Welcome to Sodom

Welcome to Sodom Agbogbloshie Film Elektroschrott

Der Dokumentarfilm „Welcome to Sodom“ der beiden österreichischen Regisseure Florian Weigensamer und Christian Krönes zeigt die weltweit größte Müllhalde für Elektroschrott: Agbogbloshie. Der Film ist diese Tage in den heimischen Kinos angelaufen. Barbara Kanzian hat ihn sich angesehen.

Mit einem starken Magneten fährt der Junge über den Boden. Zahlreiche kleine Stücke bleiben daran haften. Anschließend siebt er seinen Fund, damit nur reine Eisenteile übrig bleiben. Während er so vor sich hin arbeitet, hört man ihn aus dem OFF erzählen: „Agbogbloshie ist ein guter Ort. Hier finden Kinder Arbeit; die Mädchen verkaufen Wasser, die Jungen sammeln Schrott.“

Giftiges Recyceln von Elektroschrott

Der Ort, um den es in dem Dokumentarfilm „Welcome to Sodom“ geht, ist ein Stadtteil der ghanaischen Hauptstadt Accra (Afrika). Früher war es hier schön; heute ist es die weltweit größte Elektromüllhalde und – laut Umweltschutzorganisation Blacksmith Institute – zählt Agbogbloshie zu einem der verseuchtesten Orte. Jährlich werden hier 250.000 Tonnen Elektroschrott illegal entsorgt oder mit einfachsten Mitteln „recycelt“: Und das unter Bedingungen, die alles andere als gesund sind. Um das Plastik von den wertvollen Metallen, allen voran Kupfer, zu trennen, brennen überall Feuer, dunkle, giftige Rauschschwaden verdecken den Himmel. Kinder, die Wasser verkaufen, sind ebenfalls ganz nah an diesem brennenden Geschehen, dazwischen ausgemergelte Kühe und Ziegen.

Welcome to Sodom Agbogbloshie Film Elektroschrott

Die rund 6.000 Menschen, die hier arbeiten, nennen diesen Ort Sodom. Sie kommen vom Norden Afrikas ebenso wie aus den angrenzenden Nachbarländern. Die einen haben sich arrangiert und wissen, dass sie wohl für immer hierbleiben werden; die anderen sehen den Ort als Übergang, wo sie genug verdienen können, um woanders ein besseres Leben zu führen.

Am untersten Ende der Verwertungskette

„Wir sind die besten Recycler. Für die Europäer ist es nur Mist. Aber ich kann noch ein wenig Geld rausquetschen“, erzählt ein Mann aus dem OFF. Und je mehr Schrott hier ankommt, desto besser das Geschäft, um vielleicht Geld für einen Pass zusammenzubekommen, um sich in Richtung Europa aufmachen zu können. Die Menschen hier leben davon, die weggeworfenen Geräte aus dem Westen zu recyclen; die wiederverwendbaren Rohstoffe werden wieder in den Westen geschickt, damit dort neue Geräte gebaut werden können, die nach einiger Zeit wieder in Agbogbloshie landen – ein globaler Wirtschaftskreislauf. Den Menschen von Agbogbloshie wurde dabei der Platz am untersten Ende der Verwertungskette zugewiesen.

Ein Ort der Hoffnung und Kreativität

Auch wenn die tief beeindruckenden Bilder einer Weltuntergangsstimmung gleichen, kommt in dem Film nicht das Gefühl von Mitleid auf. Die Menschen von Agbogbloshie haben ihr Leben in der Hand und gestalten es auch kreativ: Da gibt es ein eigenes Tonstudio, wo die Rap-Hymne „Welcome to Sodom“ gerade aufgenommen wird. Es wird getanzt, Muskeln trainiert, Fußball gespielt.

Welcome to Sodom Agbogbloshie Film Elektroschrott

Und genau diese Bildeinstellungen kommen in dem Film von Florian Weigensamer und Christian Krönes nicht zu kurz: Agbogbloshie als Ort von Kreativität und Hoffnung. Die beiden sind während ihres monatelangen Drehs den Menschen auf Augenhöhe begegnet und das ist in jeder Sequenz des Films spürbar.

Die eigentliche Größe von „Welcome to Sodom“ liegt darin, dass er ohne Schuldzuweisungen, Belehrungen und ohne erhobenen Zeigefinger auskommt.

Mehr Informationen über den Film: Welcome to Sodom

The World’s biggest “recycling Center”

Agbogbloshi ist part of Ghana’s capital Accra and the world’s biggest „recycling center“ for electronic waste. It is dangerous, it is dirty, it is toxic and yet it is livelihood for over 6000 people and their families. In their documentary  „Welcome to Sodom“ – as Agbogbloshi is called by its inhabitants themselves – the two Austrian film directors Florian Weigensamer and Christian Krönes give a deep insight into daily life at Agbogbloshi.

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