Urban Miner: Sepp Eisenriegler

Sepp Eisenriegler R.U.S.Z. Urban Miner

Er rettet ausgemusterte Waschmaschinen und Geschirrspüler, um sie finanziell schwachen Haushalten zur Verfügung zu stellen. Der Geschäftsführer des Reparatur- und Service-Zentrums R.U.S.Z lebt auch im Privaten ressourcenschonend. Eisenriegler geht mit seinem „reparierten“ Hund Gassi, freut sich an kalten Tagen über sein Niedrigenergiehaus und ist begnadeter Restl-Koch. Ob ihn sein Umfeld hin und wieder anstrengend findet?

Wie sieht Ihr persönliches Urban Mining aus?
Sepp Eisenriegler: Seit 40 Jahren habe ich mir Ressourcenschonung – beruflich wie privat – zur Lebensaufgabe gemacht. Meine Frau leidet manchmal darunter, aber ich lebe meine Berufung auch zu Hause aus. Jedes Wochenende freue ich mich auf´s Waschen meiner Wäsche in einer 40 Jahre alten Waschmaschine. Ich bügle nicht und verwende auch keinen elektrischen Wäschetrockner. Ich besitze kein eigenes Auto und freue mich insbesondere an kalten Tagen über unser Niedrigenergiehaus. Seit Jahren gehe ich mit unserem „reparierten“ Hund, der in kein Top Case passt, Gassi statt – wie vorher – Motorrad zu fahren (Anm.: Der “reparierte” Hund ist ein Schäfer und stammt aus einer ungarischen Tötungsstation. Seine psychischen Störungen konnten durch viel Liebe und Zuwendung “repariert” werden.) Ich bemühe mich weniger Fleisch zu essen, aber auf das Niveau „einmal pro Woche“ hab ich es noch nicht geschafft. Allerdings bin ich ein begnadeter Restl-Koch. Immer wenn wir die Gemüsekisten geliefert bekommen, verwerte ich das, was noch übrig geblieben ist von der letzten Lieferung gemeinsam mit dem, was im Kühlschrank schon ein wenig alt aussieht. Das schmeckt dann allen.

Ist bei Ihrem persönlichen Urban Mining auch etwas schiefgegangen?
Sepp Eisenriegler: Ja! Ich bin viel zu lange dem Recycling-Schmäh aufgesessen! Seit vielen Jahren weiß ich, was bereits in den frühen 90er-Jahren wissenschaftlich publiziert worden war: In einem Artikel im The Ecologist, aus 1992 schrieb Simon Fairlie: “Recycling offers business an environmental excuse for instant obsolescence and consumers an environmental excuse for increasing their consumption.” (Recycling bietet Unternehmen

Sepp Eisenriegler R.U.S.Z. Goldenes Verdienstzeichen

Umweltstadträtin Ulli Sima zeichnete Sepp Eisenriegler mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Stadt Wien aus. ©Jobst PID

eine ökologische Ausrede für sofortige Obsoleszenz und Verbrauchern eine ökologische Ausrede für die Erhöhung ihres Verbrauchs.) Und: “It is to perpetuate the ethos of disposability that large corporations have embraced the recycling scenario with such enthusiasm.” (Um das Ethos der Verfügbarkeit aufrechtzuerhalten, haben große Unternehmen das Recycling-Szenario mit großer Begeisterung angenommen.)
Bis vor wenigen Tagen wurde mein Fokus auf Ressourceneffizienz manchmal angezweifelt. Jetzt ist die Studie der Vereinten Nationen „Global Resources Outlook“ erschienen. Die Klimarelevanz von Produktnutzungsdauer-Verlängerung durch Reparatur und andere Formen der Ressourcen-Effizienz, die ich immer schon „predige“, wird damit neuerlich wissenschaftlich bestätigt! Das tut gut …

Was könnte bei Ihrem persönlichen Urban Mining verbessert werden?
Sepp Eisenriegler: Ich glaube nicht, dass es weise wäre, mein bisheriges privates Verhalten weiter zu „verbessern“ – auch wenn mir manchmal danach ist. Ich bin so schon anstrengend genug für mein soziales Umfeld. Fragen Sie meine Frau und meine beiden Söhne!
Nachdem nach vielen Jahrzehnten des Lobbyings für Ressourcenschonung jetzt mit dem Circular Economy Action Plan endlich ernstzunehmende, ordnungspolitische Maßnahmen gesetzt wurden, muss für einen Bewusstseinswandel bei den KonsumentInnen gesorgt werden. Ein Tipp ist „Nutzen statt besitzen“. Wir nehmen immer alles in Besitz, zum Beispiel eine Waschmaschine, obwohl wir eigentlich nur saubere Wäsche wollen. Sobald das Gerät kaputt ist, kaufen wir dann aus demselben Impuls heraus gleich ein neues. Darauf verlassen sich die Hersteller und bauen sie zuverlässig so, dass sie nach einer gewissen Zeit kaputt werden und nicht mehr wirtschaftlich zu reparieren sind. Wenn wir stattdessen die Waschmaschine vom Hersteller mieten würden, hätte der einen Anreiz, sie von Anfang an so zu bauen, dass sie wie früher 50 Jahre läuft, leicht und günstig zu reparieren ist und damit der Materialverbrauch pro Nutzungseinheit maßgeblich gesenkt wird. Wir probieren das derzeit im Reparatur- und Service-Zentrum R.U.S.Z mit der Produktdienstleistung „Saubere Wäsche“ aus, müssen allerdings feststellen, dass die Mehrzahl der KonsumentInnen aufgrund der 5.000 empfangenen, subtilen Werbebotschaften pro Tag nicht wie der sogenannte homo oeconomicus agiert, sondern sich zum Konsumtrottel degradieren lässt. Hier gibt es noch viel an Bewusstseinsbildung zu tun!

Wir danken für Ihr persönliches Urban Mining!

Sepp Eisenriegler

war bis 2007 bei Die Umweltberatung Wien auf dem Gebiet Abfallvermeidung und Ressourcenschonung tätig. Schon im Jahr 1998 gründete er das Reparatur- und Servicezentrum R.U.S.Z., dessen Geschäftsführung er bis heute innehat. Sein Engagement Sepp Eisenriegler Konsumtrottel R.U.S.Z. Urban Minergilt regional wie national der Umsetzung des Themas “Länger nutzen statt öfter kaufen”.
Eisenriegler ist Autor des Buchs „Konsumtrottel“, erschienen in der edition a.

“Grandpa” of the repair movement

Sepp Eisenriegler is our urban miner of the month. One could call him the „grandpa“ of the repair movement in – at least – Vienna, Austria. Since more than 40 years he repairs things with heart and soul and has made his passion to his job as well. He is the CEO of the Reparatur- und Service-Zentrums R.U.S.Z. Even his dog is a „repair dog“ – he saved him form being killed in Hungary.

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