der teuren Reparatur gleich für einen Kauf eines Neugerätes entschließen.

Das ist zwar ganz im Interesse der Wirtschaft, die nach permanentem Wachstum strebt, doch im R.U.S.Z. stehen ganz andere Ideen im Vordergrund. Hier soll die Dienstleistung Reparatur gestärkt und ein breites Bewusstsein beim Konsumenten geschaffen werden. 1999 als Teil des Reparaturnetzwerkes Wien gegründet bietet es ehemaligen Arbeitslosen einen Job und bildet sie zu versierten Technikern aus.  

Mit Aktionen wie mit der vor rund drei Jahren gestarteten Sammelaktion von Konsumgütern setzt das R.U.S.Z. einen wertvollen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Die gespendeten Geräte werden so repariert, dass sie danach noch mindestens 10 Jahre ohne gröbere Störung laufen. Sie werden als Second Hand-Geräte billiger als billige Neuprodukte verkauft, halten aber doppelt oder dreifach so lang.  

Die Idee des Re-Use wird im R.U.S.Z. gelebt: Zum einen wird hier die Lebensdauer von Produkten verlängert, indem sie gar nie zu Müll werden; zum anderen werden brauchbare und leistbare Geräte zur Verfügung gestellt für eine immer größer werdende Gruppe von Menschen, die von Armut betroffen ist. Und dass Menschen im R.U.S.Z. wieder die Chance erhalten, in den Arbeitsprozess eingegliedert zu werden, geht weit über den Gedanken Nachhaltigkeit hinaus.

 

Repairs counter Consumerism

At R.U.S.Z. in Vienna, nearly all devices and appliances are given a new lease on life. Remarkably, this is being done by a staff of previously long-term unemployed who have been integrated back into professional life as mechatronic technicians.

There is hardly anything that cannot be repaired. Aside from household appliances (washing machines, refrigerators, stoves, etc.) and consumer electronics, the company also has its own department for nostalgia devices, where valve radios with magic eyes or phonographs for shellac records are brought back to life.

Some 25,000 spare parts are stored in a huge spares warehouse. These parts are just as valuable as the appliances themselves: if a tiny part is missing, the device cannot be repaired and ends up in the rubbish. Frequently, the technicians craft the spare parts themselves and are capable of putting even “hopeless cases” back into working order. For all their expertise and experience, the technicians at R.U.S.Z. (Reparatur- und Service-Zentrum) are unable to put right every device and appliance.

In this day and age, lots of devices are manufactured as throwaway products. “They become write-offs as soon as you open them up”, explains Sepp Eisenriegler, managing director of R.U.S.Z., “or their insides are designed so that repairs become particularly difficult and can only be performed using expensive spare parts”. These appliances may be cheaper to buy than quality products, but their service life is noticeably shorter. And when these cheap devices begin to malfunction, repair costs can ratchet up to nearly half the selling price of a new appliance. No wonder then that customers opt to purchase new appliances instead of risking such pricey repairs.

This may be exactly what business is out for in its quest for permanent growth, but R.U.S.Z. prioritises completely different ideas. At R.U.S.Z. the emphasis is on the repair service and on broadening awareness among consumers. Set up as part of the Vienna repair network in 1999, the company offers previously unemployed individuals a job and trains them to become accomplished technicians.

Through special campaigns, like the consumer good collection drive some three years ago, R.U.S.Z. makes a valuable contribution to sustainability. Donated appliances are repaired so that they are guaranteed to run for at least another 10 years without major issues. They are sold as second-hand appliances at prices lower than those of new products, but have life spans that are twice to thrice as long.

R.U.S.Z. turns the idea of re-use into reality: for one, it extends the lifetime of products by not allowing them to ever become waste; secondly, it makes available usable and affordable devices available to an ever growing community of people affected by poverty. And giving people a chance to integrate back into the working process at R.U.S.Z. goes a step further than the notion of sustainability.

 

 

 

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