Schatzsuche zu Lost Places

Die beiden Autoren Georg Lux und Helmuth Weichselbraun präsentieren in ihrem Buch „Verfallen & vergessen“ faszinierende Lost Places der Alpen-Adria-Region. Was die Autoren an einem ausrangierten Bahnhof, an Ruinen und Schlössern oder an einem 500 Meter tiefen Stollen unter der Erde reizt, lesen Sie im folgenden Interview.

Wie haben Sie die Lost Places gefunden?

Georg Lux: “Verfallen & vergessen  – Lost Places in der Alpen-Adria-Region” ist unser erstes Buch, das ausdrücklich diesem Thema gewidmet ist. Es gab allerdings schon zwei Vorgängerprojekte, für die wir teilweise ebenfalls Verfallenes in unterschiedlichster Form dokumentiert haben. Dabei handelt es sich um die Bücher “Kärntens geheimnisvolle Unterwelt – Stollen, Höhlen, verborgene Gänge” (Styria, 2013) und “Gold in Österreich – Eine Schatzsuche” (Styria, 2015). Sie sind, wie der jeweilige Titel verrät, sehr “bergbaulastig”, also auch voller Lost Places. Der Bergbau hat in Österreich zwar eine große und schillernde Geschichte, ist aber weitgehend eingestellt. Über diese Bücher und Kontakte – vor allem nach Friaul – haben wir zu “Verfallen & vergessen” gefunden.

Sie sind also über den Bergbau zu Ihren Lost Places gekommen. Was fasziniert Sie an diesen Orten?

Unknown-7Helmuth Weichselbraun: Die Faszination des Verfalls hat einerseits eine ästhetische Komponente. Wenn die Menschen gehen, kämpft sich die Natur zurück – um nur einen dieser Aspekte zu nennen. Andererseits ist es aber auch die Geschichte der einzelnen Orte, die uns fasziniert. Es war jedes Mal eine spannende Spurensuche mit vielen Überraschungen – auch im historischen Sinn. Indem wir diese Plätze besuchen, dokumentieren und ihre Geschichte aufschreiben, drücken wie die Pause-Taste: Für einen mehr oder weniger “ewigen” Moment halten wir den Verfall an. Morgen kann alles anders sein. Der Zahn der Zeit ist schneller als die meisten glauben. Das ist uns bei vielen Orten, die wir mehrmals besucht haben, aufgefallen.

Georg Lux: Wir haben oft festgestellt, dass die Menschen Lost Places im Alltag gar nicht mehr wahrnehmen. Verfallene Orte, an denen man täglich vorbeikommt, werden ausgeblendet – sie sind dann tatsächlich verfallen UND vergessen, obwohl sie ja noch immer dastehen. In diesen Fällen – sie betreffen vor allem die österreichischen Lost Places im Buch – haben wir darauf Wert gelegt, auch hinter die „Kulissen“ zu blicken, um den Menschen zu zeigen, was hinter den Mauern ist, die sie nicht mehr sehen (wollen).

Was soll mit solchen Lost Places passieren?

Georg Lux: Es gibt kein Patentrezept, was mit den Lost Places, die wir besucht haben, unserer Meinung nach geschehen soll. Einige haben es verdient, Interessierten zugänglich gemacht zu werden – im Sinne von „Industriearchäologie“ und/oder dem Erforschen von Alltagsgeschichte(n).

Helmuth Weichselbraun: Beeindruckt hat uns das – ganz andere – Beispiel einer vor 100 Jahren regelrecht zerschossenen Kapelle in Kärnten. Ihre Ruine ist im Vorjahr konserviert worden. Das heißt: Man hat den Verfall angehalten, ohne ihn zu leugnen.

Danke für das Interview.

Die Autoren im unbewohnten Kärntner Schloss Waldenstein: Georg Lux (links) und Helmuth Weichselbraun

Die Autoren im unbewohnten Kärntner Schloss Waldenstein: Georg Lux (links) und Helmuth Weichselbraun

Die Autoren

Georg Lux ist Newsdesk-Chef der „Kleinen Zeitung“ in Klagenfurt und Blogger. Helmuth Weichselbraun ist Fotograf und Inhaber eines Fotostudios.

Georg Lux/Helmuth Weichselbraun; Verfallen & vergessen; Lost Places in der Alpen-Adria-Region; styria Verlag; ISBN: 978-3-222-13551-4

Georg Lux und Helmuth Weichselbraun are fascinated by abandoned places. In the photo book “Verfallen & vergessen  – Lost Places in der Alpen-Adria-Region“ they share their impressions of such places.

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