Urban Miner: Günther Spatz

Urban Miner Günther Spatz

Eigentlich wollte Günther Spatz alias Schrotty Erfinder werden, doch er ist (nur) „Finder“ geworden. Mit viel Herzblut schafft „Schrotty“ Designer-Stücke aus Materialien, die andere wegwerfen. Seine Vision ist es, autarke Mikrohäuser aus Schrott und Müll zu entwerfen. Für diese Idee sucht der Bildhauer und Designer noch Mitstreiter und ein geeignetes Grundstück.

Wie sieht Ihr persönliches Urban Mining aus?

Günther Spatz: Urban Mining habe ich von meinen Großeltern geerbt: Wenn mein Großvater unterwegs war und er hat etwas gesehen, dann fragte er, ob er es haben könnte. Zuhause wurde das Stück repariert oder etwas Neues daraus gemacht. Und meine Großmutter fertigte aus Stoffmuster Mappen an und aus den Stoffen Turnsackerl und Fäustlinge.
Urban Miner Günther Spatz Tisch1995 kam es bei mir zum Totalcrash: Die Firma, bei der ich damals angestellt war, zahlte keine Gehälter mehr aus. Ich musste mich hoch verschulden, stand kurz vor dem Wohnungsverlust und der Strom-Gas-Sperre. Also, was tun?
Von heut auf morgen hat sich mein Leben komplett umgedreht: Ich verkaufte alles, das ich nicht wirklich brauchte, am Flohmarkt. Und ich begann, die unterschiedlichsten Ressourcen zu retten: Ich heize seit mehr als 20 Jahren mit Bauholz und gehe auch Dumpstern (Anm.: noch genießbare Lebensmittel aus der Mülltonne holen).

Urban Miner Günther Spatz SchuheIch liebte immer schon Design, doch das meiste ist unerschwinglich. Also beschloss ich, mein eigenes Design aus dem zu machen, was andere wegwerfen. 1999 hatte ich die Idee, die ungenutzten Telefonzellen der Telekom zu einer Dusche umzubauen. Es wäre zu aufwändig gewesen, diese Zellen zu recyceln, weil dabei viel „Müll“ (Sicherheitsglas, Gummi, Plastik) angefallen wäre. Ich bekam die Telefonzellen zu einem günstigen Preis von 250 Schilling (das sind: 18 EUR) unter der Bedingung, der Telekom wichtige Ersatzteile zur Verfügung zu stellen, die das Unternehmen für Reparaturarbeiten benötigt. Für die erste Zelle brauchte ich fast einen Tag für die Demontage, die letzte Zelle demontierte ich in 45 Minuten. Eine Win-win-Situation: Ich war glücklich, weil das Material hochwertig war und die Telekom war glücklich, weil sie wieder Ersatzteile hatte, die sie sonst nicht mehr beziehen konnte. Und sie ersparte sich den Abbau.

Was ist Ihr liebstes Material?

Günther Spatz: Ich liebe Glas. Es ist ein hochwertiger und natürlicher Werkstoff, der die Natur nur sehr gering belastet. Es ist enorm vielfältig und ich bin froh, dass ich den Beruf des Glasers erlernen konnte. Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) und auch Isolierglas kann man allerdings nicht mehr bohren oder schneiden. Daher passe ich den Rahmen an das jeweilige Glas an. Außerdem arbeite ich gern mit Metallen aller Art, Stein, Plastik oder Holz.Urban Miner Günther Spatz Wolf

Was sind die Pläne für Ihr persönliches Urban Mining?

Günther Spatz: Ich habe eine Vision: Autarke Mikrohäuser aus Schrott und Müll für erdbeben- und hochwassergeschädigte Gebiete zu bauen. Um das zu realisieren, bin ich noch auf der Suche nach einem günstigen Grundstück in der Steiermark oder im Burgenland. Ich bin sehr interessiert an einer Zusammenarbeit mit Anderen, die vielleicht so ähnlich denken oder ähnliches machen. Leute, die retten, was zu retten ist. Denn unsere Erde ist nicht unerschöpflich, sie ist schon teils ganz erschöpft!

Wir danken für Ihr persönliches Urban Mining!

Urban Miner Günther Spatz

Unser Urban Miner des Monats: Günther Spatz

Günther Spatz alias Schrotty hat im Laufe seines Lebens in vielen Jobs gearbeitet. Seine Bestimmung fand er als freischaffender, poetischer Lebenskünstler, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, aus nichts etwas zu machen. Mehr Infos zu seinen Arbeiten: Schrottec

Urban Miner of February: Günther Spatz

Günther Spatz, alias Schrotty, turned urban miner decades ago, by pure necessity. Ever since then he lives on a very low resource-consumption-level, with total conviction. Our urban miner of the month February dreams of constructing micro-houses – made out of waste, of course.

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