Urban Miner of the Month: Martin Aschauer

Urban Miner Martin Aschauer

Er ist es gewohnt, die Kommunikation zu gestalten. Als Leiter der Öffentlichkeitsarbeit von GLOBAL 2000 entwickelt Martin Aschauer Strategien und Visionen für eine nachhaltige Umwelt. Der Ideenschmied setzt privat auf E-Mobilität, Second Hand-Kleidung und kauft im Biohofladen seines Vertrauens. Was seinen ökologischen Fußabdruck angeht, hat er aber noch einen weiten Weg vor sich.

Wie sieht Dein persönliches Urban Mining aus?

Martin Aschauer: Ich mag es an der Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu arbeiten. Ich mag es Dinge zu gestalten, zu verändern. In mir steckt das Bedürfnis etwas zum Positiven verändern zu wollen. Beruf und Hobby verschwimmen dabei.

Ich habe die erste Mitfahrbörse Österreichs gegründet, eine Plattform für Kunst und Jugendkultur ins Leben gerufen, habe dem ersten umweltzertifizierten Festival Europas vorstehen dürfen, habe mehrere Jahre die Wear Fair, die größte ökofaire Messe Europas im Vorstand begleiten dürfen. Seit knapp zehn Jahren arbeite ich bei GLOBAL 2000, der führenden österreichischen Umweltschutzorganisation. Ich bin dort für die Leitung der Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Das bewegt und verändert einen. Es bewegt, wenn man in Gorleben mit den Bauern spricht und sieht, wie sie gegen Atomenergie kämpfen, es bewegt, die Kinder von Tschernobyl kennenzulernen. Es bewegt, wenn man bei einer Forschungsstudie rausfindet, dass der Schmetterling in Österreich außerhalb von Schutzgebieten in seiner Vielfalt nicht mehr vorhanden sein wird, wenn wir so weitermachen – und man fragt sich, will ich wirklich, dass ich mit meinem Sohn in ein Schutzgebiet, quasi ins Museum fahren muss, damit er Schmetterlinge kennenlernen darf?

Urban Miner Martin Aschauer

Ideenschmied und Urban Miner Martin Aschauer

Es sind oftmals die kleinen Dinge, die die Welt verändern. Müll zum Beispiel. Müll ist nicht nur zu gefährlich, sondern auch zu wertvoll um in unserer Natur zu liegen. Es macht tatsächlich einen Unterschied, wenn man Bio kauft und damit bewusst auf Lebensmittel verzichtet, deren Gift in unserer Natur tausende von Insekten tötet. Es macht einen Unterschied kein Mineralwasser aus Plastikflaschen zu kaufen, sondern bewusst auf eigenproduziertes Sodawasser umzusteigen. Es macht tatsächlich einen Unterschied, wenn man auf Chemie zum Bodensäubern verzichtet und stattdessen beispielsweise auf einen Dampfreiniger umsteigt – und es verändert tatsächlich viel, wenn man seinen Stromanbieter wechselt. Bei meinem Energieanbieter stand im Kleingedruckten, dass acht Prozent der Energie aus Kohle produziert wird. Will ich meinen Elektro-Twizy mit den Abgasen aus der Kohleverbrennung antreiben? Natürlich nicht! Wir treffen unbewusst so viele Entscheidungen, die helfen, unsere Gesellschaft zu verändern. Denn ja, es macht einen Unterschied, wenn man eine Petition unterschreibt. Beispielsweise haben unsere Petitionen gegen die Patentierung von alten Sorten Millionen von BürgerInnen unterschrieben. Dadurch konnte die Freiheit für die Vielfalt bewahrt werden. Unglaublich, nicht?

Für mich unglaublich ist auch, was meine Brüder machen. Sie bauen ökologische Häuser, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Die Idee zum Kernbaustoff ihrer Häuser haben sie sich dabei von den Bienen abgeschaut. Wie die Bienenwaben halten auch die von ihnen entwickelten Kartonwaben das Haus im Winter warm und im Sommer kühl. Die Natur ist so schlau, man muss sie manchmal nur genau beobachten. Das Beste dabei ist, dieses Prinzip funktioniert auch bei der großvolumigen Sanierung.

Ist bei deinem Urban Mining schon etwas schief gegangen?

Martin Auschauer: Natürlich. Ich bin mit dem Elektro-Auto liegengeblieben. In Punkto Elektro-Mobilität muss man zugegebener Weise noch bereit sein, etwas von seiner Komfortzone herzugeben – oder tief in die Geldbörse greifen. Es geht natürlich schon jetzt.

Die entscheidende Frage ist, brauche ich diesen Luxus? Diese Frage muss man für sich jedes Mal auf das Neue beantworten. Das ist nicht immer einfach. Brauche ich wirklich die neue ALEXA von Amazon? Brauche ich tatsächlich ein Galaxy S8? Es ist beispielsweise schon sehr bequem, seine Filme mit einem Handy zu filmen, schneiden und vertonen. Ja selbst dieses Interview wurde auf der Bluetooth Tastatur des Samsung Handy geschrieben. Ich meine, wenn man das Produkt wirklich verwendet – und zwar oft und regelmäßig, dann ist es für mich in Ordnung. Deshalb bin ich auch bei einem Elektro/Carsharing-Projekt dabei, da es aus der Sicht als Familienmensch mit einem Kind kein zweites Auto im Eigentum braucht. Die Ressourcen wären nicht gut eingesetzt. Aber natürlich braucht man am Land manchmal ein zweites Auto.

Ein anderes Beispiel: Ich werde immer wieder schwach, wenn ich an einem Redbull vorbeigehe. Obwohl ich ganz genau weiß, wie sehr sich dieses Unternehmen wehrt, Großgebinde für Festivals oder die Großgastronomie zu liefern und uns zwingt, jedes Mal Mutter Natur einen kleinen Nadelstich zu versetzen. Könnt Ihr Euch noch an die Giftschlammkatastrophe in Ungarn erinnern? Ich schon. Ich war dort. Ich kann mich noch genau erinnern, wie es roch, wie die Augen brannten, wenn man für Fotos die Maske für kurze Zeit runter gab. Ich weiß, wie unsauber das Ganze sein kann. Trotzdem liebe ich das Getränk. Ich lasse es aber immer öfter weg. Redbull und ich, das ist wie sich das Rauchen abzugewöhnen. Das war eine jahrelange Hassliebe. Alleine in Österreich werden vier Milliarden Verpackungen weggeworfen. Das ist zu viel.

Was kann bei Deinem Urban Mining verbessert werden?

Martin Auschauer: Ich esse zu viel Fleisch. Ich liebe Fleisch – in fast jeder Variation. Ein Sommer ohne Grillen mit Fleisch geht für mich gar nicht. Klar kaufe ich Bio. Aber, wenn es einfach zu viel ist, dann ist auch Bio nur eine schlechte Ausrede. Der ökologische Fußabdruck von Fleisch ist gewaltig. Soviel kann ich gar nicht mit dem E-Auto fahren, soviel Second Hand-Kleidung tragen, damit sich das wieder ausgeht. Hier habe ich noch einen langen Weg vor mir.

Aber den ersten Schritt habe ich schon lange gemacht. Ich kaufe im Biohofladen meines Vertrauens ein – und der ist glücklicherweise mein Nachbar.

Vielen Dank für Dein Urban Mining!

Mag. Martin Aschauer leitet die Öffentlichkeitsarbeit von GLOBAL 2000. Er ist u.a. auch auf Instagram sehr aktiv unter martin_aschauer.

November’s Urban Miner of the Month is Martin Aschauer, public relation manager with GLOBAL 2000 in Austria. He is well informed and conscious about his ecological footprint, but still sees a long way for himself to go.

Foto (1):©Martin Aschauer, Foto (2): ©Stephan Wyckoff

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