Zukunftsrezepte für nachhaltige Entwicklung

Burg Strecno (SK) (151)

Ob Urban Mining, Cradle2Cradle, Upcyling oder Recycling. Ob Kreislaufwirtschaft, kaskadische Nutzung oder Wiederaufbereitung. Fakt ist, der schonende Umgang mit unseren Ressourcen wird in vielfältiger Art und Weise immer wichtiger. Und das ist gut so! Nicht nur aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes scheint es erforderlich zu sein, manch unserer bisherigen Produktions- und Konsummuster sowie unser Wegwerfverhalten kritisch zu hinterfragen. Auch vor dem Hintergrund wirtschaftlicher und sozialer Aspekte macht ein intelligenter Umgang mit Rohstoffen durchaus Sinn. Abfall als wertvolle Ressource gewinnt in diesem Zusammenhang zunehmend an Bedeutung. Denn die Rückgewinnung von bereits eingesetzten Rohstoffen sowie die daraus folgende Wiederverwendung als Sekundärrohstoffe verringert nicht nur die Abhängigkeit von steigenden Rohstoffpreisen und -importen, sondern vermindert auch Umweltbelastungen (z. B. durch Einsparung von CO2-Emissionen) und negative soziale Folgen (z. B. gesundheitliche Beeinträchtigung durch leichtfertig entsorgte Chemieabfälle und Elektroschrott).

Wer ist für Umsetzung verantwortlich?

Bei der Frage, in welchen Verantwortungsbereich der nachhaltige Umgang mit natürlichen Ressourcen bzw. Rohstoffen fällt, scheiden sich oftmals die Geister. Oder doch nicht? Naja, irgendwie schon. Für viele Personen liegt es hier auf der Hand gesetzliche Vorgaben einzufordern, um einen umweltschonenden und eingeschränkten Ressourcenumgang zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang habe ich oftmals Sätze gehört wie etwa: „Die Politik muss den Rahmen vorgeben, damit Nachhaltigkeitshandeln in der Gesellschaft funktionieren kann“ oder aber auch „Nachhaltigkeit muss top-down organisiert werden und darf nicht privatisiert werden. Ressourcenschutz ist eine staatliche Aufgabe.“

Dagegen steht für viele Personen, dass die Zivilgesellschaft bzw. Privatpersonen für die Umsetzung verantwortlich sind und weniger der Staat. Hier höre ich immer wieder Argumente wie etwa „Es lebe die Eigenverantwortung und die Freiheit der Einzelnen und des Einzelnen, um zu beschließen, welche Produkte gekauft werden“ oder „Jede/r von uns entscheidet an der Supermarktkassa über den Ressourcenverbrauch eines Produktes“ oder „Jedes Gesetz ist wertlos, wenn sich niemand daran hält“. Wirklich wunderbar. Wer kennt solche Diskussionen nicht? Man könnte sie stundenlang weiterführen und sich dabei schön im Kreis drehen, um sich am Ende dann doch mit einem „Naja, irgendwie haben ja beide Seiten recht“ zu verabschieden.

Top-Down & Bottom-Up

Es braucht wohl beides: Top-Down und Bottom-Up. Auf der einen Seite sind gesetzliche Vorgaben nach Maß sowie politischer Wille unabdingbar, um ressourcenschonendes Handeln in einer Gesellschaft zu ermöglichen und zu fördern. Dazu zählen beispielsweise Gesetzesvorgaben, anreizorientierte Förderinstrumente, praktikable Reglementarien, öffentliche Bewusstseinsbildung und ein ökologisch orientiertes Steuersystem. Auf der anderen Seite bedarf es aber auch gesellschaftliche Initiativen, engagierte Unternehmen, Organisationen und Personen, die mit ihrem Handeln auf einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen aufmerksam machen sowie diesen tatsächlich ermöglichen. Dies kann beispielsweise mittels bewusstseinsbildenden Projekten, innovativen Erfindungen, ökologisch-sozial orientiertem Unternehmertum und Kaufentscheidungen der Einzelpersonen geschehen.

Vorbildwirkung entscheidend

Klar, es braucht beides. Nachhaltigkeit und der schonende Umgang mit natürlichen Ressourcen darf nicht ausschließlich Aufgabe des Staates sein, darf allerdings auch nicht im alleinigen Verantwortungsbereich der Zivilgesellschaft oder der Wirtschaft stehen. Naturgemäß liegen in jedem gesellschaftlichen Bereich unterschiedliche Interessen, Vorstellungen sowie Umsetzungsmöglichkeiten. Als Privatperson, Konsument, Angestellter, Ehrenamtlicher, Stadtbewohner, Sportler und Wähler verlasse ich mich nicht auf andere, bzw. warte nicht auf politische Rahmenbedingungen. Ich konzentriere mich vielmehr auf das Handeln in meinem persönlichen Umfeld. Ich bin überzeugt davon, dass – gemäß dem afrikanischen Sprichwort „Wenn viele kleine Leute viele kleine Dinge tun, verändert dies die Welt“ – meine Entscheidungen positive Auswirkungen haben können, etwa auf die Arbeitsbedingungen im Produktionsland sowie ausgestoßene Treibhausgase bei Herstellung, Lagerung und Transport der von mir konsumierten Produkte sowie auf die Förderung der regionalen Wirtschaft durch meine Kaufentscheidungen. Und dann ist da auch noch eine gewisse Vorbildwirkung bzw. das Aufzeigen von nachhaltigen Handlungsalternativen für Mitmenschen. Meine persönlichen Erfahrungen sagen mir, dass Personen, die „zeigen wie’s gehen kann“, enorm wichtig sind. Sie geben Orientierung, liefern Denkanstöße und motivieren zum kritischen Reflektieren. Für mich waren und sind sogenannte „Changemaker“ sehr wichtig. Sie braucht es – egal in welchem Bereich. Zum Glück gibt es davon eine ganze Menge.

Miteinander handeln

Miteinander reden ist wichtig. Miteinander handeln aber auch. Oftmals vermisse ich das gemeinsame Handeln im Sinne der Nachhaltigkeit. Es scheint so, als ob Probleme und die dazugehörigen Lösungsalternativen bekannt sind aber dennoch nichts passiert, um nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen und zu fördern. Weshalb es so ist, daran zerbrechen sich viele Personen ihre Köpfe. Manchmal ist die Antwort doch so naheliegend und simpel. Um nicht endlos auszuschweifen, wird Platz für eigene Gedanken gelassen. Mir ist wichtig, vielmehr zu betonen: Es gibt unzählige Handlungsmöglichkeiten, um persönlich zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen zu können.

Nachhaltigkeitsblog zukunftsrezepte

Das lösungsorientierte Aufzeigen von Handlungsalternativen war auch einer der Grundgedanken des Nachhaltigkeitsblogs. Der Blog widmet sich ganz bewusst engagierten Persönlichkeiten, Organisationen, Unternehmen, Initiativen und Trends nachhaltiger Entwicklungen entlang der Sustainable Development Goals. Zudem bietet er sogenannten „Changemaker“ eine Plattform, auf der sie ihre persönlichen Gedanken und Visionen teilen können. Des Weiteren werden gemeinsam mit den Leserinnen und Lesern Ideen für nachhaltige Entwicklung gesucht und kommuniziert. Seit Mai 2016 online, gibt es in den zwei Rubriken nachhaltig wienerisch und nachhaltig international bereits ein vielfältiges Sammelsurium an Themen zum Nachlesen: Nachhaltigkeitskommunikation und -medien, öko-soziales Unternehmertum, Ressourcen- und Klimaschutz, CO2-Kompensation, ökologische Stadtentwicklung und vieles mehr.

Florian.LereggerDer Autor:

Der Gastautor Florian Leregger ist Herausgeber des Nachhaltigkeitsblogs zukunftsrezepte. Er berichtet über engagierte Personen, Organisationen, Unternehmen und Initiativen nachhaltiger Entwicklungen entlang der Sustainable Development Goals. Beispielsweise besuchte Florian in jüngster Vergangenheit Wiener Unternehmen, sammelte Ideen für nachhaltige Entwicklung und organisierte ein Upcycling-Fotoshooting. Zudem lädt er laufend Gastbloggerinner und -blogger ein, um ihre persönliche Geschichten und Meinungen zu teilen.

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