„What ist Urban Mining?“

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Brigitte Kranner besuchte den Internationalen Kongress BauZ!, der sich „Neues von alten Häusern. Sanierung. Umnutzung, Recycling“ widmete. Ob das Thema der Ressourcenschonung in der Bauwirtschaft bereits angekommen ist, fasst Brigitte Kranner in ihren folgenden persönlichen Eindrücken zusammen.

Es ist der letzte Kongresstag, die erste Kaffeepause und ich komme mit einem kanadischen Architekten ins Gespräch. Unglaublich interessant, baut doch sein Büro Gebäude, die nach den Living Building Challenge-Richtlinien zertifiziert werden. Diese Art der Zertifizierung ist erst 10 Jahre alt, angeblich die strengste der Welt und in Europa kaum noch bekannt (Anm.: Erst sechs Gebäude sollen nach diesen Richtlinien zertifiziert sein). Wir sprechen über globale Zusammenhänge, die neuen Nachhaltigkeitsziele der UN und wie wichtig eben solche Fachkongresse sind.

Es kommt die unvermeidliche Frage, was ich beruflich mache und warum ich hier bin. Bei der Antwort „Altmetallhändlerin“ ein leichtes Hochziehen der Augenbrauen, kaum verhohlenes Erstaunen. Wie passt das denn zusammen? Und beim zweiten Teil der Antwort: „Ich bin hier, weil wir auch den Blog ‚urbanmining.at’ betreiben“, folgt die Frage: „What is urban mining?“.

Warum Ressourcen schonen?

Empfang.KongressPrägnanter kann man es nicht sagen. Das Thema Ressourcenschonung ist wirklich noch nicht in der Bauwirtschaft angekommen. Wieso Ressourcen schonen? Wir müssen ja erst noch das Klima mit Baunormen, Heizwertobergrenzen und Energieausweisen retten. Das war die – gerechtfertigte – Ausrichtung der letzten 20 Jahre und ist es immer noch. Jetzt hat sie vielleicht etwas zu einseitigen Charakter. So wichtig zum Beispiel die Wärmedämmung ist, so wenig darf man sie per se betrachten: Gute Dämmwerte durch Verbundmaterialien bedeuten zugleich den Verlust von Rohstoffen, da diese aus Verbundmaterialien nicht mehr zurückgewonnen werden können.

Natürlich ist mir das besonders aufgefallen, da der Fokus meines Besuches auf der Gewinnung von Sekundärrohstoffen aus Gebäuden liegt. Aber es beginnt sich zu wandeln: Bereits 2013 lautete das Thema des BauZ! Kongresses: “Ressourcenschonende Gebäude“ und heuer  „Neues von alten Häusern: Sanierung, Umnutzung, Recycling“ – ein Hoffnungsschimmer, aber auch eine Notwendigkeit.

Recycling – ein Hoffnungsschimmer

Apropos Notwendigkeit: Wie die einzelnen Referenten an das Thema herangingen, war auch entscheidend durch ihren Wirkungsradius geprägt: Immer, wenn Vortragende aus der Alten Welt am Rednerpult standen, referierten diese in der Einleitung über Richtlinien der EU, die auf nationales Recht runtergebrochen werden müssen, über Normen, über Bauvorschriften, über gesetzlich vorgeschriebene Obergrenzen, etc..
Immer, wenn Vortragende aus der Neuen Welt am Rednerpult standen, referierten diese, welche Vorteile ein nach Leeds oder Living Building Challenge zertifiziertes Gebäude für den Eigentümer hätte. Sei es, ob der niedrigeren Erhaltungskosten, sei es, ob des Images oder ob des höheren Wiederverkaufswertes. Und beide blickten jeweils etwas neidisch auf den anderen: Die einen, weil es auf der anderen Seite keine Überreglementierung durch die Politik gibt. Die anderen, weil sie sich ein bisschen mehr Unterstützung durch die Politik wünschen.

BauZ! ist ein echter internationaler Fachkongress mit über 40 einzelnen Vorträgen und Workshops, die in die Tiefe des Hochbaus gehen.
Der hohe Differenzierungsgrad lässt sich an so unterschiedlichen Workshop-Themen wie „High-tech Lösungen für die sanfte Gebäudesanierung: Untersuchung von Bestandsfenstersystemen mit Vakuumgläsern“ (TU Wien) oder „Analyse der Energieausweise des Bundeslandes Salzburg der Jahre 2006-2015“ (FH Salzburg) ablesen. Ein Kongress für Spezialisten, bei dem jedoch das Thema Urban Mining noch nicht angekommen scheint.

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Brigitte Kranner ist Geschäftsführerin von Altmetalle Kranner und Herausgeberin des Blogs Urban Mining.

 

“What is Urban Mining?”

Brigitte Kranner attended the international congress BauZ!, which was dedicated to “New stuff from old buildings. Rehabilitation, conversion, recycling.” In relating her personal impressions, Brigitte Kranner gives us her take on whether resource conservation has finally come into its own in the construction industry.

On the last day of the congress, I was having my first coffee break and got into talking with a Canadian architect. Incredibly interesting, as his company puts up buildings that are certified as Living Buildings. This certification, allegedly the world’s most rigorous and hardly known in Europe, was only launched 10 years ago (Note: So far, only six buildings have been certified according to these guidelines). We talked about the global context, the UN’s new sustainability goals and how important such specialised conference are.

Then he asked the inevitable question of what I do for a living. And why I was attendingthe congress. When I told him “scrIMG_0040ap metal dealer”, he raised his eyebrows slightly and was barely able to conceal his consternation. How does that fit? And when I gave him the second part of my answer: “I’m here because I write the blog ‘urbanmining.at,’ he asked: “What is urban mining?”.

Why save on resources?

There is no better way of putting it. Resource conservation has yet to come into its own in the construction industry. Why save on resources? We need to save the climate first by means of buildings standards, caps on calorific values and energy performance certificates. That was the – legitimate – focus in the past 20 years and continues to be the main objective. It may appear a little too one-sided today. As important as thermal insulation might be, you cannot take it at face value: good thermal insulation using composites means a loss of raw materials at the same time, as these cannot be recovered from the composites.

Naturally, that caught my eye in particular since the focus of my visit was on the recovery of secondary raw materials from buildings. But things are beginning to change: in 2013, the theme of the BauZ! Congress was: “Resource-Efficient Buildings” and this year’s congress focused on “New stuff from old buildings: Rehabilitation, conversion, recycling” – a ray of hope, but also a necessity.

Recycling – a ray of hope

Speaking of necessity: The manner in which the individual speakers approached the topic was decisively influenced by the geographical range of their activities: whenever speakers from the Old World took to the podium, they started to talk about EU directives which had to be broken down to national law, through standards, building regulations, statutory limits, etc..
Whenever speakers from the New World stepped to the rostrum, they talked about the benefits of Leeds-certified construction or Living Building-certified buildings. Either because of the low maintenance costs or because of the image they project or the higher resale value. And either group ogled enviously over to the other: the former, because they did not have to contend with the over-regulation imposed by legislators, and the latter because they would have preferred a bit more government support.

BauZ! is a highly specialised international congress featuring over 40 papers and workshops that explore the depths of structural engineering.
IMG_0018The immense variety is reflected in the different workshop themes, including “High-tech solutions for soft rehabilitation: a study of legacy window systems with vacuum-insulated glazing” (Vienna University of Technology) or “Analysis of the energy performance
certificates in the Federal Province of Salzburg issued in the years 2006-2015” (Salzburg University of Applied Sciences). A congress for experts, where urban mining has yet to come into its own.

Brigitte Kranner is managing director of Altmetalle Kranner and writes the Urban Mining blog

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