Urban Miner: Ralf Schmitz

Urban Miner Ralf Schmitz

Als Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Metallhändler (VDM) setzt sich Ralf Schmitz bei Entscheidungsträgern für umweltschonendes Recycling ein. Auch in seinem Privatleben kann er auf Urban Mining nicht verzichten: Er kompostiert, verschenkt Fahrräder, damit diese wieder flott gemacht werden, und ist noch die nächsten Monate damit beschäftigt, die in seinem Garten umgefallenen Bäume zu Mulch zu verarbeiten.

Wie sieht Ihr persönliches Urban Mining aus?

Ralf Schmitz: Das Thema Urban Mining ist zunächst ein wichtiger Bestandteil meines Jobs. Wenn wir über Metallhandel reden, dann meinen wir immer auch die Versorgung Europas mit lebenswichtigen metallischen Rohstoffen. Das können Erze, Konzentrate oder Neumetalle sein, aber eben auch Rohstoffe aus heimischen Quellen. Europa ist eine recht arme Region, wenn es um primäre metallische Rohstoffe geht. Ein nennenswerter Abbau von Erzen findet bei uns nicht mehr statt, sie müssen importiert werden. Schiffe mit Kupferkonzentrat kommen aus Chile oder anderen Staaten Amerikas; die für die

Urban Miner Ralf Schmitz

Ralf Schmitz vom Verband Deutscher Metallhändler ist unser Urban Miner des Monats.

Produktion von Aluminium wichtige Tonerde wird aus China, Australien oder Brasilien nach Europa gebracht. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass der Metallanteil in den Erzen immer geringer wird. Es ist also viel Arbeit, Kraft und Energie erforderlich, um primäre Quellen zu nutzen. Deshalb ist Urban Mining so wichtig. Unsere größte heimische Rohstoffquelle sind die Metalle, welche bereits bei uns im Umlauf sind oder waren. Metallrecycling gab es schon viele tausend Jahre vor Christus. Heute produziert die Kupferindustrie rund die Hälfte ihrer Kathoden aus Schrotten, sie bedient sich also heimischer Rohstoffquellen. Das spart Energie und CO2. Ein Teil meines Jobs ist es, die Politik auf diese wichtigen und positiven Aktivitäten der Metallwirtschaft aufmerksam zu machen. Wir müssen deutlich machen: Wer umweltschonendes Recycling will, muss es fördern und nicht durch zum Teil unsinnige Bürokratie erschweren. Hier fehlt es bei politischen Entscheidungsträgern und Behörden oft an Kenntnis und Einsicht.

Im Privatleben bedeutet Urban Mining für mich schlicht, vernünftig leben. Wir wohnen auf dem Land, Mülltrennung ist hier die Regel, ebenso wie Kompostierung im Garten. Alte Kleider wandern entweder in die Kleiderkammer oder – wenn sie ihre Zeit wirklich hinter sich haben – in den Altkleidercontainer. Was wir nicht mehr brauchen, wird nicht gleich auf den Sperrmüll gestellt, sondern oftmals verschenkt. Wenn Menschen mit diesen Dingen noch etwas anfangen können, muss man es ja nicht der kommunalen Sammlung überlassen. In diesem Sommer haben wir gleich mehrere alte Kinderfahrräder verschenkt, sie wurden wieder flott gemacht und sind wieder im Einsatz. Toll finde ich auch die öffentlichen Bücherschränke, wo man alte Bücher einstellen oder entnehmen kann. Nicht mein Ding ist es, jedem Trend hinterher zu rennen. Nicht alles was gerade „in“ ist, muss auch wirklich sinnvoll sein.

Ist bei Ihrem persönlichen Urban Mining auch etwas schiefgegangen?

Ralf Schmitz: Manchmal kommt Urban Mining zur Unzeit. Wir haben im Wohnzimmer einen Kamin, der an kalten Wintertagen Gemütlichkeit spendet. Brennholz brauchen wir nur wenig, der Kamin brennt meist nur an den Wochenenden. Diesen Sommer wurde unsere Region gleich von mehreren schweren Stürmen getroffen, zwei Bäume in unserem Garten haben es nicht überstanden. Nun hieß es also, mit der Verwertung der Bäume zu beginnen und Brennholz bzw. Mulch daraus zu machen. Die Aufgabe wird mich wohl noch bis ins Frühjahr begleiten.

Was könnte bei Ihrem persönlichen Urban Mining verbessert werden?

Ralf Schmitz: Im Privatleben ist die Frage schwer zu beantworten. Hier gilt: Je nach Situation eine vernünftige Entscheidung treffen. Unsere alte Kaffeemaschine mit Kapselsystem benutzen wir nur noch ganz selten, wenn einmal eine koffeinfreie Sorte gewünscht wird. Ansonsten kommt ein moderner, stromsparender Vollautomat zum Einsatz. Ich persönlich würde mir deutlich weniger Verpackungen im Supermarkt wünschen, aber hier ist man als Verbraucher recht alternativlos.

Urban Miner Ralf Schmitz

Ralf Schmitz achtet auch in seinem Garten auf umweltfreundliches Recycling.

Aus beruflicher Sicht wünsche ich mir mehr Pragmatismus und weniger Ideologie im Umweltbereich. Ein Beispiel: In Deutschland gibt es ein Pfandsystem für Plastikflaschen. Statt leere Flaschen einfach in den gelben Sack zu geben, wo auch die übrigen Plastikabfälle gesammelt werden, muss man sie zur Pfandstelle zurückbringen. Dort gibt es Automaten, die diese Flaschen pressen, später werden sie per LKW abtransportiert. Ein kompliziertes Abrechnungssystem schafft finanziellen Ausgleich. Ein hoher technischer und logistischer Aufwand ist erforderlich, das ist ein ökologischer Wahnsinn! Hier wurde aus politischen Gründen ein System geschaffen, das der Umwelt unter dem Strich mehr schadet als nützt. Leider initiieren Politiker zu oft nur Dinge, die sie in der Öffentlichkeit gut verkaufen können. Ich würde mir wünschen, dass unsere Politiker den Mut fänden, erst Experten zu fragen, dann nachzudenken und dann eine Entscheidung zu treffen, die ökologisch wirklich Sinn macht. Ökopopulismus schadet nur.

Vielen Dank für Ihr persönliches Urban Mining!

Ralf Schmitz ist seit 1995 für den Verband Deutscher Metallhändler e.V. (VDM) tätig, seit 2006 als Hauptgeschäftsführer. 2013 gründete er die Arbeitsgemeinschaft Metalle Österreich im VDM und ist seitdem auch regelmäßig in Wien aktiv.

Ralf Schmitz is our urban miner of this month. Urban mining of metals has a long tradition and Ralf Schmitz continues with this fine tradition in his function as CEO of the VDM (Verband Deutscher Metallhändler) as well as in his private life.

 

 

 

 

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