Wiederverwendung versus Abfall

Informelle Aktivitäten in der Abfallwirtschaft sind generell aus Entwicklungsländern bekannt, jedoch gibt es dies auch in Mitteleuropa. Seit 2009 beschäftigt sich das Projekt TransWaste mit den Herausforderungen der informellen Abfallsammlung in unseren Breiten. Informell, sprich ohne formellen Auftrag und ohne jegliche Registrierung, sammeln Einzelpersonen oder Kleingruppen in Österreich wiederverwendbare Gegenstände, die andernfalls in den Müll wandern würden. Die in Österreich tätigen informellen Sammler stammen größtenteils  aus Ungarn (69 %) – die gesammelten Mengen werden nach Ungarn transportiert und dort gegebenenfalls repariert, selber verwendet bzw. in den meisten Fällen wieder verkauft und dienen deshalb als z.T. wichtige Einkommensquelle. Immerhin 19% der SammlerInnen stammen direkt aus Österreich – der Bedarf an günstigen Gebrauchsgegenständen scheint daher auch im Inland selbst gegeben zu sein. Rund 100.000 Tonnen an wiederverwendbaren Gegenständen werden in Österreich pro Jahr informell gesammelt. Der Großteil dieser Menge (40 Masse-%) betrifft z.B. Möbel, Hausrat, Sportgeräte oder andere Haushaltsgegenstände, die derzeit klassisch als Sperrmüll entsorgt werden. An zweiter Stelle stehen Metalle (22 Masse-%) gefolgt von Elektroaltgeräten (EAG) (16 Masse-%). Vor allem bezüglich der beiden Letzteren kommt es zu Konflikten mit der formellen Abfallwirtschaft. Einerseits werden hier finanzielle Einbußen in Bezug auf die Verkaufserlöse wertvoller Fraktionen, wie Metalle befürchtet. Auf der anderen Seite warnt die formelle Abfallwirtschaft vor unsachgemäßen Entsorgungspraktiken der informellen SammlerInnen, z.B. wenn aus einem alten Kühlschrank nur wertvolle Metalle entnommen und die schadstoffhaltigen Reste unsachgemäß entsorgt werden.

 

Die informelle Sammlung liegt in einem rechtlichen Graubereich, in dem viele Interessen aufeinanderstoßen. Laut der Europäischen Abfallrahmenrichtlinie 2008 ist Re-Use – also die Wiederverwendung von Gegenständen zum ursprünglichen Zweck mit dem Ziel einer Verlängerung der Lebensdauer – dem Recycling vorzuziehen. Der Frage, ob etwas bereits Abfall oder (eventuell durch kleine Reparaturen) noch wiederverwendbar ist, kommt in diesem Sinne besondere Bedeutung zu! Dies betrifft auch EAG und die darin enthaltenen und begehrten Metalle.

 

Im Prinzip betreiben informelle SammlerInnen Re-Use. Allerdings kommen sie (auch aus eigenem Unwissen) in gewissen Fällen mit dem Gesetz in Konflikt – nämlich dann, wenn statt wiederverwendbaren Gebrauchtwaren Abfälle gesammelt werden. Dieser Tatbestand liegt vor, wenn keine Schenkungs- sondern eine klare Entledigungsabsicht seitens der Besitzer vorliegt und/oder wenn die Gegenstände nicht mehr gebrauchs- und reparaturfähig sind. Stellen wir uns zur Veranschaulichung eine alte Waschmaschine vor: befindet sich diese in einem derart guten Zustand, dass sie erneut für denselben Zweck zum Einsatz kommen kann, handelt es sich um Wiederverwendung und kann unter gewissen Voraussetzungen als Gebrauchtware gelten. Ist die Waschmaschine jedoch verbogen und verrostet, kann man davon ausgehen, dass informelle SammlerInnen nicht an der Wiederverwendung Interesse haben, sondern in Konkurrenz zur offiziellen Abfallwirtschaft Metallfraktionen sammeln, um diese gewinnbringend zu verkaufen. Liegt die Abfalleigenschaft wie im zweiten Fall beschrieben vor, ist sowohl die unautorisierte Sammlung als auch die Verbringung ins Ausland illegal. Das Sammeln und Behandeln von Abfällen bedarf spezieller Genehmigungen. Im Gegensatz dazu dürfen funktionstüchtige Gegenstände, z. B. eine alte Waschmaschine / ein alter Rasenmäher, grundsätzlich als Spende entgegengenommen und als Gebrauchtwaren exportiert werden.

Das TransWaste-Team arbeitet gemeinsam mit Betroffenen aus Verwaltung, offizieller Abfallwirtschaft sowie informellen SammlerInnen an Lösungsvorschlägen für den Bereich der informellen Abfallwirtschaft in Mitteleuropa. Nähere Informationen zum Projekt: www.transwaste.eu.

Kontakt:
Dipl. Ing. Elisabeth Schmied
Institute of Waste Management
Department of Water, Atmosphere and Environment
University of Natural Resources and Life Sciences, Vienna

Institut für Abfallwirtschaft
Department Wasser – Atmosphäre – Umwelt
Universitaet fuer Bodenkultur – Wien
ABF-BOKU

Muthgasse 107
A-1190 Wien

Tel: (+43-1)3189900-331
Fax: (+43-1)3189900-350
E-Mail: elisabeth.schmied@boku.ac.at

Homepage: www.wau.boku.ac.at/abf

Bildquelle: ABF-BOKU

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