Fair vermittelt

Die Fairmittlerei Michael Reiter

Seit rund drei Jahren gibt es Die Fairmittlerei. Sie vermittelt gebrauchsfähige Non Food-Produkte, die von Industrie und Handel gespendet werden, an Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Die Fairmittlerei bildet eine Schnittstelle für eine optimierte Ressourcenverteilung und wurde im Vorjahr mit dem Umweltpreis der Stadt Wien ausgezeichnet.

Eine lemongrüne Shampooflasche nach der anderen rollt vom Förderband; ein vollautomatischer Arm schnappt sich immer wieder 6 Flaschen und verstaut sie im Sixpack-Karton. Und ab geht’s zur Auslieferung, wo die Kartons auf Paletten gestapelt und mit Folie umwickelt werden. Schon stehen zehn versandbereite Paletten im Lager.

Plötzlich stoppt das Laufband. Helle Aufregung! Auf der Flasche mit dem grünen Shampoo klebt ein knallorangenes Etikette mit der Aufschrift: „Orange – Duft des Südens“. Eine grüne Orange? Das geht gar nicht. Was tun?

Ressourcen sparen

Dem Haarshampoo-Erzeuger bleibt nichts anderes übrig, als die Fehlcharge zu entsorgen oder sie zu spenden, zum Beispiel an Die Faimittlerei. Sie wurde im Juli 2016 von Michael Reiter, Sabine Brunnmair, Manfred Hlina und Michael Gugenberger gegründet. „Das Ziel ist eine Win-win-Situation herzustellen“, meint Reiter. „Die Produktionsbetriebe sparen die Entsorgungskosten, NGOs können die Ware zu einem stark reduzierten Preis bei uns beziehen, die Umwelt wird geschont, Ressourcen werden eingespart und eines Tages können wir sogar davon leben,“ ergänzt der gelernte Tischler und studierte Produktdesigner Reiter.

Die Fairmittlerei, das Team

Die Fairmittlerei: das Team | Foto: Martin Croce

Der Gründer und zugleich Obmann skizziert damit die Idee, auf der Die Fairmittlerei fußt: Sie soll eine Plattform sein, wo Produzenten und Handel gebrauchsfähige Non Food-Produkte spenden können – Produkte, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr verkauft werden. Die Fairmittlerei übernimmt die Ware, lagert sie ein und vermittelt diese in kleinen Mengen an NGOs.

Immer mehr Menschen brauchen Unterstützung

„Wir holen die Ware en gros bei den Spendern ab und geben sie in ein Paletten-Zwischenlager. Von dort weg vermitteln wir die Ware in der gewünschten Menge zum Preis von zirka 20-25 Prozent des Neuwerts an NGOs. Wir verkaufen nicht an Privatpersonen und überprüfen auch, ob es sich tatsächlich um eine NGO handelt“, geht Michael Reiter ins Detail.

In einem nächsten Schritt soll sich Die Fairmittlerei zu einer digitalen Plattform entwickeln, wo sich Anbieter und Kunde finden können. Daran arbeiten Michael Reiter, seine drei Mitbegründer, 10 Ehrenamtliche und eine Büromitarbeiterin. „Im Verkauf sind wir schon digital, in der Beschaffung sind wir noch analog“ gibt Reiter lachend zu. „Jeder kann auf unserem Webshop nachschauen, was wir auf Lager haben, aber nur bei uns registrierte NGOs sehen auch die Preise“.

Und der Markt ist da. „Leider gibt es immer mehr Menschen, die Hilfe von NGOs benötigen“, führt ein ernster Michael Reiter aus. Und er merkt auch, dass Firmen – und die Menschen dahinter – gerne helfen wollen. „Wir müssen ihnen die Möglichkeiten der Fairmittlerei aufzeigen“, betont Reiter und „wir arbeiten hart daran, uns und unser Geschäftsmodell bekannt zu machen, denn davon wird unser Erfolg abhängen.“

Diefairmittlerei.at

Fair brokerage

What to do with surplus material from non-food production? What to do with wrongly labeled non-food products? Michael Reiter, founder of the Vienna based „Die Fairmittlerei“ – freely translated as fair brokerage – has the solution: He asks companies to donate these products, which normally would be disposed. He then sells them to NPOs at 20-25 % of the regular price. A win-win situation for all participants: less trash, less disposal costs, fewer costs for NPOs and less consumption of raw materials. For details go to: Diefairmittlerei.at

Foto 1: © Sofie Hörtler

 

 

 

 

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