Urban Miners: Luise + Christoph

Urban Miner

Seit zwei Jahren leben Luise Rosemeier und Christoph Buckler nach dem Zero Waste-Konzept. Die beiden Hamburger kaufen nachhaltig ein und Unverpackt-Läden haben dabei einen wichtigen Stellenwert. Trotz bewusstem Konsumieren passiert es den Zero Waste-Bloggern dennoch, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes über einen Strohhalm stolpern.

Wie sieht Euer persönliches Urban Mining aus?

Luise + Christoph: Uns liegt die Müll- und insbesondere Plastikvermeidung sehr am Herzen. Auch bei uns in Deutschland, wo angeblich so viel recycelt wird, ist der ganze Müll ein zunehmendes Problem. Die Plastikdichte nimmt in unserer Umwelt immer mehr zu: Mikroplastik ist in unseren Gewässern, Böden und sogar in unserer Atemluft. Dagegen wollen wir etwas unternehmen!

Deswegen haben wir uns der Zero Waste-Bewegung angeschlossen und verfolgen das Ziel, unseren persönlichen Müll so klein wie möglich zu halten. Um dieses zu erreichen, halten wir uns an die sogenannten 5 R’s. Diese stehen für Refuse (Ablehnen), Reduce (Reduzieren), Reuse (Wiederverwenden), Recycle (Recyceln) und Rot (Kompostieren). Wir versuchen, unseren Konsum auf das wirklich Nötige zu reduzieren und Überflüssiges zu vermeiden. Dazu verwenden wir Dinge wieder (zum Beispiel Second-Hand-Kleidung), recyceln Verpackungen, wie Glas oder Papier und kompostieren Küchenabfälle.

Die Zero Waste-Bewegung ist in den letzten Monaten stark gewachsen; überall in Deutschland, Österreich und der Schweiz entstehen neue Unverpackt-Läden, in denen man Lebensmittel, Kosmetik und Haushaltsreiniger ganz ohne Verpackungen einkaufen kann, indem man sich die Produkte einfach in mitgebrachte Gefäße abfüllt. Zusätzlich sparen wir auch viel Verpackungsmüll und Geld, in dem wir eine ganze Reihe von Kosmetikartikeln und Haushaltsreinigern einfach aus wenigen natürlichen Zutaten selber herstellen.

Mittlerweile geht es für uns allerdings schon lange nicht mehr nur um Müllreduzierung. Auch in anderen Bereichen unseres Lebens versuchen wir, so nachhaltig wie möglich zu leben. So fahren wir mit dem Zug in den Urlaub statt ins Flugzeug zu steigen, ernähren uns fleischlos und sind in der Stadt mit Fahrrad statt dem Auto unterwegs.

Urban Miner

Ist bei Eurem persönlichen Urban Mining auch etwas schiefgegangen?

Luise + Christoph: Zero Waste ist ein Prozess, den jeder in seinem eigenen Tempo angehen muss. Kaum jemand wird es über Nacht schaffen, sämtlichen Müll aus seinem Leben zu verbannen. Auch wir sind da keine Ausnahme, sondern haben nach und nach auf nachhaltigere und müllfreiere Alternativen umgestellt. Aber auch heute kommen wir um den einen oder anderen Müll – bewusst oder versehentlich – nicht herum. So passiert es uns beispielsweise leider doch noch das ein oder andere Mal, dass wir im Restaurant vergessen, das Getränk ohne Strohhalm zu bestellen und dann prompt wieder mit unserem Plastikmüll konfrontiert werden.

Was könnte bei Eurem persönlichen Urban Mining verbessert werden?

Luise + Christoph: Wir wünschen uns stärkere Vorgaben der Politik an die Industrie in Sachen Plastikmüll. Andere Staaten sind uns da schon weit voraus. Etliche Länder haben bereits Plastiktüten verboten und den Einsatz von Mikroplastik in Kosmetik untersagt. Zudem sind Unverpackt-Läden in ländlichen Regionen noch nicht so weit verbreitet und einige Lebensmittel, wie beispielsweise pflanzliche Milch oder Tofu sind meistens noch sehr schwer plastik- oder verpackungsfrei zu bekommen. Es ist also noch viel zu tun!

Vielen Dank für Euer persönliches Urban Mining.

Urban MinerLuise Rosemeier und Christoph Buckler aus Hamburg leben seit Anfang 2016 nach dem Zero Waste-Konzept. Täglich versuchen sie, den Anfall von Müll zu vermeiden. Sie erzählen darüber auf ihrem Blog Trashless Society und halten Vorträge und Workshops zum Thema Nachhaltigkeit.

Luise Rosemeier and Christoph Buckler live in Hamburg, Germany. Since 2016 they try to live without producing waste and share their experience on their blog trashless society.

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