Das (Ver)Schwinden des Rohstoffs Sand


Ein endloser, weißer Sandstrand bedeutet für so manchen Urlauber das Paradies auf Erden. Doch dieses Paradies ist gefährdet. Um den begehrten Rohstoff Sand ist ein brutaler Wettbewerb entfacht und sein Abbau geht vielerorts mit Umweltkatastrophen einher.

Keine andere Ressource, neben Wasser, wird in so riesigen Mengen gebraucht wie Sand. Er ist aus unserem täglichen Leben einfach nicht wegzudenken: Ob das Glas ist, aus dem wir trinken, die Zahnpasta, die wir täglich verwenden, der Mikrochip im Computer, Gebäude und Straßen. Gerade in der Bauwirtschaft wird dieses wertvolle Korn in gewaltigen Mengen vor allem für die Herstellung von Beton genutzt.

So werden beispielsweise für den Bau von einem Kilometer Autobahn sagenhafte 30.000 Tonnen Sand und Kies benötigt. Weltweit werden jährlich 60 Milliarden Tonnen Sand abgebaut. Gebraucht wird er überall auf der Welt wo die Städte weiter anwachsen und neue Wohnräume und Infrastruktur geschaffen werden. Allein in Dubai findet die Anwendung dieses Rohstoffes in einer bis dato noch nie da gewesenen Form seinen Einsatz.

Gigantisch auf Sand gebaut

Schon im ersten Projekt „The Palm“ wurden vier künstliche Archipele in Palmenform aufgeschüttet. Mit dem zweiten Vorhaben „The World“, einer Ansammlung von 270 kleineren Inseln, die in Gruppen die Kontinente darstellen, versuchte Dubai gigantomanische Ziele umzusetzen. Doch die globale Finanzkrise 2008 brachte dem Projekt ein jähes Ende und die aufwändig aufgeschütteten Inseln beginnen heute bereits wieder zu versanden. 

Der Sand für diese künstlichen Inseln stammt in erster Linie vom Meeresgrund. Dubai und die anderen arabischen Emirate hätten zwar ausreichend Wüstensand, doch der ist unbrauchbar. Vom Wind sind die Körner rund und glatt geformt und somit ungeeignet für die Bauwirtschaft.

 

Die geeigenten Sandkörner müssen rau und körnig sein und werden heute in gewaltigen Mengen vom Meeresboden geholt. Dafür sind Tausende Schiffe auf den Weltmeeren unterwegs, die mit ihren kraftvollen Pumpen alles vom Meeresboden an die Oberfläche befördern: Zahllose Tiere und Pflanzen sterben dabei – ein nicht zu rechtfertigender Preis für den begehrten Sand.

Mit diesen massiven Eingriffen werden Öko-Systeme nachhaltig zerstört; Nahrungsketten unterbrochen; Fischer verlieren ihre Existenzgrundlage und durch Erosion verschwinden ganze Inseln wie in Indonesien.

Aber auch die Strände werden schonungslos geplündert: Illegale Unternehmen wie in Marokko verkaufen den Sand an die Bauindustrie. Paradiesische Strände in Teilen Afrikas und Asiens sind bereits Mondlandschaften gewichen.

In Österreich sind diese Zustände noch kein Thema. „Das Land ist in der glücklichen Situation, seinen Bedarf durch eigene Vorkommen abzudecken“, so Robert Wasserbacher, Geschäftsführer des Forums mineralische Rohstoffe. Die rund 700 Sand- und Kiesgruben sind fast in jeder zweiten Gemeinde zu finden. Hauptsächlich in den Flussablagerungs- und Geschiebeflächen in den Tälern. Der Sand wird in Österreich meist als Quarzsand beispielsweise für Wasserfilter, Spielkästen, Glas und für chemische Produkte abgebaut.

Recyceln von Sand

Kann Sand effizient recycelt werden? „Wenn Sand für chemische Produkte, für Glas und Keramik verwendet wird, dann nicht“, sagt Wasserbacher. Auch bei der Verwendung für Putze oder Mörtel und für die Beton- und Asphaltherstellung kann Sand nicht mehr aus dem Produkt rückgewonnen werden. Aber Reststoffe aus Beton und Asphalt werden zu fast 100 Prozent recycelt.

Neben dem Frischbetonrecycling, das beinahe jeder Betonhersteller heute anbietet, gibt es das Verfahren des Festbetonrecyclings. Dabei wird Beton durch Brecher zu Betonsplitt und Brechsand zerkleinert und für Recyclingbeton verwendet. Ein großes Einsatzgebiet für Splitt und Sand aus dem Festbetonrecycling liegt im Straßenbau. Allerdings ist die Rückgewinnung von Sand aus Beton teuer, da es sehr viel Energie benötigt. 

Sand wird immer mehr zur Mangelware und macht so den Werkstoff Beton zu einem teuren Material. Liegt die Zukunft in aufwändigen Recyclingprozessen? Oder werden es modulare Konzepte sein, in denen Gebäude nach der Nutzung auseinandergenommen und deren Einzelteile für neue Gebäude eingesetzt werden?

Urban Mining also nach dem Lego-Prinzip?

Filmtipp:

die ARTE-Produktion: Sand – Die neue Umweltzeitbombe, ein Film von Denis Delestrac;

Empfehlenswerte Beiträge:

NZZ: Sandmanns Albtraum

Mare online: Auf Sand gepflanzt

Zeit.de: Wie Gold am Meer

 

On the Disappearance of Sand

For some vacationers, an endless, white sand beach is paradise on earth. However, this paradise is in jeopardy. A brutal fight for this widely-coveted commodity has ensued and in many places sand mining comes with environmental disaster. More

Apart from water, no other resource is needed in as great quantities as sand. Our daily life would simply be unthinkable without it: in the glass we drink from, in the toothpaste we use every day, in the microchip of our computers, in buildings and streets. Especially in the construction industry, enormous amounts of this valuable grain-sized material are used, chiefly in the production of cement.

A prodigious 30,000 tonnes of sand and gravel are needed to build one kilometre of a motorway, for instance. Around the globe, 60 billion tonnes of sand are mined each year. It is needed everywhere in the world where cities continue to grow and new living space and infrastructure is being created. Alone in Dubai, this raw material is being used at a scale never seen before.

Gargantuan dimensions on sand

In the country’s first project ,”The Palm”, four artificial archipelagos were raised. In its second project, “The World”, a collection of 270 small islands in the shape of the world’s continents, Dubai attempted to implement gigantomanic ideas. However, the 2008 global financial crisis brought the project to a bitter end and the arduously created islands have already begun to crumble.

Most of the sand for these artificial islands was taken from the ocean floor. Dubai and the other Arab Emirates have enough desert sand, but it cannot be used by the construction industry. Due to the wind, the grains are round and smooth and thus unsuitable.

 

For construction purposes, the sand needs to be rough and grainy and huge amounts of this sand are currently being harvested from the ocean floor. Thousands of ships travel across the world’s oceans for this purpose, pulling up sand from the ocean floor with the help of powerful pumps: many animals and plants die in the process – a price for the coveted sand that cannot be justified.

This massive incursion is leading to the lasting destruction of ecosystems; food chains are being broken; fishers are losing their livelihoods and erosion, as occurring in Indonesia, is causing whole islands to disappear.

Beaches, too, are ruthlessly being plundered: illegal companies are selling the sand to the construction industry, as is the case in Morocco. Paradisiacal beaches in some parts of Africa and Asia have already given way to lunar landscapes.

In Austria, this scale of devastation is not yet an issue. “The country is lucky to be in a situation where it can satisfy its own needs”, says Robert Wasserbacher, managing director of Forum Mineral Raw Materials. The approximately 700 sand and gravel pits are located in almost every other municipality. Mainly in valleys with alluvial deposits and debris. In Austria, sand is usually mined as quartz sand, for water filters, sandboxes, glass and for chemical products, and the like.

Recycling sand

Can sand be effectively recycled? “Not when sand is used for chemical products, for glass and ceramic”, explains Wasserbacher. Nor can sand be recovered from the product when it is used in render or grout and for the production of concrete and asphalt. But nearly 100% of the residuals from concrete and asphalt can be recycled.

In addition to the recycling of concrete that has yet to harden, a method offered by nearly all concrete manufacturers, there is the method of recycling hardened concrete. Concrete is crushed to grit and sand and used to make recycled concrete. A major area of application for grit and sand from the recycling of hardened concrete is road construction. However, recovery of sand from concrete is an expensive process, as it requires a great deal of energy. 

Sand is increasingly in short supply, making concrete a very costly material. Does the future lie in expensive recycling processes? Or will modular concepts be the solution, where buildings are taken apart after use and their individual parts employed for new buildings?

Quasi, urban mining based on the Lego principle?

Film suggestion

The ARTE production: Sand – The New Environmental Time Bomb, a film by Denis Delestrac

Recommended contributions:

NZZ: Sandmanns Albtraum (The Sandman’s Nightmare)

Mare online: Auf Sand gepflanzt (Planted On Sand)

Zeit.de: Wie Gold am Meer (As Gold on the Sea)

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