Städte als Lagerstätten nutzen

Forum mineralische Rohstoffe

Das Thema Ressourcenschonung ist eine der sieben Leitinitiativen der Europäischen Kommission innerhalb der Strategie Europa 2020. Uns allen ist klar, dass der sparsame und effiziente Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen für eine nachhaltige Entwicklung unserer Wirtschaft und Gesellschaft zwingend notwendig ist. Ein Gastbeitrag von Robert Wasserbacher.

Das Forum Rohstoffe beschäftigt sich seit Jahren damit, wie die Gewinnung, der Einsatz und das Recycling mineralischer Rohstoffe ökologisch und ökonomisch sinnvoll bewerkstelligt werden können. Gerade für eine Branche, die von und mit der Natur lebt, ist nachhaltiges Wirtschaften von immenser Bedeutung. Mehr noch: Es ist zentrales Thema unseres Handelns in den Bereichen Umweltschutz, soziales Miteinander, Wirtschaftlichkeit und entsprechende Kommunikation der Aktivitäten. Nur wenn alle vier Bereiche erfüllt werden, ist nachhaltiges Wirtschaften in der Rohstoffbranche gegeben.

Für eine nachhaltige Entwicklung Österreichs

Lange Zeit wurde die stetig wachsende Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen als unproblematisch angesehen, weil diese überall verfügbar schienen. Diese Ansicht hat sich in den letzten Jahren massiv geändert. Mineralische Rohstoffe stehen aus geologischen Überlegungen zwar reichlich zur Verfügung, der Zugang zu solchen Vorkommen wird jedoch immer schwieriger. Aufgrund der unterschiedlichen Nutzungsansprüche von Siedlungs-, Verkehrs- und Schutzgebieten wächst auch in Österreich das Versorgungsrisiko. Knappheit ergibt sich also nicht nur durch die Größe natürlicher Bestände, sondern vielfach durch die zueinander in Konkurrenz stehenden gesellschaftlichen Nutzungsinteressen. Die natürlichen Rohstoffquellen –– auch zur Herstellung von Baustoffen – sind also endlich. Ohne die Kreislaufwirtschaft wären sie unwiederbringlich verloren. Durch die qualitative Wiederaufbereitung von Bauteilen, Bauabfällen und Abbruchmaterialien zu neuen Baustoffen und durch deren Wiederverwendung können die natürlichen Rohstoffressourcen geschont und somit für die Zukunft länger verfügbar gehalten werden. Klar ist, dass die Sicherstellung einer verbrauchernahen Versorgung und einer umweltschonenden Gewinnung Aufgabe einer nachhaltigen Rohstoffpolitik ist.

Nachfrage entscheidet über Materialverbrauch

P1050615Für eine Reduktion des Materialverbrauchs an mineralischen Rohstoffen ist eine Veränderung der Nachfrage entscheidend. Steigende gesellschaftliche Mobilitätsansprüche (Gütertransport und Individualverkehr) und eine wachsende Bevölkerung führen zum stetigen Ausbau von Infrastruktur. 2050 werden rund 10 Millionen Menschen in Österreich leben. Das bedeutet, dass bis dahin pro Jahr über 50.000 neue Wohnungen benötigt werden. Massive Baustoffe wie Sand, Kies und Naturstein sind für jegliche Infrastrukturbauten und damit für unseren Wohlstand unverzichtbar, denn auch in Zukunft werden Baurohstoffe benötigt, um die bereits gebaute Infrastruktur zu erhalten.

Rücksichtsvoller Umgang mit Natur

Die Frage, die in den kommenden Jahren zu beantworten sein wird, lautet: Wie könnte eine Wirtschaft aussehen, die nicht auf einen steigenden Ressourcenverbrauch angewiesen ist? Wohlstand und Lebensqualität verbunden mit einem rücksichtsvollen Umgang mit der Natur und ihren natürlichen Ressourcen müssen noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Daraus ergeben sich große Herausforderungen, die gleichzeitig enorme Chancen für Österreichs Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft bedeuten. Ein wichtiges Thema in der Rohstoffstrategie ist die wohldurchdachte Vorgehensweise bei der Wiedernutzbarmachung von Rohstoffen aus „urbanen“ Lagerstätten. Urban mining – quasi „Städte als transferierte Lagerstätten“ – können einen wichtigen Faktor in der zukünftigen Entwicklung der Entnahme an nichtmetallischen Baurohstoffen darstellen.

Wiederverwertung schafft Entlastung

Die Verwendung von mineralischen Rohstoffen bindet also zukünftige Ressourcen in nicht unerheblicher Menge. Neben der absoluten Reduktion an der Verwendung von mineralischen Rohstoffen kann auch die Wiederverwertung von Baurestmassen eine Entlastung für die natürlichen Ressourcen bringen. Das Recycling-Potenzial wird bei den Baustoffen als sehr hoch eingestuft. Es liegt eine Vielzahl an Aufgaben vor uns: Einerseits unseren Ressourcenverbrauch zu reduzieren, den Wohlstand durch Erhaltung und Ausbau der Infrastruktur zu erhalten, die Nachfrage zu leistbaren Preisen zu befriedigen und die Natur durch kurze Transportwege zu schonen. Dafür ist es unabdingbar, dass die Gewinnung und Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen mineralischen Rohstoffen ein regionales Thema bleibt.

Baustoff-Recycling – ein effektiver Kreislauf

So fällt in Österreich mehr als die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens im Baubereich an. Baurestmassen stellen in Österreich mit 6,6 Millionen Tonnen den größten Anteil am Abfallaufkommen dar. Mehr als 5 Millionen Tonnen Recycling-Baustoffe werden derzeit schon im Bauwesen verwendet. Der Großteil dieser Baurestmassen entfällt mit 3,1 Millionen Tonnen auf Bauschutt, gefolgt von Betonabbruch mit 1,8 Millionen Tonnen.

Österreich im Spitzenfeld

Mit einer Recycling-Quote von über 70 Prozent liegt Österreich bereits heute im Spitzenfeld. Viele Unternehmen engagieren sich mit großem Einsatz für nachhaltiges Recycling und sind auch Pioniere der Branche, deren Tätigkeiten einen unmittelbaren Einfluss auf die Umwelt ausüben. Dabei stehen Abfallbehandlung, Bauschutt-, Altasphalt- und Altbetonrecycling im Mittelpunkt. Auf jeder Baustelle, egal ob groß oder klein, fällt Bauschutt an. Diesen sinnvoll zu verwerten, ist eines der Ziele vieler Unternehmen, die im Bereich von Recycling-Baustoffen tätig sind.

Gleichwertigkeit zum Primärrohstoff

Mineralische Recycling-Baustoffe bestehen in der Regel aus Granulaten, die zum überwiegenden Teil im Straßenbau, in zahlreichen Erdbauanwendungen, im Garten- und Landschaftsbau und wichtig (!) als Gesteinskörnungen für die Herstellung von Beton verwendet werden. Voraussetzung für eine bestimmte Anwendung von Recycling-Baustoffen ist in jedem Fall die Gleichwertigkeit ihrer bautechnischen Eigenschaften im Vergleich zu Baustoffen aus Primärrohstoffen. Ein weiteres wesentliches Kriterium ist ihre Umweltverträglichkeit. Recycling-Baustoffe dürfen keine Schadstoffe freisetzen, die die Qualität von Boden und Grundwasser negativ beeinflussen. Solche Stoffe können z. B. in der ersten Nutzungsphase in die Bauteile gelangt sein, die zu neuen Baustoffen recycelt werden. Deshalb sind dafür besondere Qualitätssicherungsmaßnahmen notwendig. Leider ist jedoch festzustellen, dass immer häufiger – vielleicht aus falsch verstandenem Sicherheitsdenken – aus mehreren grundsätzlich geeigneten Bauweisen nur die vermeintlich beste und in der Regel teuerste ausgewählt wird. Das heißt, es wird nicht mehr, wie bisher üblich, bedarfsorientiert ausgeschrieben, sondern nach dem Motto verfahren, dass das Beste gerade gut genug ist.

Robert Wasserbacher ist Geschäftsführer vom Forum mineralische Rohstoffe

Robert Wasserbacher ist Geschäftsführer vom Forum mineralische Rohstoffe

Über das Forum Rohstoffe:

Das Forum mineralische Rohstoffe ist eine Plattform von freiwilligen Mitgliedern in der Wirtschaftskammer Österreich, die die Interessen von derzeit 115 mineralische Rohstoffe gewinnenden Unternehmen vertritt. Die wichtigsten Ziele des Forums Rohstoffe sind die Erhaltung und der Ausbau der Existenzgrundlage für die Gewinnung und den Absatz mineralischer Rohstoffe. Das Forum Rohstoffe versteht sich dabei als offene Kommunikationsplattform, die den Dialog mit allen Partnern der Rohstoffwirtschaft fördert. Zentral sind der Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmen zu Themen wie Rohstoffpolitik, Gewinnungstechnik, Produktion, Vertrieb, Recycling sowie der allgemeine Dialog mit der Umwelt, insbesondere der betroffenen Bevölkerung und den Anrainern.

Wissen Sie, dass …

  • jede Österreicherin und jeder Österreicher rund 12 Tonnen mineralische Rohstoffe pro Jahr ca. 33 kg pro Tag benötigt!
  • man in Österreich etwa 1.300 Gewinnungsstätten (rund 950 Sand- und Kiesgruben und ca. 350 Steinbrüche) findet!
  • die 115 Mitgliedsbetriebe des Forums mineralische Rohstoffe rund 2.000 Arbeitsplätze insbesondere in ländlichen Regionen zur Verfügung stellen; die Rohstoffindustrie sichert insgesamt rund 15.000 Arbeitsplätze in den Regionen!
  • jährlich rund 110 Millionen Tonnen Baurohstoffe gewonnen werden: Sand, Kies und Naturstein, Mergel für Zement zur Betonerzeugung, Lehm und Ton für Mauer- und Dachziegel, Quarzsand und Feldspat für Glas, Industrieminerale wie Kaolin, Kreide, Kalk und Gips usw.
  • 80 Millionen Tonnen pro Jahr für den Bau von Wohnhäusern, öffentlichen Bauten wie Schulen und Krankenhäuser und Industriebauten verwendet werden und 30 Millionen Tonnen in die Produktion von Bauprodukten wie Zement, Ziegel, Putze, Mörtel, Splitt und Betonfertigteile gehen!
  • mineralische Baurohstoffe durchschnittlich nicht weiter als 25 km bis zum Endverbraucher transportiert werden!

Mag.iur. Robert Wasserbacher ist Geschäftsführer vom Forum mineralische Rohstoffe.

The “Forum Mineralische Rohstoffe” is an Austrian platform of companies who produce mineral raw materials. Their main target is to communicate with all stakeholders of their business: politics, research, production, distribution, recycling and to search the dialogue with the public.

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