Pioneers Feature

Rohstoffe werden knapp – das liest man immer wieder in der Zeitung und niemand unternimmt etwas. 
In unserer Arbeit haben wir viele staatliche, private und wirtschaftlich ausgerichtete Organisationen und NGOs/NPOs kennengelernt, die sich schon oft Jahrzehnte mit Themen wie Rohstoffknappheit, Ressourcensicherheit, Wiederverwendung, Kreislaufwirtschaft oder intelligente Produkte ohne Abfall beschäftigen. Die meisten von Ihnen „werken“  unauffällig im Hintergrund.
Doch eine Organisation ist nur so gut, wie die Menschen, die darin wirken und meist hängt das von einer zentralen Person ab.

Wir möchten jene Personen und deren Organisationen in einem neuen Feature vorstellen.

Tragende Ideen: Erhalten statt entsorgen

In unserem ersten Feature möchten wir mehr über Frau DI Ute Dechantsreiter erzählen.

Zwei Säulen sollten es sein, die den Ausschlag gaben. Und den Anfang einer bemerkenswerten Entwicklung darstellen. DI Ute Dechantsreiter ist Architektin, Altbauexpertin und Initiatorin und geschäftsführender Vorstand des 2010 gegründeten Bundesverband bauteilnetz Deutschland

Wir wollen vermitteln, welche Werte in unserer gebauten Umwelt schon enthalten sind, um somit den behutsamen und überlegten Umgang anzuregen. 

Von 1988 bis 1992 arbeitete sie an einem Forschungsprojekt im Auftrag des Bundesbauministeriums zur Frage, wie gebrauchte Bauteile in den Sanierungsprozess von Gebäuden integriert werden können. Daraus entstand die Idee zum ersten Bauteillager. Es dauerte aber noch bis 2001, bis in gemeinsamer Arbeit die Bauteilbörse Bremen nach Schweizer Vorbild aufgebaut wurde. 

1988 entstand im Zuge der Projektarbeiten ein Café, dessen Decke von Säulen getragen werden sollte. Die vorgesehenen Trägerelemente gefielen der Architektin nicht und der Zufall spielte Regie. Jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit kam sie am Lagerplatz des Amts für Denkmalpflege vorbei. Dechantsreiter fragte beim Amt an, und kurz darauf wurden zwei alte gusseiserne Säulen in das Café eingebaut. So wurde nicht nur historisch wertvolles Material wiederverwendet, die beiden Säulen wurden auch zu Stützpfeilern des Projekts.

Heute ist das Ziel von bauteilnetz Deutschland, bereits erlangtes Wissen um die Wiederverwendung von Bauteilen und -elementen weiterzugeben, und so den Aufbau neuer Bauteilbörsen und deren Qualitätssicherung zu betreiben. In einer Zeit, als Urban Mining im deutschsprachigen Raum noch keinem ein Begriff war, hat Ute Dechantsreiter den Wert der verarbeiteten Ressourcen bereits erkannt. Und mit Enthusiasmus und Hartnäckigkeit diese Idee in Deutschland und darüber hinaus verbreitet. 

Wird man in fünfzig Jahren noch immer von Urban Mining sprechen? Wird es Plattformen wie bauteilnetz in fünfzig Jahren noch geben? Ute Dechantsreiter ist überzeugt davon. Sie werden notwendig sein, um dem gemeinsamen Handeln einen organisatorischen Rahmen zu geben. Sie sind notwendig, um Innovationen im Sinne des Ressourcenschutzes umzusetzen. Dafür braucht es Vorreiter. Heute wie in Zukunft. 

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