Urban Miner: Reinhard Loske

Urban Miner: Reinhard Loske

Er ist Autor, Wissenschaftler, Professor für Nachhaltigkeit und Ex-Politiker. So facettenreich Reinhard Loskes berufliche Wirkungsbereiche sind, so facettenreich ist auch sein persönliches Urban Mining. „Doch bloß nicht verbohrt an die Sache rangehen“ – lautet sein Motto. Seine Kids danken es ihm und freuen sich über Papas Coolness.

Wie sieht Ihr persönliches Urban Mining aus?

Reinhard Loske: Ich bin in dieser Sache durch meine Erziehung echt “old school”: soviel wie möglich selber machen. Nur notwendige Dinge anschaffen, die man wirklich braucht und dann auch in Schuss hält. Was gekauft werden muss, weil es notwendig ist, sollte Qualität haben, lange halten, reparaturfähig sein und darf auch etwas kosten. Dinge, die ich nicht mehr brauche, die aber noch funktional sind, werden weitergegeben. Organisches wird soweit wie möglich im eigenen Garten kompostiert und in den Kreislauf zurückgeführt. Ansonsten bin ich wie die meisten Deutschen ein braver Mülltrenner, wobei mein Ehrgeiz dahin geht, dass die Plastiktonne am Tag der Müllabfuhr so leer wie möglich ist: Halbvoll ist fast eine Niederlage, viertelvoll ist gut, achtelvoll sehr gut. An neue Formen wie das Sharing taste ich mich erst langsam ran, wobei erste Erfahrungen in den Bereichen Ride Sharing, Apartment Sharing und Food Sharing durchaus Lust auf mehr machen. Ansonsten das übliche Kleinklein: Nur das Nötigste ausdrucken, Wasch- und Spülmaschine vorm Starten richtig vollpacken, elektrisches Licht ausschalten, wenn es nicht gebraucht wird, und so weiter. Alles in dem Bewusstsein: „Nobody is perfect!“ und „Bloß nicht verbohrt an die Sache rangehen“. Moralin kommt gerade bei den Kids gar nicht gut, eher Coolness und der Ehrgeizgedanke (“Ich brauch das nicht!”). Am besten ist es, wenn Öko zur Routine wird, für die man keinen Heiligenschein braucht, sondern nur gesunden Menschenverstand.

Ist bei Ihrem persönlichen Urban Mining auch etwas schiefgegangen?

Reinhard Loske: Die eigenen Kinder in obiger Grundhaltung zu erziehen, ist manchmal eine Herausforderung, macht aber auch Spaß und fordert heraus. Es gibt Erfolge und Misserfolge. Meinem Zweiten die väterliche Schultasche anzudienen, weil die doch Geschichte und Patina habe und deshalb etwas Besonderes sei, ist leider misslungen. Er wollte eine neue mit Weltraummotiven drauf. Naja. Anstrengender sind die Kämpfchen bei Smartphone und Co. Der von Umfeld und Werbung systematisch gefütterte Wunsch in Sachen Elektronik stets vorne mit dabei zu sein, ist ein steter Quell von Diskussionen. Aber die bieten ja auch Chancen.

Was könnte bei Ihrem persönlichen Urban Mining verbessert werden?

Reinhard Loske: Wie gesagt: Wir sind alle keine Engel in Sachen Ressourcenschonung. Jeder hat so seine Schwächen, ich auch. Die berufs- und wohnortbedingte Mobilität gehört dazu. Zwar bin ich – wann immer möglich – zu Fuß, mit dem Rad, der Bahn und dem ÖPNV unterwegs, aber nicht-nachhaltige Verkehrsmittel wie das Auto und für Auslandsaktivitäten auch das Flugzeug werden ebenfalls ab und an genutzt. Da gibt es sicher weiteres Reduktionspotential, etwa durch Car Sharing und Elektromobilität. Ich bleibe dran.

Wir danken für Ihr persönliches Urban Mining.

Zur Person:

Prof. Dr. rer. pol. habil. Reinhard Loske ist Professor für Nachhaltigkeit und Transformationsdynamik an der Universität Witten/Herdecke und Senior Associate Fellow der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin. Zwischen 2007 und 2011 war er Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa der Freien Hansestadt Bremen, zuvor (1998-2007) Mitglied des Deutschen Bundestages, u.a. stv. Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen und deren umweltpolitischer Sprecher.

Er promovierte 1996 zum Thema “Klimapolitik im Spannungsfeld von Kurzzeitinteressen und Langzeiterfordernissen” an der Universität Kassel (Dr. rer. pol.) und habilitierte 1999 mit einer Arbeit zum Thema “Nachhaltigkeit als Politik” am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin.

Von 1992 bis 1998 war Loske Wissenschaftler am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, u.a. Leiter der interdisziplinären Forschungsgruppe „Zukunftsfähiges Deutschland“ und Projektleiter für „Klimapolitik“. 2008 erhielt er den „Adam Smith-Preis” des Forums für ökologisch-soziale Marktwirtschaft.

Urban Miner: Reinhard LoskeSeine wichtigsten Buchveröffentlichungen:

  • Politik der Zukunftsfähigkeit, S. Fischer, Frankfurt/M. 2016 („Umweltbuch des Jahres 2016“ der Deutschen Umweltstiftung)
  • The Good Society without Growth, Basilisken-Presse, Rangsdorf 2013
  • Abschied vom Wachstumszwang, Basilisken-Presse 2010
  • Die Zukunft der Infrastrukturen (mit Roland Schaeffer), Metropolis-Verlag 2005
  • Greening the North: A Post-Industrial Blueprint for Ecology and Equity (mit Manfred Linz und Wolfgang Sachs), Zed Books 1998
  • Klimapolitik, Metropolis-Verlag 1997
  • Zukunftsfähiges Deutschland (mit Wolfgang Sachs u.a.), Birkhäuser Verlag 1996

Reinhard Loske is professor at the University of Witten/Herdecke for politics, sustainability and transformation processes. He describes himself as being of the „old school“: buying only what is really needed, giving away rather than throwing away and making things last. With a good portion of pragmatism, he admits openly that his lifestyle is not thoroughly sustainable.

 

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