Urban Miner: Rainer Weichbrodt

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Er ist in unseren Breiten einer der Wegbereiter des Urban Minings: Rainer Weichbrodt setzt sich seit dem Jahr 2008 intensiv für das Thema der Kreislaufwirtschaft ein; zwei Jahre später ruft er mit Partnern gemeinsam den Urban Mining Kongress ins Leben und gründet den Urban Mining-Verein. Sein persönliches Urban Mining stützt sich auf das Motto „Teilen ist das neue Besitzen“.

Wie sieht Ihr persönliches Urban Mining aus?
Rainer Weichbrodt: Mein persönliches Urban Mining unterscheidet sich vermutlich nicht von dem anderer verantwortungsbewusster Bürger. Besonderes Augenmerk liegt in der Nutzung von Gegenständen. Wenn trotz schonender Nutzung Dinge defekt sind, werden diese repariert auch wenn dies nicht die wirtschaftlichste Lösung ist. Auch ein Lebensstil nach dem Motto „Teilen ist das neue Besitzen“ biete ich heute innerhalb der Nachbarschaft und Familie, frage aber auch mehr nach Leihmöglichkeiten. Dazu kommt natürlich die Vermeidung und Trennung von Müll.

Ist bei Ihrem persönlichen Urban Mining auch etwas schiefgegangen?
Rainer Weichbrodt: Nicht direkt schiefgegangen, aber es fallen immer wieder Dinge auf, die noch zu verbessern sind. Insbesondere beim Onlinehandel bleibt mir noch zu viel Verpackungsmüll übrig.
Geschäftlich bohre ich wirklich dicke Bretter. Bei allen Innovationsthemen, egal ob es um den demografischen oder digitalen Wandel, die Arbeitswelt 4.0 oder eben der Bereich Corporate Social Responsibility geht. Kein Argument ist mir fremd, wenn es darum geht sich nicht mit diesen Themen auseinanderzusetzen.
Bei einem Kunden habe ich mich schon gefreut als ich erfahren habe, dass ein Produkt nach dem „cradle2cradle“-Prinzip zertifiziert war, zumindest für den amerikanischen Markt. Bei der deutschen Mutter konnte dies aber niemand einordnen.
Und darum geht es. Ob nach dem Prinzip „cradle to cradle“ oder dem Prinzip „designed for Urban Mining“, Rohstoffe und Bauteile in den Produkten sollen so wiederwendbar sein, dass sie in den natürlichen oder technischen Kreislauf zurückgeführt werden können, ohne dabei andere Schutzziele wie Gesundheit und Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks zu torpedieren.
Im Jahr 2009 haben wir in einem Arbeitskreis des Internationalen Controllervereins (ICV) und der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) die DINSpec 1086 „Qualitätsstandards im Controlling“ entwickelt. Ziel war es, deutlich zu machen, dass auch ökologische Zielgrößen auf dem Management-Cockpit zu stehen haben und als Steuerungsgrößen für ein Unternehmen genutzt werden.
Mittlerweile hat das Thema Digitalisierung (www.der-digitale-wandel.de) mich fast vollständig in Beschlag genommen und das Thema Urban Mining verdrängt. Mit dieser und der damit verbundenen Nutzung seltener Erden und strategischen Metallen kommt dem Thema Urban Mining nochmals eine wachsende Bedeutung zu. Vielleicht schaffe ich in diesem Kontext dem Thema wieder mehr Raum zu geben.

Rainer Weichbrodt

Urban Miner des Monats: Rainer Weichbrodt

Was könnte bei Ihrem persönlichen Urban Mining verbessert werden?
Rainer Weichbrodt: Ich wünsche mir mehr Unternehmer, die sich den Spannungsfeldern der Nachhaltigkeit stellen. Ich selbst bin ja Ökonom und die meisten Jahre als Finanzchef oder Neudeutsch CFO tätig gewesen. Zu keiner Zeit verliert man da ökonomische Ziele aus den Augen. Nein gerade weil man sie strategisch im Blick hat, wird sich dieses Spannungsfeld auflösen müssen. Nachhaltiger Erfolg ist nur unter ökologischen Aspekten möglich.
Konsumenten können ihren Teil daran tun.
Privat hat meine Frau die wesentliche Rolle beim Einkauf übernommen. Möglichst verpackungsfreier Einkauf natürlich ohne Plastiktüten. Der Anteil der Onlinekäufe ist leider noch so hoch, dass zu viele Verpackungen anfallen. Hier könnte der Einzelhandel stärker genutzt werden, wenn mehr Zeit zur Verfügung stünde.

Wir danken für Ihr persönliches Urban Mining!

Zur Person: Dipl. Ökonom Rainer Weichbrodt ist Unternehmensberater und Lehrbeauftragter an Hochschulen. Davor hat er nach seinem Studium der Informatik und Wirtschaftswissenschaften 25 Jahre lang in der Geschäftsführung diverser Unternehmen gearbeitet. Er gründete 2013 das MID (Management Institut Dortmund). Der heutige Schwerpunkt liegt in der Unterstützung von Unternehmen im Bereich der Personal- und Organisationsentwicklung im demografischen und digitalen Wandel. Weichbrodt unterstützt dabei Firmen, Themen der Nachhaltigkeit in Leitbildern zu verankern. Er erhielt mehre Auszeichnungen für Projekte im den Bereichen Wissens- und Innovationsmanagement.

Rainer Weichbrodt is executive consultant and assistant professor at German universities. He was co-founder of the German Urban Mining Society and is our urban miner for May. He has a very holistic approach to sustainibility, with urban mining as part of it.

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