Urban Minerin: Annemarie Miesbauer

Unknown

Nach unserem Urban Miner des Monats Thomas Weber, der es nicht aushält, wenn die Alu-Dose im Restmüll landet, oder nach Urban Minerin Annette Hillebrandt, die in ihrer Freizeit Müll sammelt, stellen wir in diesem Monat Lifestyle-Bloggerin Annemarie Miesbauer vor. Sie hat sich vorgenommen, nur soviel Müll zu produzieren, wie in ein Einmachglas passt.

Wie sieht Dein persönliches Urban Mining aus?

Annemarie Miesbauer: Das Stoffsackerl hat schon meine Mutter immer zu jedem Einkauf mitgenommen und Müll wurde immer fein säuberlich getrennt. Vielleicht wurde es mir ja in die Wiege gelegt, „Zero Waste“ zu leben – auch wenn ich diesen Begriff nicht so gerne mag. ,,Müllfrei“ gefällt mir da schon besser.

Müllfrei? Wie geht denn das? Ganz müllfrei geht es natürlich nie, aber ich versuche so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Der Umwelt zuliebe, um sie vor Verschmutzung zu bewahren, meinem Körper zuliebe, um ihm die Chemikalien, die in Verpackungen sind und in das Essen übergehen, nicht anzutun und um meinen Konsum auf das zu beschränken, was ich wirklich brauche.

Mit eigenen kleinen Stoffbeuteln, Einmachgläsern und Einkaufssackerln mache ich mich dann auf den Weg um alles, was ich gerne esse, unverpackt zu bekommen. Das Faschierte wird dann ganz altmodisch am Markt beim Metzger gekauft, der schon weiß, dass ich meine eigene Dose mitnehme und bitte kein Sackerl möchte – genauso wie der Obsthändler, der mir immer einen Salat oder ein bisschen Zitronenmelisse gratis dazu steckt, weil er sich die Verpackung spart, und der Käsestandverkäufer, den es jeden Samstag bei mir am Markt gibt und der mir immer ,,Umweltrabatt“ gibt.

Das Schönste daran ohne Verpackungen einzukaufen? Keine grellen Leuchtstoffröhren im Supermarkt um die Ecke, sondern echter Menschenkontakt mit guter Beratung und ein bisschen Plauderei.

Nicht nur Lebensmittel werden ohne Verpackung gesucht und gefunden, auch Shampoo gibt es ohne Tube und Deo wird einfach selbstgemacht. Man lernt ganz schnell, was man wirklich braucht und verzichtet auf den unnötigen Schnickschnack, den einen die Konsumindustrie aufschwatzen möchte.

Urban Minerin des Monats

Bloggerin Annemarie Miesbauer

Ist bei Deinem persönlichen Urban Mining auch etwas schiefgegangen?

Annemarie Miesbauer: Als ich letztes Jahr mein Projekt ,,Ein Jahr im Glas“ gestartet habe, ging es mir wirklich gut damit, keinen Müll zu produzieren – oder eben nicht mehr, als in mein Einmachglas gepasst hat. Dieses Jahr hat nur unser Nachwuchs ein Glas, und da ist es manchmal doch verlockend aus Bequemlichkeit (und weil es mit einem zwei Monate alten Glückskind auch nicht immer so leicht ist) etwas verpackt zu kaufen. Ich muss mich selbst immer wieder daran erinnern, warum ich das tue und wie wichtig es mir ist, keinen Müll zu produzieren. Seit Juli wohnt auch noch mein Neffe bei uns und mit Teenager, der einen anderen Essensplan gewohnt ist, wurde es dann nochmal schwerer – aber nochmal umso wichtiger mein Vorhaben weiterzuführen und ein Vorbild zu sein. Bessere Organisation ist gefragt, aber Hoppalas gibt es schon ab und zu – ich bin halt auch nur ein Mensch!

Was könnte bei Deinem Urban Mining verbessert werden?

Annemarie Miesbauer: Ich möchte und sollte viel mehr Dinge selbst machen – bin aber oft zu faul oder traue mich dann halt doch nicht über das Zahnpastarezept. Selbst machen ist, glaube ich, entscheidend, wenn man müllfrei leben möchte, da kann man nicht nur selbst auf die Verpackung verzichten, sondern weiß auch noch was drin ist.

Danke für Dein persönliches Urban Mining!

Annemarie Miesbauer ist Volksschullehrerin und wohnt mit ihrem Mann, ihrem Glückskind und ihrem 14jährigen Neffen in Wien. Seit 2014 versucht sie so wenig Müll wie möglich zu produzieren und hält ihre Erfolge und Misserfolge auf ihrem Blog ,,Ein Jahr im Glas“  fest.

We continue with our feature The Urban Miner of the Month. We want to introduce to you people, who already have found their own way of environmental conscious living and their individual solutions to urban mining. This time we spoke with Annemarie Miesbauer, a hard core zero waste advocate. Her aim is to fit a whole years waste in just one single glass jar. Read more about it in her blog http://www.einjahrimglas.at/ (German only).

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