Urban Minerin: Angelika Büchler

Urban Minerin: Angelika Büchler

Abfallberatung ist im Leben der Angelika Büchler mehr als ein Job ̵– es ist Berufung. Sie arbeitet in der Abfallwirtschaft, renoviert ihr 600 Jahre altes Haus mit Abbruch-Ziegel, bringt ihre Verpackung zum Einkaufen mit und führt ganz nebenbei den Blog Trennsetterin.at. Ihr Engagement zielt darauf ab, unseren Kindern eine saubere Umwelt zu hinterlassen.

Wie sieht Ihr persönliches Urban Mining aus?

Angelika Büchler: Ich arbeite seit 30 Jahren in der Abfallwirtschaft und genau 20 Jahre in der Abfallberatung. Wie schon aus dem Namen Abfallberatung hervorgeht, berate ich über die richtige Mülltrennung, die Müllvermeidung und Entsorgung. Beruf und Privatleben kann daher nicht getrennt werden.
Aktuell beschäftige ich mich mit abfallarmem und regionalem Einkauf. Abfallberater kämpfen seit ca. 15 Jahren, dass sich in diesem Bereich etwas tut. Ganz gegenteilig wurden über die Jahre die Mehrweg-Pfandflaschen durch Einwegflaschen ersetzt; Fleisch und Wurst werden unter dem Titel der Hygienerichtlinien verpackt angeboten, mit Knotenbeutel soll das Obst und Gemüse eingekauft werden. Erst mit dem Plastiksackerlverbot 2020 wird bundesweit an Lösungen gearbeitet, um den Anteil an Einwegverpackungen zu reduzieren. Endlich merkt auch der Konsument Lösungsangebote.
Ich gehe nun mit Glasgeschirr einkaufen und erhalte ohne Murren den Liptauer in mein mitgebrachtes Geschirr. Auch das Netzerl für Obst und Gemüse von diversen Supermärkten funktioniert gut. Außerdem schaue ich verstärkt auf Regionalität: Eier, Erdäpfel, Zwiebel, Obst werden nur im Ort gekauft. Das ist der Vorteil, wenn man am Land lebt. Fahr ich zur Familie auf Besuch, erhalte ich davor eine Einkaufsliste und decke die Verwandtschaft mit regionalen Mitbringsel ein.

Ist bei Ihrem persönlichen Urban Mining auch etwas schiefgegangen?

Urban Minerin Angelika Büchler Ziegel AbbruchAngelika Büchler: Schiefgegangen kann man so nicht sagen. Wir haben ein 600 Jahre altes Haus und haben uns für die Renovierung und auch den Zubau Ziegel von Abbruchhäusern geholt. Mit Hammer und Euro-Paletten bewaffnet sind wir zu den abgerissenen Häusern im Ort oder der näheren Umgebung gefahren und haben die einzelnen Ziegel von Lehm befreit, auf den Paletten nach Hause gebracht und verbaut. Als wir nach einigen Jahren für den Weinkeller Ziegel benötigten und ausgerückt sind, hat es sich herumgesprochen, dass alte Ziegel ein guter Baustoff sind. Plötzlich standen auf der Abbruchstelle drei Familien, alle mit der gleichen Intention. Aber es ging sich aus, dass wir alle genug Ziegel bekommen haben, um die Bautätigkeiten mit alten Baumaterialien durchführen zu können. Der Sohn unseres Nachbarn hat uns bei dieser Tätigkeit einmal beobachtet und meinte: „Mein Papa kauft das alles neu ein.“

Was könnte bei Ihrem persönlichen Urban Mining verbessert werden?

Angelika Büchler: Mein großer persönlicher Minuspunkt ist die Nutzung meiner Fortbewegungsmittel. Beruflich bin ich an das Auto gebunden. Sowohl der Weg in die Arbeit, als auch meine Außendienste lassen sich nur mit einem Auto bewerkstelligen. Privat versuche ich öffentlich von A nach B zu fahren, aber das ist nur sehr eingeschränkt möglich. Ich wohne am Land, das bedeutet: Ich benötige ein Auto, um zum nächsten Bahnhof zu gelangen. Untertags wäre es noch möglich mit dem Bus nach Hollabrunn zu kommen. Doch fährt der Bus am Bahnhof ein, fährt der Zug gerade ab und man wartet eine Stunde auf den nächsten. Gehe ich in Wien ins Theater, fährt der Zug abends so unregelmäßig zurück, dass ich in meinen Ort erst wieder in der Früh käme. Also keine Option. Ich reise gerne und auch hier ist ein Auto oder Flugzeug unabdingbar.

Vielen Dank für Ihr persönliches Urban Mining!

Ing. Angelika Büchler MSc

begann als Leiterin der Eingangskontrolle bei der NÖ Umweltschutzanstalt; heute ist sie als abfallrechtliche Geschäftsführerin und Abfallberaterin beim Abfallverband Hollabrunn (Niederösterreich) tätig.
Neben diversen Auszeichnungen für Projekttätigkeiten wurde sie 2014 für ihr Langzeitengagement als Abfallberaterin gewürdigt. Seit einigen Jahren führt sie den Blog Trennsetterin.at, auf dem sie sich dafür einsetzt, Müll als wertvollen Rohstoff zu sehen.

Reuse expert: Angelika Büchler

Angelika Büchler – our urban miner of the month October and editor of the blog Trennsetterin.at – is a dedicated waste collector and a reuse expert. She has been working in the waste business for over 30 years, mainly as a waste consultant. She lives in a 600 year old house north of Vienna, which she renovates with old bricks, collected from demolition sites. “Circular Economy” – for her it is not just a slogan but a concept of life.

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