Zukunftsträchtig

Was studiert man, will man die großen Zusammenhänge verstehen? Theologie, Philosophie? Oder doch Umweltsystemwissenschaften?

Mag. Dr. Reingard Peyrl, MSc ist Themenmanagerin für die Bereiche Ressourcen und Technologie der Oberösterreichischen Zukunftsakademie. 2011 ins Leben gerufen, hat die Zukunftsakademie den Auftrag, für Oberösterreich relevante Themen aufzuspüren und zu bewerten. So sollen gesellschaftspolitische, ökonomische, ökologische wie technologische Trends und ihre Auswirkungen frühzeitig erkannt werden.

Peyrl hat Umweltsystemwissenschaften an der Universität Graz studiert. Für das interdisziplinäre Studium, das unter anderem Grundlangen der Systemwissenschaften, der Chemie und Mathematik vermittelt, wählte sie den Schwerpunkt Geographie. Ziel des Studiums ist es, die Auswirkungen des Menschen auf seine Umwelt zu erfassen und Strategien zur Problemlösung zu entwickeln. Graz war Anfang der neunziger Jahre der erste Standort im deutschsprachigen Raum, der diesen Studiengang als individuelles Diplomstudium angeboten hat.

Nach ihrem Studium arbeitete Peyrl zunächst beim Klimabündnis Steiermark und wechselte dann zur

Oberösterreichischen Akademie für Umwelt und Natur, der Vorgängerorganisation der Zukunftsakademie. Und beschäftigt sich dort mit dem großen Thema Ressourcenknappheit.

Unsere Wirtschaft entnimmt der Erde riesige Mengen an Rohstoffen, verarbeitet sie, veredelt sie, verbindet sie mit anderen Stoffen und stellt daraus Produkte her, so Peyrl. Und dann … Dann werden diese mit großem Aufwand erzeugten Produkte entsorgt. Sie landen im Müll. Und beinhalten noch immer wertvolle Rohstoffe, wenn auch in unterschiedlichen Mengen und Ausmaßen. In Hightech-Produkten sind beispielsweise unzählige Rohstoffe verbaut, die nur in wenigen Ländern abgebaut werden. Andererseits landen Massenrohstoffe tonnenweise in der Bauindustrie. Diese Materialzusammensetzungen in Kataster zu erfassen ist eine der großen Herausforderungen der Zukunft, ist Peyrl überzeugt. 

Urban Mining ist für sie mehr als nur ein Umwelt- bzw. Abfallthema. Es geht darum, die Versorgung mit knappen Rohstoffen zu sichern. Damit kann Urban Mining auch Wettbewerbsfaktor und Standortvorteil werden. Wenn, aber eben nur wenn Wirtschaft und Politik die Chancen der Sekundärrohstoffgewinnung rechtzeitig wahrnehmen.

Das Land Oberösterreich hat mit der Gründung der Zukunftsakademie ein deutliches Zeichen in die richtige Richtung gesetzt. Gesellschaftspolitische Themen lassen sich nicht isoliert voneinander betrachten. Unsere Probleme können wir nur lösen, wenn man den Blickwinkel ändert und sich die Mühe macht, Zusammenhänge verstehen zu wollen. Das gilt heute wie in fünfzig Jahren.

Ob es die Zukunftsakademie dann noch geben wird? Reingard Peyrl lacht, wer weiß. Notwendig wird sie sicher sein. So wie es immer notwendig ist, sich heute schon mit morgen zu beschäftigen. Und, noch besser, gleich noch mit übermorgen.

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