Reduce, Reuse, Recycle: 0129 Antivilla

Wer umbaut, muss sich in vorgegebenen Rahmen bewegen, Zurückhaltung üben, sich anpassen. Da ist das Neue vermeintlich vielversprechender. Deshalb sollte die aufgelassene Trikotagenfabrik am Brandenburger See ursprünglich auch 3 Ferienhäuschen weichen. Wer umbaut, kann aber im Vorhandenen auch Inspiration finden. Gerade das reizt das Architekturbüro Brandlhuber + Emde, Schneider. Die Berliner nehmen die rahmengebenden Bedingungen und Vorschriften auf und entwickeln sie weiter, spielen damit. Zugunsten des Projektes und im Zeichen der Zurückhaltung – auch jener der künftigen Bewohner.

Sich einschränken, um mehr zu haben

Ein Abriss hätte mehr als 300 m2 weniger Nutzfläche bedeutet. Ein Neubau wäre im Naturschutzgebiet auf 100 m2 beschränkt gewesen, mit dem alten Gebäude standen dagegen 440 m2 zur Verfügung. Die Einschränkung wurde zum grundlegenden Motiv, das es auszureizen galt.

Um den Charakter des bestehenden Gebäudes zu erhalten, wurde zum Beispiel auf die Außendämmung verzichtet. Auch als Zeichen des Protests gegen die immer strenger werdenden Vorschriften und in Kontrast zu gängigen Wohnkonzepten. Der plakative Projektname „Antivilla“ lässt keine Zweifel an der Intension der Architekten.

Für die künftigen Eigentümer bedeutet dies: Arbeiten und Wohnen im Zwiebelprinzip. Statt Heizkörpern gibt es einen inneren Betonkern, in dem Sauna und Kamin bei Bedarf für wohlige Wärme sorgen. Die zwei äußeren Ringe bleiben abhängig von der Außentemperatur. In einem strengen Winter zieht sich die Nutzfläche somit auf ca. 47 m2 zusammen oder der Bewohner wärmer an. Im Sommer und in warmer Kleidung stehen dafür 440 m2 bereit. Das Projekt ist damit auch ein Zitat auf jene Zeiten, in denen man sich in der kalten Zeit noch in der Stube versammelte, um sich zu wärmen. Allerdings wird diese Rückbesinnung vollkommen neu interpretiert.

Der Verzicht schafft auch neue Freiräume in der Gestaltung der Innenräume und der Aussicht. Alle nicht-tragenden Wände wurden entfernt. In die Außenwände können nach Belieben bis zu 5 m2 große Öffnungen geschlagen werden (siehe Foto).

Während man sich bei der Sanierung auf das Notwendige konzentriert, um den Minimal-Standard zu erreichen, spiegelt das Konzept das Biennale-Motto „Reduce, Reuse, Recycle“ zur Gänze wider: Zurückführen auf das Wesentliche, Überführen in eine neue Nutzung, Recycling des Bestands.

Bildquellen: Nikolai van Rosen, Brandlhuber+

Mehr über das Projekt 0129 Antivilla, Krampnitz, 2010-, Brandlhuber + Emde, Schneider; Elsa Beniada, Peter Behrbohm, Klara Bindl, Arno Brandlhuber, Markus Emde, Victoria Hlubek, Tobias Hönig, Cornelia Müller, Thomas Schneider, Jacob Steinfelder

Infos zur Architekturbiennale in Venedig ab 29.8.

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