Wie ein Urban Mining-Index entsteht

Alu Bleche mit Eisen-Nieten (9)

Die Diplomarbeit von Martin Fischer und Manuel Seyrl über den Urban Mining-Index ist fertiggestellt. Sie liefert erstmals Antworten darüber, welche Rohstoffe als kritisch zu bewerten sind und ab welchem Zeitpunkt Recycling wirtschaftlich sinnvoller ist als der Zukauf von Primärrohstoffen. Die Initialzündung für diese wissenschaftliche Arbeit setzte Blog-Herausgeberin Brigitte Kranner gemeinsam mit dem emeritierten Professor Paul Brunner von der TU Wien.

Rückblick, Sommer 2012: Brigitte Kranner philosophiert mit Paul Brunner darüber, wie wichtig Urban Mining eines Tages sein würde. Sehr wichtig, da sind sich die beiden einig.

„Alles hängt von den Rohstoffpreisen ab“, meint Brunner. „Man müsse so eine Art Urban Mining Index entwickeln, so eine magische Zahl, die zeigt, ab jetzt rentiert sich der Einsatz von Sekundärrohstoffen.

Wie es zur Diplomarbeit kam

Ein paar Monate später besucht Brigitte Kranner eine Veranstaltung der Oberösterreichischen Zukunftsakademie. Dort trifft sie Professor Heinz Karl Prammer von der Johannes Kepler Universität Linz (Institut für Betriebliche und Regionale Umweltwirtschaft). Da es sich bei der Idee vom Index um eine ökonomische Kennzahl handelt, fragt sie Prammer, ob ihn das Thema als Forschungsarbeit interessieren würde. „Ja, durchaus“, so seine Antwort.

Martin Fischer

Martin Fischer

Wieder ein paar Monate später melden sich Martin Fischer und Manuel Seyrl bei Brigitte Kranner und nehmen das Projekt als Magisterarbeit in Angriff. Die beiden hatten zwar noch nie vom Begriff Urban Mining gehört, „doch es klang interessant und herausfordernd“, so Martin Fischer. „Wir hatten keine Ahnung, worauf wir uns einlassen“, ergänzt Manuel Seyrl und lacht erleichtert auf, jetzt, nachdem alles vorbei ist.

Der Arbeitsalltag

Martin Fischer arbeitet an bis zu sechs Bildschirmen gleichzeitig, damit er sich bei der umfangreichen Literaturrecherche das mühsame Hin- und Herspringen zwischen den Büchern erspart. Manuel Seyrl, Vollbluttechniker im Verkauf, entscheidet den eher

Manuel Seyrl

Manuel Seyrl

technisch-mathematischen Teil abzudecken. Das stellt sich als Eigentor heraus: Die Literatur dazu ist ausschließlich in Englisch. Sein Englisch ist aber schon etwas eingerostet.

Bemerkenswert ist, dass beide vorher nie im Umweltbereich oder mit Rohstoffen arbeiteten und das auch künftig nicht vorhaben. Sie sind in anderen Bereichen voll berufstätig. Umso erstaunlicher, dass Fischer und Seyrl mit der Arbeit wirklich Neues geschaffen haben: Einen Zugang zu Urban Mining, den es in dieser Form noch nicht gibt. Und wo es sich auch lohnen würde, weiter zu forschen.

Einige Zeit nach Beendigung der Arbeit und der Verleihung des Magister-Diploms treffen Brigitte und Felix Kranner die beiden in Wien zu einem gemeinsamen Abendessen. Als „Verursacher der Arbeit“ möchten sich die Kranners für die Mühen der beiden Autoren Fischer und Seyrl erkenntlich zeigen. Es wurde ein sehr gemütlicher Abend.

v.li.n.re.: Felix Kranner, Martin Fischer, Brigitte Kranner und Manuel Seyrl

v.li.n.re.: Felix Kranner, Martin Fischer, Brigitte Kranner und Manuel Seyrl

Kurzbesprechung der Arbeit

Rohstoffe sind für das Funktionieren der Wirtschaft notwendig. Deswegen ist auch ein Index wichtig, an dem man erkennen kann, wie lange es etwaige Rohstoffe noch gibt und wann Recycling sinnvoller ist als der Zukauf von Primärrohstoffen. Besonders schwierig war es bei der Diplomarbeit an aussagekräftige Daten heranzukommen: Entweder es gibt sie nicht oder sie sind mangelhaft oder veraltet. Akribisch haben die Autoren Daten- und Informationsmaterial erhoben und zusammengeführt, um sich dem Stand der Technik, der Methoden und Einflussfaktoren zur Berechnung von Rohstoffvorkommen sowie der Mengeneinschätzung für Ressourcen zu nähern.

Ihre Diplomarbeit hätte eigentlich einen breiten Mix von Rohstoffen (fossile und mineralische Rohstoffe, Metalle) behandeln sollen. Doch dies wäre zu umfangreich geworden, da viele Faktoren die Berechnung beeinflussen wie z. B.:

  • Wie wirken sich Ausgaben für Bildung, Gesundheit, Einkommensverteilung, Arbeitslosenquote, politische Stabilität, Korruption, Lebensstandard etc. auf den Rohstoffverbrauch aus?
  • Und wie wirken sich die Faktoren auf die Primärproduktion und die Recyclingraten aus?

Die beiden Autoren haben sich daher „nur“ auf Zink konzentriert, einem Trägermaterial, das für viele andere Rohstoffe wichtig ist. Der Index sollte nun jenen Punkt aufzeigen, der es ermöglicht zu sagen: „Ab einem Index von 1 ist Recycling sinnvoll“. Doch diese Aussage kann nicht einmal für ein einziges Material getroffen werden, weil es zu viele Faktoren gibt, die sich ununterbrochen ändern.

Des Weiteren enthält die Arbeit sehr gute Erklärungen über Urban Mining, Recycling, Up-Cycling, Rohstoffe, Reserve oder Ressource; Begriffe wie Sekundärrohstoffe, Landfill Mining, anthropogenes Lager oder das Aufzeigen von Preisentwicklungen werden bestens verdeutlicht. Auch Begriffe wie Kritikalität, Vorkommen, Substituierbarkeit, Verfügbarkeit, Preise und Kurse werden ausgezeichnet erörtert.

Die gesamte Arbeit steht hier zum Download bereit: Der Urban Mining Index

It started out as a very ambitious project. Martin Fischer and Manuel Seyrl, working students at the Johannes Kepler University Linz, wanted to create an Urban Mining Index. The aim was to identify and quantify a turning point at which it is economically worthy to use secondary materials. It turned out, that it is not possible, not even for one single material, zinc. A very important insight, which opens a wide field for research.

For details go to their master theses (in German): Der Urban Mining Index

 

 

 

 

 

 

 

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