Urban Minerin des Monats: Fanny Abrari

Urban Minerin Fanny Abrari

Fanny Abrari ist Designerin und Gründerin des Mode-Labels fabrari-wear the world. Mit ihren Fotoprints bringt sie die Schönheiten der Welt auf Kleider, Röcke und Shirts, die lokal, sozial und nachhaltig produziert werden. Ihr privates Urban Mining ruht auf Regionalität, Müllvermeidung und Re-use – zwar nur „ein kleiner Tropfen auf den Müllbergen“, aber er „vermittelt das Gefühl, es richtig zu machen“.

Wie sieht Ihr persönliches Urban Mining aus?

Fanny Abrari: Was die berufliche Seite angeht, ist es mir wichtig, dass Stoffreste, die vom Zuschnitt übrigbleiben, nicht im Müll landen: Aus den ungebrauchten Stoffteilen entstehen je nach Größe Tragtaschen, Lavendelsäckchen oder Patchwork-Artikel für den Eigengebrauch. Meine Flyer habe ich in Form von Lesezeichen gestaltet, damit sie eine weitere Funktion haben und nicht zuhause im Altpapier landen.
Im Privatleben habe ich beispielsweise vor Jahren schon meine Nespresso-Maschine entfernt und koche meinen Kaffee in der guten alten Bialetti.

Bei Lebensmitteln achte ich auf Regionalität. Je österreichischer desto besser!

Toll und ansprechend finde ich die Aktion „Wunderlinge“. Produkte davon kaufe ich besonders gerne, einfach weil sie anders sind, und nicht in die Norm passen. Hier kommt der Revoluzzer in mir durch.

Urban Minerin Fanny Abrari

Fanny Abrari, Designerin und Gründerin des Mode-Labels “fabrari – wear the world”

Neues wird nur mehr angeschafft, wenn es wirklich erforderlich ist. Auch hier versuche ich schon auf bestehende Produkte zurückzugreifen, die andere nicht mehr benötigen. Vor einer Anschaffung checke ich zuerst mal Willhaben, Shpock und Co! Amazon und Co kommen hingegen für mich nicht mehr in Frage. Ich bin grundsätzlich kein Fan von Online Shops, da ich lieber den direkten Kontakt zu Menschen und Beratung suche. Weil ich durch mein eigenes Business weiß, wie kleine, lokale Geschäfte durch Online-Shops an den Rand der Existenz getrieben werden, vermeide ich den „bequemen Kauf von der Couch“ – trotz der zwei bis vier Wochen kostenlosen Rücksende-Garantie.

Einmal habe ich erlebt, dass ein Anbieter auf den Rückversand eines Produktes verzichtet hat, weil es sich nicht ausgezahlt hätte. Da fragt man sich schon, wie sich das rechnet…

In Geschäften nehme ich schon lange keine „Sackerl“ mehr, auch wenn es bedeutet, dass ich zum Jongleur werde, wenn ich ohne eigene Tragtasche im Supermarkt unterwegs bin.
Urban Minerin Fanny AbrariWas ich sehr gerne von Zeit zu Zeit mache, ist zur Müllsammelstelle der MA 48 zu fahren. Die MitarbeiterInnen dort sind immer sehr freundlich und hilfsbereit, wenn es darum geht, in welchen Container was abgegeben werden muss. Außerdem finde ich es immer schön dort, so viele Menschen zu treffen, denen es ebenfalls nicht „wurscht“ ist, wie sie ihren Müll entsorgen. Das hat was Verbindendes und macht irgendwie gute Laune. Auch wenn es vielleicht nur ein kleiner Tropfen auf den immer weiterwachsenden Müllbergen ist, so habe ich dort das Gefühl, es richtig zu machen.

Ist bei Ihrem Urban Mining auch etwas schiefgegangen?

Fanny Abrari: Ja, leider geht es gelegentlich schief. Am liebsten würde ich Plastik vermeiden, aber ich habe selbst noch keine gute Lösung gefunden wie das gehen soll, sind doch Konsumgüter großteils aus und in Plastik verpackt – von der Zahnpastatube bis zum Bio-Ingwer. Das nervt.

Und ich finde die Entwicklungen sehr erschreckend, wenn sogar geschälte Bananen in Plastikverpackungen zu kaufen sind oder Apfelspalten in kleinen Plastiktüten, die wiederum in einer größeren Verpackung stecken. Basieren diese Angebote wirklich auf Angebot und Nachfrage? Manchmal kommen mir die eigenen Bemühungen wie ein Kampf gegen Windmühlen vor.

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Was könnte bei Ihrem Urban Mining verbessert werden?

Fanny Abrari: Entschlacken, entschlacken, entschlacken. Es ist unglaublich, was man so im Laufe seines Lebens zusammenhortet. Ich würde so gerne loslassen… So viele Teile und Fehlkäufe von früher, die ich nicht verwende und anziehe. Im Grunde braucht man doch so wenig. Die Versorgungslinie mit neuen Gegenständen ist ja wie beschrieben schon gestoppt. Es geht nur mehr darum die bestehenden Sachen abzubauen, ohne sie dem Müll zuzuführen; schließlich handelt es sich großteils um intakte, ungenützte Teile. Die Verbesserung liegt nun darin, neue BesitzerInnen für die Sachen zu suchen. Ich arbeite daran….

Danke für Ihr persönliches Urban Mining.

Fanny Abrari bietet mit ihrem Label fabrari-wear the world eine Alternative zu (teuren) Labels, die unethisch produzieren lassen. Und sie steht für mehr Individualität in der Mode.

Fanny Abrari is designer and owner of the fabrari-wear the world– label with focus on local products and sustainable production. In her private life she – successfully – pursues the same philosophy.

Fotos(1,3 +4): © Matthias Nemmert; Foto (2): © Marie Bleyer

 

 

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