Urban Miner: Michael Meirer

Urban Miner Michael Meirer

Michael Meirer war jahrelang im Metallrecycling tätig obwohl seine Vorliebe dem Bioabfall gilt. Der Experte in Sachen Lebensmittelabfälle nutzbar zu machen und medienwirksame Science Slamer ist sich nicht zu schade, mit dem „stinkenden Zeug“ in Tuchfühlung zu kommen. Dass er noch dazu die Hundstrümmerl anderer Hunde wegräumt und nebenbei als „Scheißgrüner“ beschimpft wird, tut seinem persönlichen Urban Mining keinen Abbruch.

Wie sieht Ihr persönliches Urban Mining aus?

Michael Meirer: Ich wohne seit einiger Zeit in Liechtenstein und dort ist es extrem sauber. Als mein Bruder aus Wien das letzte Mal bei uns zu Besuch war, bemerkte er: „Als ich über die Grenze bin, hatte ich plötzlich das Gefühl, ich müsste beim Auto die Reifen waschen!“
Wenn ich mit dem Hund unterwegs bin und dennoch einmal Müll am Gehsteig sehe, hebe ich Abfälle von anderen Leuten auf. Unter Umständen auch die Geschäfte anderer Hunde, da diese Unsitte mich als Hundebesitzer in ein schlechtes Licht rückt.
Ich werfe beispielsweise an Ampeln Zigarettenstummel oder Zigarettenpackungen gerne wieder in die Autos zurück, von woher sie stammen, und erfreue mich an der “interessanten” Diskussion, die dabei entsteht. Da fallen dann schon mal Worte wie „Gutmensch“ oder „Scheißgrüner“, obwohl ich meist nicht Grün wähle.
Ich drucke nie etwas aus und unterschreibe – wenn möglich – digital. Bei vielen Organisationen habe ich angeregt, dass sie mir ihre Briefe nur digital schicken – mit mäßigem Erfolg.
Ich spüle Milchpackungen mit einem Schuss Wasser aus und kippe auch noch das in den Kaffee. Der Vorgang des Ausspülens erinnert mich noch an meine Zeit als Ministrant, obwohl ich heute mit der Kirche nicht mehr allzu eng verbunden bin.

Ist bei Ihrem persönlichen Urban Mining auch etwas schiefgegangen?

Urban Miner Michael Meirer

Bei Aufbereitungsversuchen: Michael Meirer in Tuchfühlung mit stinkenden Bioabfällen.

Michael Meirer: Obwohl ich Ingenieur bin, habe ich meine Stärken eher wo anders, als beim Handwerklichen. Da ich Dinge ungern wegwerfe, wenn sie nicht mehr funktionieren, habe ich schon das eine oder andere Mal probiert, sie selbst zu reparieren. Meist war danach allerdings noch mehr kaputt und ich habe auch noch Ressourcen für das Reparieren verschwendet, sodass ich mich doppelt geärgert habe.

Was könnte bei Ihrem persönlichen Urban Mining verbessert werden? 

Michael Meirer: Mit 2 Autos für 2 Personen liegen wir sogar über dem Liechtensteinischen Durchschnitt (8 Autos auf 10 Personen; im Vergleich dazu: in Österreich 5 auf 10) aber das ist nichts, worauf ich stolz bin. Auch in Innsbruck bin ich schon mit dem Motorrad an Stelle des Fahrrads zur Arbeit gefahren, um anschließend zuhause gleich eine Stunde Joggen zu gehen. Der Grund ist zu einem kleinen Teil die Bequemlichkeit, zu einem großen Teil jedoch, dass ich es nicht leiden kann, verschwitzt einem Kunden in einer Besprechung gegenüber zu sitzen.

Wir danken für Ihr persönliches Urban Mining!

Michael Meirer

studierte Industrielle Energietechnik an der Montanuniversität Leoben und absolvierte sein Doktorratsstudium (Technische Wissenschaften) an der Leopold-Franzens Universität in Innsbruck. Er lehrte an den Fachhochschulen Wien und Kufstein. 4 Jahre lang war er als Geschäftsführer für die R-Power GmbH verantwortlich. Seit November 2018 ist Meirer als Produktmanager bei Meiko Green Waste Solutions tätig. Dort knüpft er an seine Doktorarbeit an und versucht, Lebensmittelabfälle zu 100% energetisch als auch stofflich nutzbar zu machen.

Weitere Publikationen:
Wozu Müll trennen?
ZfW_024-Abfall

Medienwirksame Auftritte auf Youtube:
Michael Gaggl – “Elektroschrott – mehr als heiße Luft”
Abfallwirtschaft: Energie aus Restabfall
Michael Meirer – Duell der Giganten

Urban Miner of the month: Michael Meirer

Michael Meirer, Product Manager of Meiko Green Waste Solutions is our Urban Miner of the Month (UMOM) January. Originally a montan engineer, he now focuses on bio energy. He is not afraid of provocation and discussion when it comes to clean and proper environment. And he is rather unhappy that he lacks the skills of repairing things himself.

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