Urban Miner: Dirk E. Hebel

Urban Miner: Dirk E. Hebel

Architekt Dirk E. Hebel plant Gebäude mit Materialien, die schon einen Lebenszyklus hinter sich haben. Nach UMAR (gemeinsam mit Werner Sobek und Felix Heisel) laufen derzeit die Vorbereitungen für einen Bau der Bundesgartenschau in Heilbronn (D). Trotzdem müssten – laut Hebel – Anreize geschaffen werden, um das kreislaufgerechte Bauen in Zukunft voranzutreiben.

Wie sieht Ihr Urban Mining aus?
Dirk E. Hebel: Ich bin Architekt, und ich glaube auch dort die größte Wirkung erzielen zu können und andere zum Nachmachen zu begeistern. Zurzeit planen wir einen Bau für die Bundesgartenschau in Heilbronn mit meinen Büropartnern Felix Heisel und Karsten Schlesier weiter, dessen Design aus einer Überarbeitung eines Entwurfssemesters von Masterstudierenden des KIT (Simon Sommer, Lisa Krämer, Philipp Staab, Sophie Welter und Katna Wiese) hervorgeht. Hier verwenden wir zum Neubau lediglich Materialien, die schon mindestens einen Lebenszyklus hinter sich haben: Der Stahl für die Tragstruktur kommt teilweise aus einem stillgelegten Kohlemeiler aus der Nähe von Köln. Für die Fassade verwenden wir Glasprodukte, die aus den Scherben der Sammelcontainer stammen; oder – in ganz unterschiedlichen Formen und Ausprägungen. Das sind auch ästhetisch unglaublich hochstehende Produkte, die ich auch bei mir zu Hause als Küchenarbeitsplatte nutze. Und für die Böden setzen wir mineralische Produkte ein, die aus Bauschutt gewonnen werden und in unglaublich schönen Farben und Formen aus den Niederlanden zu beziehen sind.

Urban Miner: Dirk E. Hebel

Urban Miner des Monats: Architekt Dirk E. Hebel

Ist dabei auch etwas schiefgegangen?
Dirk E. Hebel: Was zum Beispiel schief läuft ist, dass wir auf der Suche nach diesen Materialien immer noch vermehrt ins Ausland schauen müssen. Speziell die Niederlande sind hier schon ein großes Stück weiter, auch mit gesetzlichen Vorgaben. Es ist kein Wunder, dass dort gerade unheimlich viele junge Start-Ups aus dem Boden schießen, die auch teilweise komplett neue Geschäftsmodelle verfolgen, bei denen nur noch die Nutzung der Materialien verkauft wird und nicht mehr der Besitz.

Was könnte verbessert werden?
Dirk E. Hebel: Generell müssen wir viel besser werden auch in der Ausbildung junger Architekten und Ingenieure, um ein kreislaufgerechtes Handeln auch von ausführenden Firmen zu verlangen und in die Ausschreibungen festzusetzen. Gerade hatten wir wieder den Fall, dass wir zwar für unsere Gedanken werben und diese niederschreiben, aber die Antwort der Bauindustrie immer noch ist: ach, da nehmen wir doch Beton und vergießen das Ganze. Hier müssen wir Wege finden, um Anreize zu schaffen und mehr gute Beispiele zu präsentieren, wie wir sortenrein und damit kreislaufgerecht bauen können.

Vielen Dank für Ihr Urban Mining!

Dirk E. Hebel ist Professor für Nachhaltiges Bauen am Karlsruher Institut für Technologie, KIT und Principal Investigator am Future Cities Laboratory SEC in Singapur. Zuvor war er Assistenz-Professor für Architektur und Entwerfen an der ETH Zürich und Gründungsdirektor des äthiopischen Instituts für Architektur, Konstruktion und Stadtentwicklung EIABC in Addis Abeba, Äthiopien. Er war Gastprofessor an der Syracuse University; Gastdozent an der Princeton University und Hans und Roger Strauch-Gastdozent an der Cornell University.

Abbildung (1): ©Manuel Rausch; Abbildung (2):©Oliver Goebel

Dirk. E. Hebel, our Urban Miner of the month October, is professor for Sustainable Construction. Currently he teaches at the Karlsruher Institut für Technologie. One of his latest projects using exclusively recycled building materials was UMAR. In his answers he puts the focus on his work and points out, that the Netherlands are the leading nation in the field of reuse and recycling in the building sector.

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