Seltene Erden im Porträt

seltene erden Buch umkämpfte metalle

17 Metalle, die unser Leben auf Schritt und Tritt begleiten, werden im vorliegenden Buch umfassend beschrieben, ohne dabei zu sehr auf technische Details der einzelnen Anwendungen einzugehen. Es handelt sich mehr um eine „Biografie“ der Seltenen Erden mit ihren außergewöhnlichen Namen: Scandium, Yttrium, Lanthan, Cer, Praseodym, Neodym, Promethium, Samarium, Europium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Holmium, Erbium, Thulium, Ytterbium und Lutetium.
Begonnen hat alles mit der Entdeckung des „Ytterbit“ durch den Soldaten und Hobby-Mineralogen Carl Axel Arrhenius in der „Grube Ytterby“ (Schweden) im Jahre 1787.
Sieben Jahren später gelang es dem finnischen Chemiker Johan Gadolin erstmals, das Metall zu isolieren und er gewann die sogenannte Yttererde.

Weder selten noch aus Erde

Seltene Erden sind übrigens nicht selten und bestehen auch nicht aus Erde. Im früheren Sprachgebrauch wurde unter „selten“ auch „seltsam“ verstanden. Und „Erden“ waren für Chemiker die Oxide von Metallen.
Seltsam waren die Erden deswegen, weil sie nur „vergesellschaftet“ vorkommen und nie in Reinform. Ihre Trennung bei gleichzeitig sehr ähnlichen physikalischen und chemischen Eigenschaften war schwierig. Somit dauerte es fast 50 Jahre bis die ersten Metalle in Reinform gewonnen wurden. Erst 1949 konnte das letzte Seltenerdelement aufgespürt werden.
Kein Wunder, die damals gängige Auftrennungsmethode, die fraktionierte Kristallisation, benötigte über 1000 Arbeitsschritte, um die Metalle in Reinform zu gewinnen.
Das Buch gibt einen informativen Überblick über die mineralogischen sowie geografischen Vorkommen dieser Technologiemetalle und – wie zu erwarten – besitzt China 43% der weltweiten Reserven.
Ebenfalls sehr übersichtlich werden die diversen Einsatzgebiete, die wirtschaftliche Entwicklung, die Preisentwicklungen und die Versorgungsrisiken der „Vitamine der Industrie“ betrachtet und beschrieben. Auch auf die Substitutionsmöglichkeiten der Seltenen Erden, um von diesen unabhängig(er) zu werden, wird näher eingegangen.

Österreichischer Seltene Erden-Forscher

Einen Österreichbezug stellt das Buch mit der Forschungstätigkeit des Chemikers Carl Freiherr Auer von Welsbach dar: Er ist nicht nur Entdecker einiger dieser „Seltsamen Metalle“, er ist auch der erste Selfmade-„Guldenmillionär“ durch die Erschaffung von Produkten mit Seltenen Erden. Sein erfundener Glühstrumpf schaffte es sogar, 40 Jahre gegenüber der Elektrifizierung konkurrenzfähig zu bleiben. Die erste Fabrik stand nicht unweit von unserem Altmetallplatz „Altmetalle Kranner“ in Wien Liesing, nämlich in Atzgersdorf.
Wie in dem Buch auch gut beschrieben, entstehen bei der Herstellung von Seltenen Erden sehr viele, auch radioaktive Nebenprodukte bzw. Abfälle. Durch fehlende Umweltstandards Anfang des 20. Jahrhunderts ist auch das ehemalige Fabriksgelände davon betroffen und wurde deswegen in den Altlastensanierungsgesetz(ALSAG)-Katalog von Österreich aufgenommen.
seltene erden buch umkämpfte metalleEin eigenes Kapitel widmet sich dem Recycling, das mit kritischen Augen betrachtet wird: In den meisten Anwendungen (mit wenigen Ausnahmen) ist der Dissipationsgrad sehr hoch. Unter Dissipation versteht man die Feinverteilung von Rohstoffen, die gar nicht, oder wirtschaftlich nicht sinnvoll, rückgewinnbar sind. Die Seltenen Erden gehören dabei zu Top-Akteuren, da sie oft nur in geringen Mengen, als „Enabler“ (Möglichmacher) zugesetzt werden. Hierbei wird auf das Ecodesign oder Design for Recycling hingewiesen, damit sich die Dissipation zumindest verringert.
Im großen und ganzen gibt das Buch einen umfassenden und informativen Überblick über die Welt der Seltenen Erden und ist für einen interessierten Laien absolut verständlich, leicht nachvollziehbar und angenehm zu lesen.

Luitgard Marschall, Heike Holdinghausen
Seltene Erden
Umkämpfte Rohstoffe des Hightech-Zeitalters
Oekom Verlag
ISBN-13: 978-3-86581-844-7

Am Rande bemerkt:

Etwas abseits der Seltenen Erden, aber im Sinne des Urban Minings wirklich erwähnenswert, ist die Arbeit von Auer von Welsbach: Er erfand den Metallglühdraht der Glühbirne mit dem bekannten Markennamen „OSRAM“. Dieses Produkt wurde schon damals unter dem Motto „Nutzen statt Kaufen“ vermarktet, da sich die Firma auf diesem Weg die Rohstoffe wieder selbst in die Produktion zurückholen konnte.
Interessant ist auch, dass die noch existierende Treibacher Industrie AG, ebenfalls von Auer von Welsbach gegründet, heute weiterhin der drittgrößte Importeur von Seltenen Erden in Europa ist.

A biography of rare earth metals

„Seltene Erden – Umkämpfte Rohstoffe des Hightech-Zeitalters“ is rather a biography of the 17 rare earth metals than a technical book about these elements. Easy to read with a strong link to Austria: Auer von Welsbach was a pioneer in this field.

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