Von der Brache zum neuen Stadtteil

In London entsteht derzeit auf einer riesigen Fläche von rund 30 Hektar ein neuer Stadtteil. Es ist ein Mix aus historischen und neuen Gebäuden. Der Grund für diese gewaltige Bebauung liegt darin, dass die beiden Londoner Bahnhöfe St. Pancras und King’s Cross zu einem der größten Verkehrsknoten Europas ausgebaut wurden. Im Zuge dessen sollte das Gelände nördlich von King’s Cross als neues Stadtquartier entwickelt werden.

Das Gleis 9 ¾ von King’s Cross ist vielen sicher bekannt. Dort startete Harry Potter mit dem Hogwarts-Express seine Reise ins Internat. Einige Jahre später rechtzeitig zu den Olympischen Sommerspielen – wir schreiben das Jahr 2012 – wurde der Bahnhof von King’s Cross nach einer grundlegenden Renovierung und Erweiterung eröffnet. Heute zählt er zum größten Verkehrsknoten Europas.

Damit einhergehend sollte die im Norden gelegene Industriebrache von King’s Cross ebenfalls zu einem neuen Stadtteil ausgebaut werden. Früher konnte man hier die Industriegeschichte des 19. Jahrhunderts studieren. Doch allmählich verloren die Güterhallen, Bahnviadukte, Kanalhafen und gusseiserne Gasometer ihre Funktion und wurden stillgelegt.

 

Neue Konzepte für das gewaltige Brachland mussten auf den Tisch. Mit dem Masterplan legen Architekt und Städtebauer Demetri Porphyrios und das Architekturbüro Allies und Morrison ein Rahmenwerk für das neu zu entwickelnde Stadtviertel mit neuen Funktionen und Bebauungen vor.

Auf Ressourcenschonung wird ebenfalls eingegangen und so bleiben einige Industriebauten nicht nur als historische Reminiszenzen erhalten. Die Metallkonstruktionen einiger Gasometer werden beispielsweise zerlegt und andernorts wieder aufgebaut.

Die Kunstszene etabliert sich

Neben dem Mix aus historischen und neuen Gebäuden, aus Büros, Wohnungen, Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen, aber auch aus Straßen, Plätzen und Parks soll das Viertel eine Neudefinition erfahren.

Im November 2013 wurde der vom international renommierten Gartengestalter Dan Pearson gestaltete West Handyside Park eröffnet.In der Gestaltung greift Pearson auf heimische Pflanzen und Neophyten zurück, die sich in Großbritannien seit der Industriellen Revolution entlang der Bahnlinien ausbreiteten. Ein Stück Natur holt auch die slowenische Künstlerin Marjetica Ptrč und Ooze Architects in die neue Stadt: Der erste öffentliche Naturschwimmteich, dessen Know-How vom österreichischen Unternehmen Biotop stammt, funktioniert wie ein Freibad mit Kästchen, Bademeister und Liegewiesen.

 

Auf den Wegen der riesigen Schienenstränge des 19. Jahrhunderts wird heute keine Kohle mehr für den Eisenbahnbetrieb herangescharrt. Ein neues Zentrum ist entstanden, das aber mit der Erhaltung einiger alter Gebäude den Blick auf seine Wurzeln freigibt.

Fotos: © John Sturrock

From wasteland to new city quarter

A new urban district is currently emerging in London on an immense area of approximately 30 hectares. It is a mix of historic and new buildings. The reason for this enormous development is the expansion of the two London train stations St. Pancras and King’s Cross, making it one of the largest traffic hubs in Europe. In the course of this, the area north of King’s Cross was to be turned into a new city quarter.

 

Platform 9 ¾ at King’s Cross is certainly known to many. This is where Harry Potter began his journey to boarding school in the Hogwarts Express. A few years later, in time for the Olympic Games – in the year 2012 – King’s Cross station was re-opened after undergoing a radical refurbishment and expansion. Today it is one of the largest traffic hubs in Europe.

At the same time, the industrial wasteland north of King’s Cross was also to be converted into a new city district. In the past, this area had lent itself to studying 19th-century history. Eventually however, the warehouses, railway viaducts, channel ports, and cast-iron gas holders were no longer needed and were shut down.

New concepts for the vast wasteland were needed. With the master plan, architect and city planner Demetri Porphyrios and the architect’s office Allies and Morrison lay down a framework with new functions and buildings for the new city quarter to be developed.

The conservation of resources also plays a role, and as a result, some of the industrial buildings shall be preserved, not only as historical reminiscences. For instance, the metal structures of some of the gas holders shall be dismantled and reassembled elsewhere.

The art scene takes root

Aside from its mix of historical and new buildings, offices, apartments, educational and common facilities, but also streets, squares and parks, the quarter is set to undergo a redefinition.

 

West Handyside Park, designed by internationally renowned garden designer Dan Pearson, opened in November 2013. In his design, Pearson uses native plants and pioneer species that have spread along railway lines in Great Britain since the Industrial Revolution. The Slovenian artist Marjetica Ptrč and Ooze Architects also inject a piece of nature into the new city: The first public natural swimming pond, the know-how for which was provided by the Austrian company Biotop, works like an outdoor public pool with lockers, lifeguard and open lawns.

Today, the giant railways of the 19th century no longer supply coal for railway operation. A new centre has emerged, which however, through the preservation of several old buildings, reveals a glimpse of its roots.

 

 Fotos: © John Sturrock

 

 

 

 

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